Die Deutschen und die Dänen

Die Flaggen von Dänemark und Deutschland wehen im dänischen Sonderburg über dem Hafen.

Kopenhagen

Die Deutschen und die Dänen

Von Christiane Gorse

Dänemarks einzige Landgrenze ist die zu Deutschland. Kein Wunder also, dass die Deutschen für die Dänen einen besonderen Platz unter ihren Nachbarländern einnehmen. Das Verhältnis ist von dänischer Seite aus nicht ungetrübt. Allen Ortes wird in Dänemark der Dannebrog, die dänische Flagge gehisst. Doch deutsche Fahnen auf dänischen Sandburgen lösen bei vielen Dänen bis heute Unbehagen aus. Der Grund dafür liegt in der Geschichte.

Die zwei Kriege um Schleswig-Holstein

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es zwei Kriege um die Grenz-Herzogtümer Schleswig und Holstein. Im ersten (1848-1851) kämpfte die dortige deutsche national-liberale Bewegung zunächst zusammen mit vielen Staaten des Deutschen Bundes – vor allem Österreich und Preußen – gegen das Königreich Dänemark.

Nachdem der Deutsche Bund aus dem Krieg ausgeschieden war, verloren die Schleswig-Holsteiner in der Schlacht bei Idstedt gegen die Dänen. Die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg blieben unter dänischer Oberhoheit.

Im zweiten schleswig-holsteinischen Krieg, der auch deutsch-dänischer Krieg von 1864 genannt wird, kämpften das Königreich Dänemark und der Deutsche Bund unter Bismarck erneut um Schleswig-Holstein.

Die entscheidende Schlacht fand im April 1864 bei den Düppeler Schanzen statt, bei der die Preußen und Österreicher die dänischen Truppen überwältigten.

Nach der dänischen Niederlage sollte der neue Grenzverlauf zunächst entlang der Sprachgrenze neu abgesteckt werden. Doch damit war Dänemark nicht einverstanden. Im weiteren Verlauf des Krieges verschlechterte sich aber der Verhandlungsspielraum für die Dänen immer weiter.

Schließlich wurde Schleswig-Holstein unter Preußen und Österreich aufgeteilt, 1866 war es nur noch unter preußischer Herrschaft. Bis heute ist die Schlacht bei den Düppeler Schanzen Teil des nationalen Gedenken Dänemarks.

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen

Nach dem Ersten Weltkrieg konnten die Würfel neu geworfen werden. Im Versailler Vertrag wurde eine Volksabstimmung für Süd- und Nordschleswig nach den Wünschen Dänemarks vereinbart, die 1920 auch stattfand.

Während sich die Nordschleswiger für die Zugehörigkeit zu Dänemark entschieden, votierten die Südschleswiger für das Deutsche Reich. Die Grenze wurde zu Gunsten Dänemarks nach Süden verschoben, so dass das Gebiet nördlich von Flensburg wieder zum Königreich gehörte.

Deutsch-dänische Abstimmung in Flensburg 1920, Holzwand mit Plakaten.

In Flensburg stimmten etwa drei Viertel für einen Verbleib bei Deutschland

Besetzung durch die Nationalsozialisten

1940 marschierten die deutsche Wehrmacht in Dänemark ein. Die Jahre bis zur Befreiung 1945 sind für die Dänen bis heute sehr bedeutend, denn sie begründen einen weiteren Baustein in ihrem Nationalgefühl. Die Dänen bewiesen in dieser Zeit viel Mut und Widerstandsgeist gegenüber den Besatzern, vor allem im Herbst 1943.

Interessanterweise setzte ausgerechnet Georg Ferdinand Duckwitz, Marine-Attaché der Deutschen Botschaft in Kopenhagen, dänische Sozialdemokraten und Gewerkschafter davon in Kenntnis, dass die Deportation der rund 7500 dänischen Juden bevorstehe.

In einer beispiellosen Aktion versteckte die dänische Bevölkerung sämtliche Juden in kleinen Schiffen und Booten und brachten sie in einer Nacht- und Nebel-Aktion ins neutrale Schweden.

