Drei Superstars der Romantik

Romantik

Drei Superstars der Romantik

Die Literaturwissenschaft begrenzt den Zeitraum der romantischen Dichtung in Deutschland auf die Jahre von 1795 bis 1848. Geprägt ist diese Epoche durch eine besondere Betonung und Hervorhebung der Gefühlswelt. Nicht Rationalität, Realität, das Streben nach Aufklärung und wissenschaftlicher Erkenntnis stehen in den Werken der Schriftsteller jener Tage im Vordergrund, sondern die Hinwendung zum Schwärmerischen, Verträumten und unwirklich Mystischen. Sie erfinden und benutzen Stilmittel wie die romantische Ironie, lassen Doppelgängern, Spiegelbildern, Träumen, Feen und Fabelwesen in ihren Geschichten eine besondere Bedeutung zukommen. Die deutsche Romantik hat viele bedeutende Schriftsteller hervorgebracht und beeinflusst. Drei der wichtigsten stellen wir kurz vor.

Novalis (1772 bis 1801)

Ein Kupferstich nach einem zeitgenössischen Porträt zeigt den Schriftsteller Novalis um 1795.

Novalis - fasziniert vom Tod

Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg, besser bekannt unter seinem Künstlernamen und Pseudonym Novalis, gilt als einer der bedeutendsten Dichter der Frühromantik. Seine oftmals sehr düsteren, von Mystik geprägten Werke gelten als prägend für die Folgegeneration der Mittel- und Spätromantik.

Novalis war ein Einzelgänger und Außenseiter, hatte nur wenige Freunde und mied große Gesellschaften. Zu seinen engsten Vertrauten gehörten die beiden Dichterkollegen Ludwig Tieck und Friedrich Schlegel, ebenfalls herausragende Literaten der deutschen Romantik. Als Spross eines begüterten Adelsgeschlechts in Oberwiederstedt im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt geboren, studierte er Jura, Philosophie und Mathematik in Jena, Leipzig und Wittenberg. Zu seinen Professoren zählte Friedrich Schiller.

1795 verlobte sich der junge Mann mit der damals gerade einmal 13-jährigen Sophie von Kühn, die jedoch schon zwei Jahre später starb. Für den Dichter Novalis ein einschneidendes Ereignis, das ihn und seine Werke prägen sollte. Er stilisierte seine tote Braut zur künstlerischen Muse, die ihn ständig unsichtbar begleitete. Dieser Totenkult ist wohl auch für seine dunkle Sprache und das Geheimnisvolle in seinen Werken verantwortlich. Die Nacht und der Tod spielen eine große Rolle in seinen Werken ("Hymnen an die Nacht"). Aber auch die Religion genießt bei Novalis einen hohen Stellenwert.

Außerdem schuf er mit der "blauen Blume" ein berühmtes Symbol der Romantik. Anders als viele seiner Schriftstellerkollegen ging von Hardenberg einem bürgerlichen Beruf nach, arbeitete als Salinenassessor, später als Amtshauptmann in einem Salzbergwerk. Im Jahr 1800 wurde er lungenkrank und starb im März 1801 an den Folgen dieser Krankheit.

Clemens Brentano (1778 bis 1842)

Ölgemälde: Porträt von Clemens Brentano

Clemens Brentano war ein leidenschaftlicher Romantiker

Im Unterschied zu Novalis, einer Hauptfigur der Jenaer Frühromantik, steht Brentano für die Mittelphase der Romantik, die in Heidelberg ihr Zentrum hatte. Der in Ehrenbreitstein bei Koblenz geborene Dichter sagte von sich, dass nicht er die Phantasie, sondern sie ihn habe. Dementsprechend gilt er auch als einer der lyrischsten und leidenschaftlichsten Vertreter der romantischen Literatur. Geprägt von den napoleonischen Kriegen und der Besetzung vieler deutscher Landesteile durch die Franzosen, reagierte er auf diese Bedrohung von Außen mit einer starken Hinwendung zu Religion und Freiheitsdrang, entwickelte ein nationales Gefühl, das viele seiner literarischen Mitstreiter teilten.

Vor allem in seinem Schwager, Achim von Arnim, fand Brentano einen Freund und Partner. Mit ihm gemeinsam trug er fast 600 deutsche Volkslieder und Gedichte zusammen und brachte diese Sammlung unter dem Titel "Des Knaben Wunderhorn" im Jahre 1805 in Heidelberg heraus. Selbst der kritische Goethe war von dem Buch, das "Oh Tannenbaum", "Maikäfer flieg", "Schlaf Kindlein, schlaf" oder "Wenn ich ein Vöglein wär" enthielt, so angetan, dass er sagte, es müsse in jedem Haus zu finden sein.

