Slowenien

Die Fahne der Republik Slowenien.

Mitteleuropa

Slowenien

Das südlich von Österreich gelegene Slowenien erstreckt sich von den Alpen im Norden bis zur Adriaküste im Süden. Die üppige und reiche Vegetation reicht von typischen Alpenpflanzen über ausgedehnte Mittelgebirgswälder bis hin zu Olivenhainen und Zypressen am Mittelmeer. Die knapp zwei Millionen Slowenen gelten als bodenständige Häuslebauer wie die Schwaben. Sie haben es trotz des schwierigen Übergangs von der sozialistischen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft zu bescheidenem Wohlstand gebracht.

Slowenien unter fremder Herrschaft

1335 wurden die Habsburger zu Herren über Herzogtum und Stadt Laibach (Slowenisch: Ljubljana), der heutigen Hauptstadt Sloweniens. 600 Jahre lang sollte es so bleiben, bis Slowenien nach dem Ersten Weltkrieg Teil des Königreiches Jugoslawien wurde.

Als im Zweiten Weltkrieg die Deutsche Wehrmacht einmarschierte, traf sie auf dem gesamten jugoslawischen Gebiet auf erbitterten Widerstand. Die Front der Partisanen gelangte bald unter kommunistische Kontrolle mit dem Befehlshaber Marschall Josip Broz, genannt Tito. Durch die Hilfe der Alliierten, die Titos provisorische Regierung stützten, konnten die Kommunisten den Kampf für sich entscheiden.

Bis zu seinem Tod 1980 hielt Tito mit einem totalitären Regime den Vielvölkerstaat Jugoslawien zusammen. Unter seinen Nachfolgern brach das künstliche Staatengebilde Jugoslawien jedoch bald zusammen.

Abkehr vom Balkan

1989 hatte sich in Slowenien eine Bewegung gebildet, die Reformen und eine Demokratisierung der Politik forderte. Sie wurde von Milan Kučan und seinen Reformkommunisten angeführt. Im April 1990 gab es erste demokratische Wahlen. Ein Jahr später sprachen sich 88,5 Prozent aller Wahlberechtigten in einem Referendum für eine staatliche Unabhängigkeit aus.

Auslöser waren wohl vor allem ökonomische Motive. Die Slowenen mussten im Bundesstaat Jugoslawien "unter ihren Verhältnissen" leben, denn aus dem "reichen" Slowenien wurde von Belgrad viel Geld in die ärmeren Landesteile umgelenkt. "Wohlstandsegoismus" warfen der umstrittene Schriftsteller Peter Handke, aufgewachsen im Dorf Griffen nahe der slowenischen Grenze, und viele andere der Bewegung vor.

Rote Kirche und weißes Haus im Stadtzentrum von Ljubljana hinter einer Brücke.

Ljubljana, Hauptstadt von Slowenien

Der Versuch der jugoslawischen Bundesregierung, die Verselbständigung mit militärischen Mitteln zu verhindern, scheiterte. Am 25. Juni 1991 proklamierte ein demokratisch gewähltes Parlament die erstmals unabhängige Republik Slowenien. Milan Kučan vertrat die politische Wende so glaubwürdig, dass er 1990 zum ersten Präsidenten gewählt wurde. In der Verfassung wurden die Menschenrechte, die Mehrparteiendemokratie und die freie Marktwirtschaft verankert. Die Abkehr vom Balkan und Hinwendung zu den stabileren Märkten im Westen war nun vorrangiges Ziel der Politik.

Auf gute Nachbarschaft

Nach der Abkehr vom neutralen und blockfreien Staatenbund wählten die Slowenen mit großer Mehrheit den Anschluss an die Europäische Union. Der Beitritt zur NATO war dagegen sehr umstritten, aber schließlich siegte angesichts der instabilen Lage in Serbien und im Kosovo doch das Sicherheitsbedürfnis.

Zu den einstigen Schwesterrepubliken entwickelte die Regierung in Ljubljana/Laibach ein pragmatisches Verhältnis. Mit Makedonien entstand eine solidarische Wirtschaftskooperation zweier Kleinstaaten. Bosnien-Herzegowina erhielt Unterstützung beim Wiederaufbau und auch zu Belgrad hat sich das Verhältnis entspannt. Die ehemaligen Grenzstreitigkeiten mit dem südlichen Nachbarn Kroatien konnten ebenfalls beigelegt werden, sodass Kroatien 2013 in die EU eintreten konnte.

Der Hafen von Piran vom Wasser aus gesehen, mit Leuchtturm und Segelschiffen vor der Innenstadt.

