Natur-Highlights

Landschaft mit See im Münsterland

Münsterland

Natur-Highlights

Wer heute mit dem Auto durch das Münsterland fährt, sieht eine relativ gleichförmige Landschaft mit weiten Feldern und typischen Bauernhöfen. Mal flach, dann wieder leicht hügelig. Doch inmitten dieser scheinbaren Monotonie bietet das Münsterland einige landschaftliche Überraschungen. Zum Beispiel Moore oder Seenlandschaften, wo sich inzwischen Flamingos angesiedelt haben wie im "Zwillbrocker Fenn" an der Grenze zu den Niederlanden. Und es gibt weitere solcher Besonderheiten, von denen wir hier zwei näher vorstellen wollen.

Die Wildpferde von Dülmen

Eine der größten Natur-Attraktionen im Münsterland sind die Wildpferde von Dülmen. Im Merfelder Bruch lebt heute die einzige verbliebene Wildpferdkolonie Europas.

Wie so oft ist auch hier der Mensch schuld, dass den Wildpferden durch Besiedelung und Landwirtschaft der Lebensraum entzogen wurde. Eine rühmliche Ausnahme war jedoch der Herzog Alfred von Croy. Er schuf 1847 ein Reservat für eine Herde, die bis dahin unentdeckt in einem Moorgebiet überlebt hatte.

Seine Nachfahren führten dieses Reservat bis heute weiter. Die Fläche des Geländes rund zwölf Kilometer westlich von Dülmen ist etwa vier Quadratkilometer groß. Dort leben heute rund 350 Pferde. Sie sind sich weitgehend selbst überlassen. Es gibt keinen Tierarzt und sie werden mit Ausnahme strenger Winter auch nicht gefüttert.

Einige Eingriffe des Menschen gibt es dennoch. Da sich die Herde räumlich nicht erweitern kann, würde es Probleme geben, mehrere Hengste innerhalb einer Herde zu halten. Es würde zu ständigen Kämpfen kommen. Deshalb werden einmal jährlich alle jungen Hengste ausgesondert, diese Aktion ist als "Dülmener Wildpferdefang" überregional bekannt.

An jedem letzten Samstag im Mai werden die Tiere in einer Arena zusammengetrieben. Vor den Augen von bis zu 20.000 Besuchern sortieren dann meist jüngere Bauern und Helfer die Tiere "per Hand" aus.

Und weil es eben Wildpferde sind, die sich nicht unbedingt alles gefallen lassen, ist diese Veranstaltung immer sehr spektakulär. Die aussortierten Hengste werden dort auch gleich versteigert. Danach wird die Herde wieder für ein Jahr in die Freiheit entlassen.

Damit sich die Dülmener Wildpferde dennoch vermehren können und gleichzeitig Inzucht vermieden wird, werden wechselnde Deckhengste eingesetzt. In Dülmen sind es meist polnische Konikhengste, eine Pferdeart, die eine enge Verwandtschaft zu früheren Wildpferderassen aufweist.

Das Gelände ist für Besucher zugänglich und kann mit dem Auto oder Rad besucht werden. Dort kann man dann aus einiger Distanz die Herde beobachten.

Das Bild zeigt eine Gruppe von acht Wildpferden, die auf den Betrachter zu galoppieren.

Die letzten Wildpferde Europas im Merfelder Bruch bei Dülmen

Die Westruper Heide

Es ist eigentlich nur ein recht kleines Gebiet von rund 89 Hektar Größe, was in etwa der Hauptinsel von Helgoland entspricht. Und dennoch versetzt es Besucher immer wieder in Erstaunen.

Wenige Meter Fußweg vom Südufer des Halterner Stausees befindet sich die Westruper Heide. Obwohl man sich im Münsterland wähnt, steht man plötzlich in einer sandigen und von Dünen durchzogenen Heidelandschaft, die in der Region einzigartig ist.

Solche Heidelandschaften haben ihren eigenen Reiz und bieten Lebensraum für seltenere Pflanzen und Tierarten. Dabei ist ihre Entstehung nicht unbedingt als etwas Natürliches zu sehen.

Heidelandschaften entstehen, wenn der Mensch den Boden zu sehr beansprucht. Wenn Wälder abgeholzt werden, der Boden von der Landwirtschaft übermäßig ausgenutzt oder sogar abgetragen wird, bleiben oft nur noch, wie im Fall der Westruper Heide, karge Sandböden übrig.

Sandwege in der Westruper Heide

Der sandige Boden erinnert an eine Dünenlandschaft

Auf diesen Böden überleben nur wenige robuste Heidepflanzen, die dann aber wieder als Nahrung für Tiere wie Schafe und Ziegen dienen. Dadurch bleibt die Heide als solche lange Zeit erhalten. Denn normalerweise würde sie von selbst wieder verschwinden.

Die natürliche "Sukzession" sorgt dafür, dass in unseren Breiten ohne Eingriff des Menschen sich überall Wald ausbreitet, was man auf stillgelegten Bahngleisen gut beobachten kann.

So würden in einer Heide ebenfalls nach einigen Jahrzehnten zunächst Birkenwälder entstehen und später Eichenwälder folgen. Auch in der Westruper Heide wäre dies längst passiert, wenn man sich nicht seit vielen Jahren bemühen würde, sie zu erhalten.

Bereits 1937 wurde die Westruper Heide unter Naturschutz gestellt. In den Jahren nach 1970 wurde jedoch eine Beweidung durch Schafe aus Kostengründen eingestellt. Und prompt verwandelte sie sich langsam zu einem Birkenwald.

Das wurde letztlich von verschiedenen Bürgerinitiativen und Naturgruppen verhindert, indem man in Handarbeit den aufkommenden Birkenbewuchs entfernte. Inzwischen ist man jedoch wieder zur bewährten Methode zurückgekehrt und lässt dort wieder Heidschnucken weiden.

Wer die Westruper Heide heute besucht, findet hier Flächen mit Heidekraut, Ginster, seltene Gräser sowie Wacholderbüsche. Und wer viel Zeit und Geduld mitbringt, kann vielleicht auch einige der seltenen Vogelarten wie Heidelerche und Schwarzkehlchen oder gar auch mal eine Schlingnatter beobachten.

Und was immer wieder besonders erstaunt, ist der an Dünen erinnernde Sandboden. Dass es hier und auch in anderen Teilen des Münsterlandes so viel Sand gibt, soll seinen Ursprung in der Steinzeit haben, als der Sand in Form von Wanderdünen in diese Region kam.

Heidschnucken in der Westruper Heide

Die "Wächter" der Heide: hungrige Heidschnucken

Autor: Helmut Brasse

Stand: 12.04.2018, 16:00

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