Brentano war mit der romantischen Bewegung während seiner Studienjahre in Jena in Berührung gekommen. In seinen späteren Lebensjahren entwickelte er einen starken Hang zum katholisch geprägten Mystizismus und verfasste religiöse Schriften und Gedichte. Zu seinen wichtigen Werken zählen Erzählungen und Kunstmärchen wie "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" (1817) und seine naturverbundenen, musikalischen Gedichte wie der "Frühling":

Frühling soll mit süßen Blicken
Mich entzücken und berücken,
Sommer mich mit Frucht und Myrten
Reich bewirten, froh umgürten.
Herbst, du sollst mich Haushalt lehren,
Zu entbehren, zu begehren,
Und du, Winter, lehr mich sterben,
mich verderben, Frühling erben.

Clemens von Brentano starb im Alter von 63 Jahren in Aschaffenburg.

Heinrich Heine (1797 bis 1856)

Eine in Öl gemalte Porträt-Skizze aus dem Jahr 1831 zeigt den Dichter Heinrich Heine auf einem Sessel sitzend. Sein rechter Arm ruht entspannt auf der Lehne.

Heinrich Heine

Der in Düsseldorf geborene Dichter nimmt innerhalb der Romantik eine Sonderstellung ein, denn sein Leben und Schaffen waren ebenso von revolutionärem Gedankengut wie von romantischem Geist geprägt. Als junger Mann studierte Heine in Bonn, Göttingen und Berlin Jura und verfasste während seines Studiums, das er mit dem Erreichen des Doktorgrades abschloss, erste wichtige lyrische Gedichte. Darunter auch das berühmte Loreley-Gedicht, das, vom Komponisten Friedrich Silcher vertont, zu einer Hymne der romantischen Bewegung wurde. Auch heute ist dieses Lied eines der populärsten Werke der Romantik und gilt als Synonym jener Epoche.

Die Poesie Heines machte ihn schon zeitlebens berühmt und versetzte ihn nach seinem Studium in die Lage, von der Schriftstellerei gut leben zu können. Viele seiner Gedichte wurden durch die Vertonungen durch berühmte Musiker wie Schubert, Schumann oder Mendelssohn-Bartholdy zu Volksgut.

Künstlerische Inspiration fand Heinrich Heine in seinen ausgedehnten Reisen, die ihn nach Polen, zu Goethe nach Weimar, durch den Harz oder bis nach Italien und England führten. Seine Eindrücke verarbeitete er 1826/1827 in der Verssammlung "Reisebilder", die er kurze Zeit später, um einige Gedichte erweitert und überarbeitet, in dem bedeutenden Werk "Buch der Lieder" noch einmal auf den Markt brachte. Durch diese erfolgreichste deutsche Gedichtesammlung wurde Heine auch im europäischen Ausland bekannt.

Ein neueres Foto zeigt das aus weißem Stein gearbeitete Grab von Heinrich Heine auf dem Pariser Friedhof Montmartre. Auf der horizontalen Grabplatte haben Besucher Blumen abgelegt. Die Grabsäule am Kopfende trägt eine Büste des Dichters.

Das Heinrich-Heine-Grab auf dem Pariser Friedhof Montmartre

1831 ging Heinrich Heine nach Paris, wo er als Korrespondent für die "Augsburger Allgemeine Zeitung" arbeitete. Neben seiner journalistischen Arbeit fand er auch die Zeit, weitere wichtige literarische Werke zu veröffentlichen, in denen er zum Teil offene Kritik an den sozialen und politischen Zuständen in Deutschland übte. So zum Beispiel im bissig-ironischen "Deutschland. Ein Wintermärchen" (1844). Geprägt von einer inneren Zerrissenheit, die zwischen Liebe und Hass zu seiner deutschen Heimat, von Glaube und Zweifel an Gott geprägt war, starb Heinrich Heine, seit Jahren an einem Rückenmarkleiden dahinsiechend, 1856 in Paris. Begraben wurde er auf dem berühmten Friedhof im Künstlerviertel Montmartre.

Autor/in: Alfried Schmitz

Stand: 23.09.2014, 13:00

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