Superlative des Kölner Doms

Der Dom und seine Umgebung vor Beginn seines Herstellungsbaus, Stahlstich aus 1857 von C. Mayer nach einer Zeichnung von Ernst Zwirner (1802-1861); Rechte: akg

Kölner Dom

Superlative des Kölner Doms

Als Bestandteil des Weltkulturerbes zählt der Kölner Dom zu den beeindruckendsten Kirchenbauten der Welt und ist eines der beliebtesten Touristenziele Deutschlands. Und er glänzt mit zahlreichen Superlativen, von denen wir einige vorstellen.

Die längste Bauzeit

Nach 632 Jahren und zwei Monaten wurde der Kölner Dom 1880 endlich eingeweiht. Damit ist seine Bauzeit rekordverdächtig. Länger dauerte wahrscheinlich nur der Bau der Chinesischen Mauer.

Der höchste Bau

Bei seiner Fertigstellung war der Kölner Dom das höchste Gebäude der Welt. Mit 157,22 Metern Höhe ist der Südturm heute der dritthöchste Kirchturm – nach dem Ulmer Münster (161,53 Meter) und der Basilika Notre-Dame de la Paix in der Elfenbeinküste (158 Meter).

Die Plätze vier und fünf belegen die Kathedrale von Rouen (151 Meter) und die Ruine der Hamburger Nikolaikirche mit einer Turmhöhe von 147,3 Metern.

Ulmer Münster (Aufnahme von 2003)

Heute die höchste Kirche der Welt: das Ulmer Münster

Größte Stahlkonstruktion seiner Zeit

Bis der Eiffelturm 1889 zur Weltausstellung gebaut wurde, war das Dach des Kölner Doms die größte Stahlkonstruktion der Welt. Als im 19. Jahrhundert mit der zweiten Bauphase im Kölner Dom begonnen wurde, verlangten die Puristen unter den Baumeistern einen Holzdachstuhl.

Ihre Begründung war, dass sich über dem Chor (dem ältesten Bauabschnitt) um 1300 ebenfalls eine hölzerne Konstruktion befunden hatte. Doch der hohen Brandgefahr im Holzgebälk wegen setzte sich schließlich Dombaumeister Zwirner mit einem stählernen Dachstuhl durch. Er wurde 1860 über den Gewölben von Lang- und Querhaus errichtet und trägt bis heute das schwere Bleidach des Doms.

Innesansicht Dachgestühl Kölner Dom

Ein Meisterwerk aus Stahl

Die größte frei schwingende Glocke

Bis heute läuten mittelalterliche Glocken im Dom. 1923 ließ das Domkapitel zudem die Petersglocke gießen. Mit 24 Tonnen Gewicht ist sie die größte freischwingende Glocke der Welt und wird von den Kölnern liebevoll "dicker Pitter" genannt.

Ihr tiefes C erklingt nur am Vorabend großer kirchlicher Feste und beim Tod eines Papstes oder Erzbischofs. Die größte Glocke der Welt, die aber niemals geläutet wurde, ist die 200 Tonnen schwere Zarenglocke in Moskau.

St. Petersglocke im Kölner Dom

Der dicke Pitter

Die größte Kirchenfassade der Welt

Mit 7000 Quadratmetern Fläche war die Westfassade des Doms seinerzeit die weltgrößte Kirchenfassade. Im gotischen Stil konzipiert, wurde sie im 19. Jahrhundert nach einem mittelalterlichen Bauplan ausgestaltet.

"Plan F", der die Grundlage für den Weiterbau des Doms im 19. Jahrhundert bildete, ist selbst rekordverdächtig. Das Pergament misst über vier Meter und ist einer der größten und ältesten erhaltenen Baupläne der Welt.

Teil der Westfassade

Nur ein kleiner Teil der Westfassade

Das größte Chorgestühl Deutschlands

Seit der Gotik wurden große Teile der immer kunstvoller gearbeiteten Kirchenausstattung aus Holz gefertigt: Chorgestühl und Baldachine, Lettner, Kanzeln und Pulte, die die christliche Symbolik des mittelalterlichen Weltbildes ikonographisch verarbeiteten. Eine Besonderheit des Kölner Doms ist sein Chorgestühl: Mit 104 Sitzen ist es das größte seiner Art in Deutschland.

Es wurde in den Jahren 1308 bis 1311 aus Eichenholz geschnitzt. Von besonderem Reiz sind die unter den Sitzen angebrachten figürlichen Darstellungen – die als Misericordien bezeichneten Menschen, Tiere und Fabelwesen.

Überraschend ist, dass sie in sehr weltlichen Situationen festgehalten sind. Vermutlich stellten die sich liebenden und bekämpfenden Figuren für den hohen Adel und die Priesterschaft eine willkommene Ablenkung von langweiligen Predigten dar.

Die älteste Darstellung des gekreuzigten Christus

Das Gerokreuz entstand um 970 und prangte bereits im alten Dom. Das 2,88 Meter hohe und 1,66 Meter breite Kruzifix aus Eichenholz galt als Wunder wirkend und ist die älteste erhaltene Großplastik des Gekreuzigten nördlich der Alpen. Das Kunstwerk war Vorbild für zahlreiche Kreuzigungsdarstellungen bis ins späte Hochmittelalter.

Autoren: Sven Gummich/Christine Buth

Stand: 22.02.2017, 09:26

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