Nachhaltiger Tourismus in Slowenien

Blick vom Waldboden hinauf Richtung Baumkronen in einem lichtdurchfluteten Wald

Slowenien

Nachhaltiger Tourismus in Slowenien

Von Claudia Füßler

Zu Fuß, per Kajak oder Rad – Slowenien präsentiert sich Besuchern als grünes, sehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Land. Und erwartet den respektvollen Umgang mit der Natur auch von seinen Gästen.

Umweltschutz als Strategie 

Fast zwei Drittel der Fläche Sloweniens sind von Wald bedeckt. Neben einem Nationalpark gibt es drei Regionalparks, fast 100 Naturschutzgebiete und geschützte Landschaftsparks sowie mehr als 1000 Naturdenkmäler.

Mehr als die Hälfte der Landfläche steht unter Naturschutz. Eigenen Angaben zufolge unternimmt Slowenien große Anstrengungen, um die einzigartige Artenvielfalt und intakte Natur zu erhalten.

Eigens dafür wurde das "Grüne Schema" entwickelt: ein Konzept, mit dem alle dem Tourismus verbundenen Einrichtungen wie Parks, Reiseagenturen, Attraktionen, Hotels und Gaststätten sich dem grünen Gedanken verschreiben sollen.

Weißes Warnschild mit braunem Bären und Mülleimer

Müllentsorgen hilft nicht nur der Umwelt, sondern schützt auch vor Bären

Das ist durchaus Strategie: Das Land hat seine unberührte Natur als zentrale Stärke erkannt, mit der es beispielsweise Touristen aus Deutschland, Italien und Österreich anlocken kann. Entsprechend wurde eine klare Vision definiert, sagt Julia Peters, Professorin für Nachhaltigkeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten: "Das Land will eine grüne Boutique-Destination für anspruchsvolle Gäste sein. Man setzt sozusagen auf Klasse statt Masse und betont beim Tourismusmarketing das Prinzip der Nachhaltigkeit."

Mit Erfolg: 2017 gewann Slowenien einen "World Legacy Award", mit dem die Zeitschrift "National Geographic" und die Internationale Tourismusbörse Berlin nachhaltige Tourismus-Initiativen auszeichnen. Danach wurde Slowenien mehrfach als nachhaltigstes touristisches Zielgebiet der Welt bezeichnet.

Allerdings bringt die wachsende Beliebtheit neue Herausforderungen mit sich: Mit den steigenden Touristenzahlen im Land entstehen erste Probleme einer Übernutzung, wie etwa an manchen Stellen eine Verschlechterung der Wasserqualität in Badeseen, sagt Julia Peters.

Badesee im Nationalpark Triglav in Slowenien

Mehr badende Touristen bedeuten schlechtere Wasserqualität

Unterirdische Wasserfälle

Dennoch: Die slowenische Natur ist atemberaubend. Zu den eindrucksvollsten Touren gehören Ausflüge in unterirdische Höhlen. Mehr als 10.000 solcher Höhlen und Grotten wurden bisher entdeckt, noch immer kommen Jahr für Jahr neue hinzu.

Die berühmteste ist die Postojna, auch bekannt unter dem Namen "Adelsberger Grotte". In der mit 24 Kilometern Länge zweitgrößten Tropfsteinhöhle weltweit lebt auch der Grottenolm, ein blasser Schwanzlurch, der bis zu 70 Jahre alt werden kann. Rund fünf Kilometer der Höhle sind für Besucher erschlossen, hinein kommt man mit einer Höhlenbahn.

Riesige Tropfsteine, unterirdische Wasserfälle und gigantische Säle kann man in den Höhlen von Škocjan erkunden. Sie beherbergen auch den größten unterirdischen Canyon Europas und sind als UNESCO-Welterbe gelistet.

Den gleichen Titel tragen auch die Naturreservate "Urwald Krokar" und Snežnik-Ždrolce, sie gehören zum UNESCO-Welterbe "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas".

In den Urwäldern in der Region Kocevsko heißt es: Der Mensch muss draußen bleiben. Allenfalls von den wenigen gesicherten Pfaden aus darf er einen Blick riskieren in die unberührte Natur und die Lebenszyklen von Flora und Fauna.

