Mythos Adler – Von Zeus zum Euro

Nahaufnahme: Ein männlicher Steinadler blickt in die Kamera.

Greifvögel

Mythos Adler – Von Zeus zum Euro

Von Günter Wagner

Zeus, der höchste aller griechischen Götter, erwählte den Adler zu seinem Symboltier. Seitdem wurde der Adler vielerorts als Symbol der Macht eingesetzt – nicht zuletzt auf der deutschen Flagge, die der Bundesadler ziert.

Der Adler als Symbol

Der Sage nach schickte Zeus den Adler, um den schönen Knaben Ganymed in den Olymp zu entführen, wo dieser als sein Geliebter und Mundschenk dienen sollte.

Vielleicht hat sich Zeus gar selbst in den Vogel verwandelt, um von den Höhen des Olymps herabzufliegen. Eine Szene, die in den Darstellungen vieler Künstler von Michelangelo bis Rembrandt festgehalten wurde.

Zeichnung: "Die Entführung des Ganymed" von Michelangelo

"Die Entführung des Ganymed" von Michelangelo

Aber nicht nur bei den Griechen, auch bei den Römern und Germanen war der Adler ein Zeichen der höchsten Gottheit. Als Sinnbild Jupiters wurde er zum Symbol des römischen Reiches und der kaiserlichen Macht. Er diente als Feldzeichen der Legionen und wurde auf Münzen und als Helmschmuck abgebildet.

Weltweit beeindruckend

Der Vogel, dessen Kraft und Überlegenheit anscheinend viele Völker beeindruckte, wurde auch in Asien und Amerika verehrt.

In der hinduistischen Kunst ist Garuda, das Reittier des Gottes Visnu, ein Vogelwesen mit Adlerschnabel. Heute taucht diese Figur zum Beispiel noch im indonesischen Wappen auf.

Viele nordamerikanische Indianer schmückten sich mit Adlerfedern als Zeichen der Tapferkeit.

Zeichnung: Häuptling Vier Bären (Mato Tope) in vollem Schmuck.

Indianer schmückten sich mit Adlerfedern


Im Christentum ist der Adler ein Kennzeichen des Evangelisten Johannes sowie zahlreicher anderer Heiliger und ein Sinnbild für die Himmelfahrt Christi.

In der mittelalterlichen Kunst gab es auch das Bild des alternden, flügellahmen Adlers, der nach Eintauchen in eine Quelle neue Sehkraft und Jugend erhält. Hier zeigen sich Zusammenhänge mit der christlichen Taufe, in deren bildhafter Darstellung auch immer wieder der Adler auftaucht.

Vom doppelten zum einfachen Adler

Kaiser Karl der Große entdeckte im Jahre 800 den Adler als kaiserliches Wappentier. Das Tier schmückte Zepter und Bauten, später erschien sein Bildnis auf Siegeln und Münzen.

Dem Doppeladler, ursprünglich aus dem Orient kommend, begegnete man in Deutschland erstmals im 12. Jahrhundert auf Adelssiegeln und später auf Städtesiegeln.

Den Vogel mit den zwei voneinander abgewandten Köpfen übernahm Kaiser Sigismund 1433 als Wappenbild. Damit galt der Doppeladler für Jahrhunderte als kaiserliches Zeichen und der einfache Adler als Königssymbol.

Doch während es den Doppeladler dann nach Österreich verschlug – heute wird er lediglich noch im Wappen Albaniens geführt –, konnte sich der einfache Adler in Deutschland bis heute als Staatssymbol durchsetzen.

Nachdem er auch den Zusammenbruch des Deutschen Reiches überlebt hatte, wird er heute als Bundesadler im Staatswappen der Bundesrepublik Deutschland geführt. Und auch auf die deutschen Ein- und Zwei-Euro-Münzen schaffte es der Adler.

Der Bundesadler im Plenarsaal des Deutschen Bundestages.

Der Bundesadler

Stand: 20.09.2019, 10:30

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