Kopenhagen

Eine Reihe bunter Häuser säumen das Ufer. Ein Ausflugsboot zieht an einer Reihe von Segelbooten vorbei.

Metropolen

Kopenhagen

Es war einmal ein Fischerdorf, und weil es einen Hafen hatte, nannten die Leute es "Havn". So beginnt die Geschichte vor mehr als 1000 Jahren. Aus dem Dorf auf der Insel Seeland wird Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen – das wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum des Landes, bekannt durch den Sitz des Königshauses, die prachtvolle Architektur und die Liberalität seiner Einwohner.

Kleine Metropole ganz groß

Am Öresund, der die Ostsee mit der Nordsee verbindet, liegt Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen, knappe acht Kilometer von der südschwedischen Küste entfernt. Rund 600.000 Einwohner leben hier. Rechnet man den Großraum Kopenhagens mit seinen 27 Vororten dazu, sind es mehr als dreimal so viel.

Diese vergleichsweise kleine Metropole ist mit einer großen politischen und wirtschaftlichen Geschichte verbunden: Eine halbe Stunde mit dem Pendelzug dauert die Reise von Kopenhagen in die Vergangenheit – nach Roskilde, abseits der Küste.

Vom Ende des 9. bis zum 15. Jahrhundert war Roskilde die Hauptstadt Dänemarks und Residenz der Könige. Heute erinnert noch der Dom daran, wo seit 1413 die dänischen Könige und Bischöfe ihre letzte Ruhe finden.

Reichtum, Macht und Missgunst

Es ist um das Jahr 1167, als König Valdemar I. dem Bischof Absalon von Roskilde ein Gebiet am Öresund mit dem Fischerdorf Havn schenkt.

Der Bischof, der sich zugleich als Kriegsherr versteht, erkennt die strategisch günstige Lage des Ortes und lässt eine Burg bauen. Reste davon befinden sich heute unter Schloss Christiansborg. Damit gilt das Jahr 1167 als Gründungsjahr der Stadt.

Im Schutz der Burg und der günstigen Verkehrslage kann sich das Fischerdorf zu einem Handelsplatz entwickeln. Aus "Havn" wird "Kobmandehavn", zu Deutsch Kaufmannshafen, und später "Kopenhagen".

1254 erhält der Ort das Stadtrecht. Die Einnahmen aus dem Fischfang steigen unaufhörlich und machen Kopenhagen zu einer reichen Stadt.

Hinzu kommt eine expandierende Politik: Das dänische Königreich besetzt Estland und Holstein. Die deutsche Hanse blickt neidvoll auf den Konkurrenten. 1249 entschließt sich die Hansestadt Lübeck zum Angriff und zerstört die Kopenhagener Burg. Später kämpfen Hanseaten und Holsteiner gemeinsam.

Erst 1346 gelingt es König Valdemar IV., die Eindringlinge aus Kopenhagen zu vertreiben. Daraufhin überlässt ihm der Bischof von Roskilde 1350 die Stadt Kopenhagen, die seit Bischof Absalons Zeiten im Besitz der Roskilder Bischöfe geblieben war.

1368 kommt es erneut zu Kämpfen. Dieses Mal sind 37 Hansestädte beteiligt. Kopenhagen wird völlig ausgeplündert und der Bischof von Roskilde fordert Kopenhagen als Eigentum zurück, mit der Begründung, die Stadt sei nur eine persönliche Schenkung an den verstorbenen König Valdemar IV. gewesen.

Ein Gerichtsurteil soll Klarheit schaffen: Am 19. Februar 1417 wird Thronfolger König Erich als rechtmäßiger Eigentümer Kopenhagens anerkannt. Unter seiner Herrschaft blüht die Stadt wieder auf.

Vier wuchtige hölzerne Segelschiffe vor einem schwach erkennbaren Stadtpanorama. Rauchschwaden und Feuer der Schießereien verhindern die Sicht.

14. Jahrhundert: hanseatische Schiffe vor Kopenhagen

Teure Immobilien, Kriege und leere Kassen

Im 17. Jahrhundert ist der baufreudige König Christian IV. an der Macht. Er verändert das mittelalterliche Stadtbild. Vor den Stadtmauern gründet er ein neues Handelszentrum: Christianshavn. In der Stadt entstehen prächtige Renaissancebauten wie die Börse mit ihrem gewundenen Turmdach und das "Märchenschloss" Rosenborg.

Die Aussichtsplattform des 36 Meter hohen "Rundeturm" erreicht man nur über einen 210 Meter langen Schneckengang. Die Baukosten reißen riesige Löcher in die dänische Haushaltskasse, ebenso der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) und Auseinandersetzungen mit Schweden.