Nur etwa 400 Juden konnten die Nationalsozialisten fassen und nach Theresienstadt bringen. Seit einigen Jahren diskutieren dänische Historiker allerdings, dass es auch eine Kollaboration mit den Nationalsozialisten gegeben habe. Nichtsdestotrotz ist die Rettung der Juden ungetrübt im dänischen Nationalstolz verankert.

Deutsche Truppen in Dänemark 1940.

Während des Zweiten Weltkrieges war Dänemark fünf Jahre lang besetzt

Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955

Durch die Grenzziehung nach den Volksabstimmungen 1920 entstanden auf beiden Seiten Minderheiten. Erst 1955, im Zuge des Aufnahmeverfahrens der Bundesrepublik in die Nato, engagierten sich die Regierungen auf beiden Seiten, eine Lösung für die bis dahin schwelenden Spannungen zu finden.

Ende März 1955 unterschrieben in Bonn und Kopenhagen die Regierungen jeweils Erklärungen, um die Minderheitenrechte auf beiden Seiten gleichermaßen zu stärken.

Im Zentrum der Regelungen standen vor allem die Examensrechte für die Schulen der jeweils anderen Minderheit. In Deutschland wurde außerdem für die Partei der Dänischen Minderheit die Sperrklausel von 5 Prozent aufgehoben.

Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) ist 2005 in die Schlagzeilen geraten, als er beinahe Zünglein an der Waage bei den Landtagswahlen wurde. Die Partei sollte der damaligen SPD-Ministerpräsidentin Heide Simonis die Mehrheit beschaffen, obwohl eigentlich die CDU die Nase vorn hatte.

Gescheitert ist Heide Simonis dann an ihren eigenen Leuten, die ihr die Gefolgschaft verweigert hatten. Trotz der damaligen Diskussion darüber, dass eine kleine Minderheit zum "Königsmacher" werden könne, ist an der Regelung nichts verändert worden.

Bonn-Kopenhagener Erklärungen (1955-1985), Briefmarke der Deutschen Bundespost.

Deutsche Briefmarke von 1985 zum 30-jährigen Jubiläum der Erklärungen

Dänische Nationaldenkmäler in Deutschland

Die wechselhafte Geschichte hat auch zu Kuriositäten geführt. So befindet sich eine der wichtigsten dänischen Gedenkstätten ausgerechnet auf deutschem Boden: das Danewerk, ein mittelalterliches Befestigungsbauwerk aus der Wikingerzeit.

Teil des Danewerks ist eine Ziegelmauer aus dem 12. Jahrhundert, die Waldemarsmauer. Sie ist das älteste Ziegelsteinbauwerk Nordeuropas.

Dieses Denkmal soll zusammen mit der Wikingersiedlung Haithabu an der Schlei, die ebenfalls in Schleswig-Holstein liegt, auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Den Antrag stellt das Land Schleswig-Holstein zusammen mit anderen "Wikingernationen" wie Island, Dänemark und Schweden, die ebenfalls Stätten der Wikinger unter Schutz stellen wollen.

Ein anderes Beispiel ist der Löwe von Idstedt. Er ist quasi das Symbol des wechselhaften Verhältnisses der Deutschen und der Dänen. 1862 wurde er im damals dänischen Flensburg anlässlich des zwölften Jahrestages des Sieges der Dänen über die Deutschen in der Schlacht von Idstedt auf dem Alten Friedhof aufgestellt.

Doch nur zwei Jahre später, 1864, nachdem der Deutsche Bund über Dänemark gesiegt hatte, stürzten die neuen Machthaber den Löwen von seinem Sockel. Er wurde nach Berlin gebracht, wo er bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand.

Nach 1945 wollte Dänemark seinen Löwen wiederhaben und so wurde er nach Kopenhagen transportiert. Doch die Odyssee ist noch nicht beendet. Im Jahr 2011 wurde er wieder an seinem Ursprungsort in Flensburg aufgestellt, also auf deutschem Boden. Diesmal nicht als Zeichen des Sieges, sondern der Versöhnung.

An der "Straße zum Löwen" in Richtung Strandbad Wannsee in Berlin steht der Idstedt-Loewe auf einem Sandsteinsockel.

Der Löwe ist das Wappentier Dänemarks

Stand: 23.07.2019, 11:37

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