Blick aus dem Inneren einer Höhle ins Tageslicht

Unesco-Weltkulturerbe: die Höhlen von Škocjan

Seltene Tiere und Pflanzen im Nationalpark Triglav

Raus aus den Höhlen und Wäldern, hinauf auf die Berge: Die Julischen Alpen und die Steiner Alpen sind bei Wanderern vor allem wegen ihrer beeindruckenden Ausblicke über Hochweiden und mitunter bis zum Meer beliebt. Die Karawanken sind Sloweniens längstes Gebirge und Teil der Südlichen Kalkalpen.

Neben den alpinen Lagen finden sich in Slowenien einige Landschaften auf Mittelgebirgsniveau. Das Bergland von Polhov Gradec zum Beispiel, wo auf vielen Gipfeln eine Kirche auf Wanderer wartet, oder die sanften und daher fast schon im Spaziergang zu erwandernden Hügel von Skofja Loka.

Zum Pflichtprogramm für Naturliebhaber gehört in Slowenien eine Tour im knapp 84 Hektar großen Nationalpark Triglav. Der namensgebende Berg ist mit 2864 Metern der höchste des Landes.  Hier fließt die Soča – die aufgrund ihrer charakteristisch blaugrünen Farbe den Namen "Smaragdfluss" erhalten hat – durch eine gewaltige Schlucht, die Kajakfahrer, Angler und Wanderer anzieht.

Der Park steht laut slowenischer Tourismusbehörde unter strengem Naturschutz. Hier leben einige seltene Tierarten: Steinböcke, Murmeltiere, Schneehasen, Luchs und Steinadler zum Beispiel. Die halten sich von menschlichen Besuchern in der Regel fern.

Vorsicht ist beim Durch-die-Wälder-Streifen dennoch angebracht: Mit der Sandotter und der Kreuzotter sind hier zwei Giftschlangen zuhause. Botaniker schätzen die Pflanzenvielfalt im Park, darunter Raritäten wie die Zois-Glockenblume oder die Triglav-Rose.   

Blick auf eine Brücke, unter der ein Fluss fließt

Smaragdgrün fließt die Soča durch ihr Tal

Reiten lernen auf einem Lipizzaner

Pferde zu züchten ist eine jahrhundertealte Tradition, die in Slowenien bis heute intensiv gepflegt wird. Der Pferdesport genießt hier einen hohen Stellenwert. Viele Gestüte bessern ihr Einkommen auf, indem sie Kutschfahrten, Reit- und Dressurkurse anbieten.

Die weltberühmten Lipizzaner stammen vom Gestüt Lipica, sie werden dort seit mehr als 400 Jahren gezüchtet. Seit 1996 ist das Gestüt staatlich und inzwischen auf professionelle Reiter und Reittouristen gleichermaßen spezialisiert. Die Weltmeisterschaft im Dressurreiten findet alljährlich hier statt.

Beliebt bei Einheimischen und Touristen sind zudem Trabrennen, die mehrmals im Jahr stattfinden. Zu den bekanntesten gehören die in Brdo und Ljutomer. Hier gehen auch die Traber auf die Bahn, eine temperamentvolle Rasse, die slowenische Züchter weltweit vermarkten.

Wer in den heißen Monaten im Land unterwegs ist, sollte sich stets über aktuelle Busch- und Waldbrände informieren, um nicht unverhofft in kritische Situationen zu geraten. Zudem herrscht unter Slowenien eine leichte seismische Aktivität. Es ist also kein Fehler zu wissen, wie man sich im Falle eines Erdbebens verhalten muss.

Oder wenn einem ein Braunbär über den Weg läuft. Das passiert zwar selten, ist aber nicht unmöglich. Die Tiere leben vor allem in den südlichen Wäldern des Landes, streifen aber auch mal im Nationalpark Triglav umher.

Mehrere Lipizzaner-Pferde stehen auf einer Wiese vor grau bewölktem Himmel

Slowenische Pferde mit Weltruf: die Lipizzaner

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WDR | Stand: 01.12.2020, 11:55

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