Es folgen Seuchen, Brände und andere Katastrophen. 1728 zerstört ein Großfeuer die Hälfte aller Häuser. Ein Drittel der Stadtbewohner kommt um.

1794 wird Schloss Christiansborg von den Flammen ergriffen. Die Königsfamilie flieht in eine "Notunterkunft", in die vier Rokoko-Palais von Amalienburg. Die Zerstörungen gehen weiter.

1807 beschießt die britische Flotte Kopenhagen und versenkt die dänische Flotte. Der Grund: Kopenhagen steht bei der Auseinandersetzung zwischen den Engländern und Napoleon auf der Seite der Franzosen.

Es dauert Jahrzehnte, bis sich die Stadt von den Katastrophen und Niederlagen erholt. Dann fordert das Volk Reformen. Unter Druck akzeptiert König Frederik VII. 1849 eine bürgerliche Verfassung und damit die konstitutionelle Monarchie für Dänemark.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kommt es in Kopenhagen zu einem explosionsartigen Zuwachs an Arbeitskräften. Während 1850 noch 139.000 Menschen in der Stadt leben, sind es 1900 schon 400.000. Die Befestigungsanlagen werden abgerissen, um die Ausbreitung nicht zu behindern. Arbeiter- und Angestelltenviertel entstehen.

Sehenswertes

Vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont, ist Kopenhagen reich an alter Kunst. Einen Überblick über die Stadt bietet der Gang um die Kuppel der Marmorkirche mit Blick auf das Schloss Amalienborg, ebenso vom Turm der Erlöserkirche, der "Vor Frelserkirche". Auf 80 Meter Höhe windet sich die Treppe außen um die Turmspitze herum.

Wer den Aufstieg wagt, überblickt ganz Christianshavn. Zum Rokoko-Umfeld der Stadt gehört das Nationalmuseum. Schloss Rosenborg, das verspielte Märchenschloss, lässt sich am eindrucksvollsten vom Schlosspark aus betrachten. Der Park gehört zu den schönsten der Innenstadt.

Eingebettet in einen Park liegt das dreigeschossige, kompakte Schloss mit vier Türmen. Geometrisch geschnittene Hecken säumen die Wege.

Schloss Rosenborg, im 17. Jahrhundert erbaut

Die ersten Touristen, die nach dem Krieg Kopenhagen besuchen, sind Dollartouristen. Sie interessieren sich vor allem für zwei Orte: den Vergnügungspark "Tivoli" und die kleine Meerjungfrau, das Nationalsymbol der Dänen an Kopenhagens Hafeneinfahrt.

Der Hafen spielt zwar noch lange eine große Rolle, aber die moderne Metropole lebt längst von Dienstleistungen für die Industrie, die in das Umland abgewandert ist.

Alte Reedereihäuser und einen Museumshafen kann man im Stichkanal des Nyhavns bewundern. Nyhavn selbst ist eine von Kopenhagens Vergnügungsstätten.

Fast täglich finden dort Konzerte statt. Kneipen reihen sich dicht an dicht. Ausgediente Feuerschiffe sind zu Restaurants und Bars umgebaut worden. Für das exklusivere Nachtleben muss man allerdings in die Altstadt gehen.

Kopenhagen lässt sich bequem mit den sogenannten "Bycyclern" erkunden. An 110 Ausgabestellen sind 2200 bunte Fahrräder kostenlos auszuleihen: Wie bei den Einkaufswagen löst man sie mit einer Münze aus und erhält das Geld beim Zurückstellen wieder.

Die Öresund-Brücke

Mit einer Länge von knapp acht Kilometern gilt die Öresund-Brücke im Jahr ihrer Eröffnung 2000 als weltgrößte ihrer Art. Sie verbindet Dänemark mit Schweden, Kopenhagen mit Malmö. Durch sie hat die Öresund-Region einen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren und einen neuen Stadtteil dazugewonnen: Örestad.

Der öffentlich-rechtliche Radio- und TV-Sender hat hier gebaut, und 2004 ist Skandinaviens größtes Einkaufscenter eröffnet worden. Aus alten Lagergebäuden entsteht ein Zentrum für Handel und Kunst.

Daneben die neue Oper. Seit 2004 verbindet Dänemarks erste U-Bahn Örestad mit der City. Arbeits- und Wohnbereiche beiderseits der Brücke wachsen zusammen.

Autorin: Bärbel Heidenreich

Stand: 16.07.2018, 13:00

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