Grönland

Arktis

Grönland

980 nach Christus wurde Erik der Rote von seiner Heimatinsel Island verbannt. Bei einem Streit mit einem Nachbarn hatte er zwei Männer getötet. Die Strafe: Man nahm ihm seinen Besitz und schickte ihn von dannen – für drei Jahre. Danach sollte er wieder zurückkehren dürfen. Er segelte in Richtung Westen, wo er eine riesige Insel erreichte. Erik lebte dort drei Jahre lang unter unwirtlichen Bedingungen. Zurück in Island rührte er die Werbetrommel, um Siedler für die noch unbekannte Insel zu finden. Er schwärmte von "det grønne land", dem grünen Land: Grönland.


Weißer Riese

Eriks Beschreibung der Insel war allerdings ein wenig geschönt. In Grönland gibt es zwar Küstenregionen, die im arktischen Sommer von saftigem, grünem Weideland überzogen sind.

Die Hauptfläche der gigantischen Insel ist allerdings von einem riesigen Eisschild, an manchen Stellen über 3000 Meter dick, überzogen. Nur die Antarktis besitzt gewaltigere Eismassen. Immerhin hatte Eriks Werbekampagne Erfolg. 986 landeten die ersten isländischen Siedler mit ihren Schiffen an Grönlands Südspitze.

Luftaufnahme über dem Südosten von Grönland mit Gletschern, Packeis und Fjorden.

Die größte Insel der Welt: Grönland

Mit über zwei Millionen Quadratkilometern ist Grönland die größte Insel der Welt. Die Küste hat eine Gesamtlänge von 40.000 Kilometern. Würde man diese Strecke am Äquator zurücklegen, so hätte man die Erde ein ganzes Mal umrundet.

85 Prozent der Gesamtfläche wird von einer gigantischen Schicht Inlandeis überzogen. Zehn Prozent des gesamten Süßwasservorkommens der Erde sind darin gespeichert.

Grönlands Riesengletscher bewegen sich der Küste entgegen. Riesige Eisbrocken lösen sich dann von der Gletscherzunge und treiben fortan als majestätisch große Eisberge durch den Nordatlantik. In den vergangenen Jahren hat der Klimawandel diesen Prozess noch beschleunigt. Wissenschaftler beobachten dieses Phänomen und befürchten, dass der Meeresspiegel dramatisch ansteigen könnte.

Ein Land mit mehreren Klimazonen

Grönland erstreckt sich über 2500 Kilometer. Die nördlichste Spitze ist nur 730 Kilometer vom Nordpol entfernt, am südlichsten Zipfel befindet man sich dagegen schon auf dem gleichen Breitengrad wie Oslo oder Helsinki.

Die Insel erstreckt sich über mehrere Klimazonen. Im Norden kann die Temperatur auf minus 40 bis minus 70 Grad Celsius sinken. Es ist dort deutlich kälter und trockener als im Süden. Im Sommer steigt die Temperatur nicht über zehn Grad Celsius.

Grönländische Landschaft mit Geröllfläche und Bergen im Hintergrund - im Vordergrund wächst zwischen und auf abgerundeten Steinen Moos und Kräuter.

Im milderen Südwesten gibt es Flechten, Moose und Gräser

Im Sommer an der Westküste dagegen können die Temperaturen auf über 20 Grad klettern. Verantwortlich für diese großen Temperaturunterschiede ist der Grönlandstrom. Er wird vom warmen Golfstrom und dem Nordatlantischen Strom gespeist und bringt milde Temperaturen an die Westküste.

Die Fjorde Ostgrönlands sind die meiste Zeit des Jahres durch riesige Treibeismengen versperrt, die der kalte Ostgrönlandstrom aus dem Polarmeer heranspült.

Die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen machen sich vor allem bei der Vegetation bemerkbar. Im milderen Südwesten Grönlands gibt es eine große Artenvielfalt an Flechten, Moosen, Gräsern und Büschen. Weiter im Osten und Norden nimmt die Anzahl an Pflanzenarten ab. Oft sieht man dort auch nur nacktes Felsgestein.

Viele Seevogelarten nisten in den Felsenregionen der Küste in großen Brutkolonien. Der Säugetierbestand Grönlands ist "typisch polar": Rentiere, Moschusochsen, Polarfüchse, Polarwölfe, Hermelin, Lemming, Schneehasen, Robben und Wale. Natürlich nicht zu vergessen: der Eisbär, Grönlands Wappentier.