Hafen von Piran an der Adriaküste

Die lange gemeinsame habsburgische Vergangenheit setzt sich heute in enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit Österreich fort. In Slowenien und Italien sind dagegen die wechselseitigen ethnischen Vertreibungen kaum verwunden. Bei der Aufteilung des Habsburger Reiches nach dem Ersten Weltkrieg erhielt Italien das slowenische Küstenland mit Istrien, Slowenen wurden verdrängt, das Gebiet italienisiert.

Im Zweiten Weltkrieg verschärfte sich die Situation. Nach dem für Italien verlorenen Krieg drehte sich der Spieß um. Die Adria-Orte Koper, Piran und Izola fielen an Jugoslawien und wurden nun slawisiert. Erst 1996 erkannten beide Seiten die Grenzen an und erzielten ein Übereinkommen für die Entschädigung von Enteignungen.

Trotz dieser heiklen diplomatischen Altlasten hat sich der Alltag normalisiert. Die slowenischen Adria-Anrainer sind stolz auf ihr venezianisches Erbe. In Triest kaufen sie ein, während die Triester die istrische Küste als Naherholungsgebiet nutzen.

Sorge um die slowenische Identität

Rund 1000 Jahre lang standen die Slowenen unter deutschsprachiger Herrschaft. Dennoch haben sie es geschafft ihre eigene Sprache zu erhalten, sich mit ihrer Hilfe abzugrenzen und eine eigene Identität zu bewahren. Auf das Habsburger Reich folgten Jugoslawien und die Dominanz des Serbokroatischen. Im Tourismus dagegen hielt sich die deutsche Sprache.

Menschen auf der Hauptgeschäftsstraße von Ljubljana.

Das slowenische Volk schrumpft

Heute mischen sich immer mehr englische Wörter in den Sprachschatz. So konnte sich etwa "zabojnik" gegen den "kontejner" nicht durchsetzen. In der Literatur gibt es einen starken bikulturellen Ansatz und viele jüngere Autoren publizieren heute slowenisch und deutsch.

Aus der Furcht vor dem Verlust der Identität ist vielleicht der besondere Respekt der Slowenen gegenüber Minderheiten gewachsen. Die Ungarn in Prekmurje und die Italiener in Istrien haben politische Vertreter in allen Verwaltungsebenen. Ihre Sprachen sind in den gemischten Siedlungsgebieten auch offizielle Amtssprache, die in zweisprachigen Schulen unterrichtet wird.

Eine ganz andere Gefahr droht dem kleinen Volk aus den eigenen Reihen. Es hat eine der niedrigsten Geburtenraten in Europa und schrumpft kontinuierlich. Wenn das so bleibt, gibt es in 60 Jahren wahrscheinlich nur noch 1,6 Millionen vorwiegend alte Slowenen. Und das hat dann nicht nur Auswirkungen auf die nationale und kulturelle Identität, sondern auch verheerende Folgen für die sozialen Sicherungssysteme.

Eigenwillige Wirtschaftslenkung

Zum Zeitpunkt der sogenannten Osterweiterung der Europäischen Union (EU) 2004 ging es Slowenien besser als den anderen Beitrittsländern, außer Zypern und Malta. Da das Pro-Kopf-Einkommen schon etwa zwei Drittel des österreichischen Nachbarn betrug und die Preise niedriger lagen, zog es die Arbeitnehmer nicht ins Ausland. Es wurde sogar Kapital ins Ausland transferiert. So investierte der Pharmakonzern Lek in Makedonien und die Handelskette Big Bang verkaufte ihre Elektrogeräte jetzt in Österreich. Früher gingen rund 70 Prozent der Exporte in die anderen jugoslawischen Bündnisstaaten, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit war eine Ausfuhr in gleicher Höhe in den Westen umgeleitet worden.

Im Gegensatz zu anderen Transformationsländern war der Anteil des Staates an der Wirtschaft mit 50 Prozent sehr hoch. Aber jetzt sollte ein neuer Kurs gefahren werden. Die mit dem EU-Beitritt verbundenen ständigen Anpassungen an europäische Standards waren teuer und die wachsende Konkurrenz machte Druck.

Nach dem EU-Beitritt entpuppte sich Slowenien als Muster-Mitgliedsstaat mit kontinuierlich starkem Wirtschaftswachstum, das hauptsächlich dem Export zu verdanken war. Die Wirtschaftskrise 2009 ließ jedoch auch Slowenien nicht aus. Starke Einbrüche im Exportgeschäft trafen das Land empfindlich. Durch Umstrukturierungen im Wirtschaftssektor konnte die Regierung die Wirtschaft aus eigenen Kräften stabilisieren und so den Euro-Rettungsschirm abwenden. Sloweniens Wirtschaft ist auf einem guten Weg sich zu erholen.

Autorinnen: Andrea Reischies/Wiebke Ziegler

Stand: 22.07.2016, 14:00

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