Die Salzburger Festspiele

Jedermann-Aufführung auf dem Salzburger Domplatz

Salzburg

Die Salzburger Festspiele

Salzburg ist neben der Hauptstadt Wien die wichtigste Kulturmetropole Österreichs. Durch ihre barocke Schönheit und als Geburtsstadt Mozarts ist sie in der ganzen Welt bekannt. Aber auch durch die jährlich stattfindenden Salzburger Festspiele hat die Stadt Weltruhm erlangt. Seit 1920 gibt es dieses kulturelle Ereignis, das sich vor allem durch die beliebten Aufführungen des Schauspiels "Jedermann" als wahrer Publikumsmagnet etabliert hat. Dass ausgerechnet das beschauliche Salzburg zum Kulturmekka wurde, ist drei berühmten Persönlichkeiten zu verdanken.

Kultur contra Krieg und Kommerz

Der renommierte österreichische Theaterregisseur Max Reinhardt (1873-1943) begann seine Karriere als Schauspieler am heutigen Salzburger Landestheater.

Aus dieser Zeit rührte wohl auch seine starke Bindung zu der Stadt an der Salzach, die er 1917 als Veranstaltungsort für ein vielseitiges und umfangreiches Festspielprogramm vorschlug. Er reichte eine entsprechende Denkschrift bei den zuständigen Wiener Behörden und Ministerien ein, in der er seine Vorschläge und Ideen präsentierte.

Reinhardt wollte aus dem beschaulichen Salzburg einen Gegenpol zu den grauen Großstädten machen. Die waren von der ständig wachsenden Industrialisierung, von hektischer Betriebsamkeit und zunehmenden Verkehrsproblemen geprägt.

Hinzu kam der seit 1914 tobende Erste Weltkrieg, der Leid und Verzweiflung über die Bevölkerung brachte und vielen österreichischen Soldaten das Leben kostete. In jener Zeit träumte Reinhardt von einer anderen, von einer besseren Welt, die nicht von Krieg und Kommerz, sondern von Kunst und Kultur bestimmt sein sollte.

Ein Schwarzweiß-Foto von 1925 zeigt Max Reinhardt am offenen Fenster eines Bahnabteils.

Max Reinhardt ist einer der Begründer der Festspiele

Drei Gründerväter stehen Pate

1918, nach Ende des Ersten Weltkrieges, nahm die Idee von Max Reinhardt konkrete Formen an, denn auch der bedeutende österreichische Dichter Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) sprach sich nun vehement für Festspiele in Salzburg aus.

Er veröffentlichte dazu 1919 einen eigenen Programm-Entwurf, der Reinhardts Grundgedanken untermauerte. Die Musikfeste, die schon seit 1910 in Salzburg stattfanden, sollten demnach um die Komponente Schauspiel ergänzt werden.

Namhafte Unterstützung erhielten Reinhardt und von Hofmannsthal zusätzlich vom deutschen Komponisten Richard Strauss (1864-1949). Komplettiert wurde diese Gründungsriege vom Dirigenten Franz Schalk und dem Bühnenbildner Alfred Roller.

Diese künstlerische Idealbesetzung mit kompetenten Mitgliedern aus allen wichtigen Sparten machte sich nun an die Ausarbeitung und Verwirklichung des kühnen Plans, aus einem verschlafenen Provinznest eine Kulturmetropole zu machen.

Am 22. August 1920 begannen die ersten Salzburger Festspiele auf dem Domplatz mit der Aufführung von Hofmannsthals "Jedermann". Die Regie führte Max Reinhardt. Sein Konzept, die barocke Kulisse und die Wirkung von Sonnenlicht und Schatten in die Inszenierung einzubauen, ist bis heute Bestandteil des populärsten Bühnenprojektes der Salzburger Festspiele geblieben.

Schwarzweiß-Bild: Jedermann-Aufführung auf dem Salzburger Domplatz im Jahr 1920

Die erste Jedermann-Aufführung im Jahr 1920

Von Jedermann und seiner Buhlschaft

Die Aufführung des "Jedermann" war im Jahr 1920 eine Premiere im doppelten Sinne. Sie eröffnete nicht nur die ersten "Salzburger Festspiele", sondern war überhaupt die erste öffentlich aufgeführte Bühnenfassung des Stücks.