"Land der Menschen"

Die Insel ist fast ausschließlich an den eisfreien Küstenregionen bewohnbar. Dort leben heute cirka 56.000 Menschen. Schon sehr lange bevor Erik der Rote mit seinem Gefolge nach Grönland kam, wanderten die ersten Inuit-Siedler auf dem Eisschild der zugefrorenen Meerenge zwischen dem nordöstlichen Teil Kanadas und Nordgrönland ein. Das war bereits 2500 vor Christus. Sie nannten das Land "Kalallit Nunaat", "Land der Menschen".

Rot bemalte Holzhäuser stehen an einer relativ kahlen Küste Grönlands, im Hintergrund das ruhige Meer.

Typisch für Grönland: das kleine Dorf Nuuk an der Küste

Seitdem fanden mehrere Einwanderungswellen verschiedener Inuit-Völker statt, die die dort bereits bestehenden Kulturen beeinflussten oder verdrängten.

Vom 10. bis in das 15. Jahrhundert hinein siedelten Inuit und isländische Siedler, auch Nordmänner genannt, gemeinsam auf Grönland. Die Unterschiede in der Art und Weise, wie beide Kulturen dort lebten, waren beträchtlich.

Die Nordmänner führten ein sesshaftes Leben mit Viehzucht und Ackerbau. Die Inuit lebten als selbständige und erfolgreiche Jäger, die auch im rauen Norden der Insel zu überleben wusste.

500 Jahre später, also im 15. Jahrhundert, waren die Nordmänner auf unerklärliche Weise von der Insel verschwunden. Wissenschaftler vermuten, dass sie während der "kleinen Eiszeit" die Insel verließen, weil es ihnen zu kalt geworden war.

Unter Dänemarks Kontrolle

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts waren es der Fisch- und Walfang sowie die Suche nach der Nordwestpassage, die den Inuit auf Grönland weiteren Besuch aus Europa bescheren sollte.

Im 18. Jahrhundert wurde Grönland zum zweiten Mal kolonisiert, dieses Mal von dänischer Seite. Man versuchte, die Inuit zu christianisieren und errichtete Handelsniederlassungen.

Die Flagge Grönlands mit weißem und roten Streifen.

Die grönländische Flagge

Im 19. Jahrhundert wurde mit dem Aufbau einer politischen und kulturellen Verwaltung des Landes begonnen. Nachdem Dänemark im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen besetzt worden war, brach die Verbindung zu Grönland zunächst ab. Nach Kriegsende wurde Grönland dänisch-amerikanisches Verteidigungsgebiet. Es wurden dort mehrere US-Luftstützpunkte errichtet.

1953 wurde der Status als Kolonie von der dänischen Regierung aufgehoben. Grönland ist seitdem offizieller Landesteil von Dänemark und hat zwei Sitze im dänischen Parlament in Kopenhagen.

Seit 1979 besitzt Grönland weitgehende innenpolitische Autonomie. Nur noch die Außen- und Verteidigungspolitik liegen in dänischer Hand. Offizielle Landessprache ist jetzt Grönländisch, die Sprache der Inuit. Formelles Staatsoberhaupt bleibt jedoch die dänische Königin Margarethe.

Grönland heute

Die Wirtschaft des Landes stützt sich hauptsächlich auf den Fischfang und die Förderung von Bodenschätzen, wie seltenen Erden und Öl. Zunehmend spielt auch der Tourismus eine Rolle. Vor allem jüngere grönländische Unternehmer haben sich auf das wachsende Interesse der Tourismusbranche an arktischen Regionen eingestellt.

Noch gibt es keine Straßennetze. Hauptreise- und Transportmittel sind Schiff, Motor- oder Hundeschlitten, Flugzeug und Helikopter. Dennoch ist Grönlands Wirtschaftsleistung schwach. Das Land ist auf regelmäßige Unterstützungszahlungen aus Dänemark angewiesen.

Zusehends entwickeln sich Ballungsgebiete. In der Hauptstadt Nuuk mit etwa 16.000 Einwohnern finden die Menschen komfortable Wohnverhältnisse vor und eine ausreichende Versorgung ist von Seiten des Staates auch gewährleistet.

Allerdings gibt es eine hohe Arbeitslosenquote und viele Einheimische haben Probleme mit der Entwurzelung von ihrer traditionellen Jagdkultur. Alkoholmissbrauch, Drogenprobleme und hohe Selbstmordraten, vor allem unter der jungen Bevölkerung, sind die Folge. Diese Problematik ist wohl eine der momentan größten Herausforderungen für die grönländische Regierung.

Autorinnen: Susanne Decker/Chahrazed Yahya

Weiterführende Infos

Stand: 22.01.2018, 13:31

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