Moschusochsen

Moschusochsen-Kuh (Ovibos moschatus) mit halbwüchsigem Kalb.

Natur in Skandinavien

Moschusochsen

Sie sind Überlebende der letzten Eiszeit - gewaltige Tiere mit mächtigen Hörnern und langem zotteligem Fell. Jahrtausende waren sie ganz vom europäischen Festland verschwunden. Bis die Moschusochsen im norwegischen Nationalpark Dovrefjell wieder heimisch wurden, waren mehrere Anläufe nötig.

Moschusochsen im Dovrefjell

Die wild lebenden Moschusochsen sind eine der Hauptattraktionen des Dovrefjell-Nationalparks an der Grenze zwischen Süd- und Mittelnorwegen. Sie gehören zu den wenigen Tieren, die es in Europa gibt und lassen sich bei einem Besuch des Nationalparks gut beobachten. Rund 80 bis 100 Tiere leben im Westen des Parks in der kargen, kalten Fjellregion, die sie auf der Suche nach ihren Nahrungspflanzen durchstreifen. Dazu gehören Blätter, Gräser, Kräuter, Flechten, Moose und mehr.

Moschusochsen kommen mit großer Kälte zurecht, allerdings bereiten ihnen Niederschläge große Probleme. Sie sind empfindlich gegen zu viel Feuchtigkeit. Starker Schneefall oder gar Vereisungen können die Nahrungssuche erschweren. Im Winter weichen die Tiere daher oft in niedriger gelegene Gebiete aus. Dennoch sterben viele Moschusochsen, weil sie sich vorher nicht genug Fettreserven anfressen konnten.

Entfernter Verwandter der Ziege

Moschusochsen gehören innerhalb der Familie der Horntiere zur Unterfamilie der Ziegenartigen. Doch wer nun an kleine wendige Tiere denkt, irrt. Ein männlicher Moschusochse kann fast zweieinhalb Meter lang und über 400 Kilogramm schwer werden. Die Weibchen hingegen sind bedeutend kleiner. Das dichte Fell, das aus mehreren Schichten besteht, lässt die imposanten Tiere noch massiger wirken.

Moschusochse (Ovibos moschatus) in Verteidigungsstellung.

Ein Verwandter der Ziege

Beim Unterfell im Winter handelt es sich um sehr feine Wolle, das nicht nur die Moschusochsen wärmt, sondern auch als edles Wollgarn sehr begehrt ist. Das braune Deckhaar (Grannenhaare) kann gut 60 Zentimeter lang werden und verleiht den Tieren ihr zotteliges Aussehen - neben den gebogenen Hörnern und dem Buckel über der Schulter eines der typischen Merkmale der Moschusochsen.

Moschus und Mensch

Wer die Moschusochsen im Dovrefjell sehen will, hat die Möglichkeit, sich im Sommer einer begleiteten Tour anzuschließen. Im Winter gibt es auch Safaris auf Langlauf-Skiern oder mit Schneeschuhen. Eine geführte Tour ist keine Voraussetzung - jeder kann sich die Moschusochsen auch auf eigene Faust ansehen - aber sicherer ist es auf jeden Fall.

Ein Moschusochse (lat.: Ovibos moschatus) im Dovrefjell Nationalpark in Norwegen im September 2009.

Besuch nur mit Sicherheitsabstand!

Wer sich in die Nähe der Tiere begibt, sollte mindestens 200 Meter Abstand halten, denn ganz ungefährlich ist der Kontakt nicht. Fühlen sich Moschusochsen bedroht, geht die Herde in Igelstellung: Sie bilden einen Kreis, die Hörner zeigen nach außen, die Jungtiere stehen innen. Einzelne Tiere brechen mitunter aus dem Kreis aus und greifen an - auch Menschen. Der Mensch hat hier eindeutig das Nachsehen, da Moschusochsen trotz ihres etwas behäbigen Aussehens sehr schnell sind: Sie können Geschwindigkeiten bis zu 60 Kilometer pro Stunde erreichen.

Die Vorfahren

Während der letzten Eiszeit waren die Moschusochsen in allen nördlichen Teilen Eurasiens und Nordamerikas verbreitet. Wie auch die Mammuts streiften die Tiere durch die Tundragebiete. Mit dem Rückzug der Gletscher zogen sich auch die kälteliebenden Tiere zurück. Während die Mammuts ganz verschwanden, überlebten die Moschusochsen vor allem in Nordamerika und in Grönland.

1947 wurde eine kleine Herde grönländischer Moschusochsen im heutigen Nationalpark Dovrefjell ausgewildert. Bis 1953 wurden weitere Tiere gebracht, von denen jedoch viele starben. Inzwischen ist die Herde auf 80 bis 100 Tiere angewachsen, einige Moschusochsen sind auch bereits nach Schweden "ausgewandert".

Moschusochse (lat.: Ovibos moschatus) mit Jungtier im Dovrefjell Nationalpark in Norwegen im September 2009

Dovrefjell Nationalpark - Rückzugsort der Moschusochsen

An anderen Orten wurden die Moschusochsen ebenfalls wieder angesiedelt: Heute gibt es kleine Herden auf der russischen Wrangelinsel sowie auf der Tamyr-Halbinsel. Auch in Alaska, wo die Moschusochsen ausgestorben waren, haben sie heute wieder ihren Lebensraum. In vielen Ländern sind die Moschusochsen unter Schutz gestellt worden. Weltweit existieren rund 25.000 bis 30.000 Tiere, weshalb die Art laut Weltnaturschutzunion IUCN als nicht gefährdet gilt.

Autor/in: Martina Frietsch

Stand: 04.12.2014, 12:00

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