In dem bekanntesten Werk des österreichischen Dichters schickt Gott den Tod zum reichen Jedermann auf die Erde hinab. Der Tod soll den selbstsüchtigen Menschen vor Gottes Thron holen, wo er Rechenschaft über sein maßloses Leben ablegen soll.

Auch an diesem schicksalhaften Tag zeigt sich Jedermann wieder von seiner schlechten Seite. Er gibt sich herzlos einem Bittsteller gegenüber, lässt einen verzweifelten Schuldner ins Gefängnis werfen und belügt seine eigene Mutter.

Am Abend feiert er mit Freunden und seiner Geliebten, der Buhlschaft, ein rauschendes Fest. Plötzlich tritt der Tod hinter den Stuhl des Jedermann. Das Gelage endet jäh. Seine Freunde verlassen ihn, selbst die Buhlschaft, die ihm gerade noch Liebe und Treue geschworen hat, kehrt ihm den Rücken.

Jedermann verspricht dem Tod all sein Geld, wenn er ihm nur noch eine kleine Lebensfrist vergönnt. Doch auch sein Reichtum nützt ihm nun nichts mehr. Er erkennt, wie wenig Gutes er in seinem Leben bewirkt hat.

Reumütig besucht Jedermann am frühen Morgen den Gottesdienst und leistet Abbitte. Als geläuterter Mensch kann er nun vor seinen Herrn treten und geht dem Tod gelassen entgegen.

Für die Festspielbetreiber hat sich dieses Werk zum Publikumsmagneten und zum Kassenschlager entwickelt. Für namhafte Schauspielerinnen und Schauspieler bringt es enorme Publizität, bei dem vielbeachteten Bühnenstück mitzuwirken.

Spielszene aus Jedermann mit Curd Jürgens und Senta Berger

Auch Senta Berger und Curd Jürgens spielten die "Jedermann"-Hauptrollen

Stadt im Zeichen der Kultur

Neben dem Standardwerk "Jedermann" stehen aber auch jährlich viele andere herausragende Schauspiel-, Opern- und Musikveranstaltungen auf dem Programmzettel der Salzburger Festspiele, die fünf Wochen lang an sechs verschiedenen Spielstätten abgehalten werden.

Klassiker von Goethe, Schiller und Shakespeare gehören ebenso zum Spielplan wie moderne Stücke von Peter Handke, Rolf Hochhuth oder Hans Magnus Enzensberger. Musikwerke von Mozart, Gluck und Verdi werden ebenso gespielt wie neuere Kompositionen von Pierre Boulez, Richard Strauss und Béla Bartók.

Einen tiefen Einschnitt erlebte der rege und alljährlich stattfindende multikulturelle Festspielbetrieb von 1938 bis 1945 durch die Hitlerdiktatur.

Als Österreich durch den Einmarsch deutscher Truppen ans Deutsche Reich angeschlossen wurde, machte der Einfluss der Nationalsozialisten auch vor dem freigeistigen Programm der Festspiele nicht halt. Sofort wurden die Stücke jüdischer Komponisten und Dichter gestrichen. Auch Hofmannsthals "Jedermann" fiel der totalitären Zensur zum Opfer.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des Dritten Reiches erlebten die Salzburger Festspiele aber schnell einen Neubeginn in künstlerischer Freiheit. Seitdem gehört das vielfältige Festspielprogramm wieder weltweit zu den kulturellen Höhepunkten und zieht nicht nur Gäste aus nah und fern an, sondern auch international bekannte Regisseure, Dirigenten, Musiker, Sänger und Schauspieler.

Treibende Kraft dieser Internationalisierung war der 1908 in Salzburg geborene Herbert von Karajan. Der 1989 verstorbene Dirigent von Weltformat wurde 1956 zum künstlerischen Leiter der Festspiele ernannt.

Karajans Nachfolger, der Belgier Gerard Mortier, sorgte ab 1990 durch skandalträchtige, unkonventionelle und moderne Inszenierungen für Schlagzeilen und Unmut, gab den Festspielen aber auch neue Impulse.

Ein Schwarzweiß-Foto zeigt den Dirigenten leger gekleidet mit über den Schultern hängender Anzugjacke.

Gebürtiger Salzburger: Dirigent Herbert von Karajan

Autor: Alfried Schmitz

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Stand: 28.08.2017, 12:25

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