Scientology

Das Gebäude von Scientology in Hollywood in den USA.

Religiöse Bewegungen

Scientology

Kaum eine religiöse Bewegung hat so ein schlechtes Image wie Scientology. Und das, obwohl sie lange Zeit vom Glamour der Hollywood-Stars umweht wurde. Die Organisation sorgte über Jahre für bundesweite Hysterie, beschäftigte Gesellschaft, Medien und Verfassungsschutz: ein "Krebsgeschwür", das angeblich Unternehmen und Staat unterwandere. Zahllose Blogs und Bücher berichten davon, wie Mitgliedern psychisches und körperliches Leid zugefügt wurde.


Benutzerhandbuch für den Kopf

2009 schreibt Paul Haggis einen Brief an Scientology. Darin erklärt er seinen Austritt nach 35 Jahren. Haggis ist nicht irgendein enttäuschtes Mitglied der Religionsgemeinschaft, die psychotherapeutische Methoden mit Glauben verbindet und in den USA Kirchenstatus hat.

Haggis gehörte zuvor der Elite der Bewegung an. Außerdem ist er in Hollywood ein Oscar-prämierter Regisseur und Drehbuchautor ("L.A. Crash", "Million Dollar Baby", "James Bond 007 – Casino Royale").

Die Geschichte von Haggis schreibt 2011 Pulitzer-Preisträger Lawrence Wright für das Magazin "The New Yorker" auf. 2013 erscheint in Deutschland das darauf basierende Buch "Im Gefängnis des Glaubens".

Am Beispiel von Haggis beschreibt Wright detailliert das Innenleben der verschlossenen Gemeinschaft, die nach starren Regeln funktioniert und ihre Mitglieder von der Außenwelt trennt. Scientology bestreitet den Inhalt des Buches vehement.

Drehbuchautor Paul Haggis hält zwei Oscar-Auszeichnungen hoch.

Paul Haggis gewann 2006 Oscars für sein Drama "L.A. Crash"

Gründer Hubbard – Genie oder Verbrecher?

Drehbuchautor Paul Haggis wird 1975 in einer Kleinstadt in Kanada von einem jungen Mann angehalten: Er drückt ihm ein Buch in die Hand und sagt: "Du hast Verstand. Hier hast du das Benutzerhandbuch für deinen Kopf", schreibt Wright.

Das Buch stammt von L. Ron Hubbard und trägt den Titel: "Dianetik: Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit". Es ist 1950 erschienen und stand in dem Jahr für 28 Wochen auf der Bestsellerliste der "New York Times". Bis heute soll es über 21 Millionen Mal gedruckt worden sein.

Den späteren Religionsgründer Lafayette Ron Hubbard (1911-1986) halten einige für das größte Genie aller Zeiten, für andere ist er ein paranoider, gieriger Verbrecher.

Pulitzer-Preisträger Wright sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" 2013: "Er ist einer der interessantesten Menschen, über die ich je geschrieben habe, faszinierend, voller Widersprüche. Er steht im Guinness-Buch der Rekorde, weil er mehr als tausend Bücher geschrieben hat. Er schuf eine Kirche, die es seit einem halben Jahrhundert gibt. Wenn er nur ein Betrüger gewesen wäre, hätte er irgendwann das Geld genommen und wäre weggerannt. Er hat die meiste Zeit seines Lebens mit dem E-Meter verbracht und versucht zu verstehen, was in ihm passiert."

Das Elektropsychometer (E-Meter) zeigt mithilfe von zwei in den Händen gehaltenen Elektroden, wie sich der elektrische Widerstand im Körper verändert. Scientologen meinen, sie können aus den Bewegungsmustern darauf schließen, wie es jemandem psychisch geht.

Porträt von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard.

Der Gründer von Scientology, L. Ron Hubbard

"Unvermeidlich zu Höherem bestimmt"

L. Ron Hubbard wird in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Nebraska als Sohn einer Lehrerin und eines Soldaten geboren. Seine Reisen und seine Erlebnisse lassen sich laut Religionssoziologe Gerald Willms kurz zusammenfassen: "Alles, was Hubbard in seinem Leben vor der Begründung von Scientology unternimmt, setzt er später höchstselbst in das Scheinwerferlicht eines Mannes, der unvermeidlich zu Höherem bestimmt war", schreibt Willms in seinem Buch "Die wunderbare Welt der Sekten".

Vor dem Zweiten Weltkrieg schreibt er Abenteuergeschichten für Groschenhefte, später Science-Fiction-Geschichten. Schon damals füllt er "die Kluft zwischen der Realität und seiner Interpretation der Wirklichkeit mit Mythen", schreibt Willms.

Und er fühlte sich zu Höherem berufen: Nach dem Zweiten Weltkrieg befinden sich die USA in einer emotionalen Krise. "Psychische Störungen drohten allen anderen Krankheiten den Rang abzulaufen", zitiert Wright einen Bericht der Nachrichtenagentur AP.

In dieser Zeit entwickelt Hubbard eine angeblich wissenschaftliche Methode zur Selbsttherapie – die "Dianetik". Damit löst er in den USA einen Hype aus, der aber bald wieder abzuflauen droht.

Um die Menschen an sich zu binden, seine Macht und den Geldfluss zu erhalten, baut Hubbard seine Dianetik zur Religion aus. Dabei nutzt er die Überschneidungen zwischen Psychotherapie und Religion – beide verändern das Weltbild – und meldet Ende 1953 die "Church of Scientology" an.

Die Lehre von Scientology

Scientology sieht sich als Erlösungsreligion, die dem Menschen den Zustand geistiger Freiheit vermitteln und ihn von seinen Fesseln im physischen Universum befreien will.

Hubbard geht davon aus, dass alle Lebewesen das primäre Ziel haben zu überleben. Gesteuert wird das durch eine perfekte Rechenmaschine, die alle Daten verarbeitet: unseren Verstand. Daher stammt auch der Begriff "Dianetik", den man als "durch den Verstand" übersetzen kann.

Der Verstand besteht laut dem Scientology-Gründer Hubbard aus zwei Teilen: einem analytischen oder bewussten Teil sowie einem reaktiven. Bei der Verarbeitung unserer Umwelt sei normalerweise der analytische Verstand zuständig, der für jedes Problem eine Lösung hat.

Bei negativen Eindrücken, körperlichen oder emotionalen Schmerzen schalte sich jedoch der reaktive Verstand ein. Er sei die Quelle von Albträumen, Ängsten, schmerzhaften Emotionen, die Scientology "Engramme" nennt.

In sogenannten Auditing-Sitzungen will die Organisation diese fehlerhaften "Datensätze" mithilfe des E-Meters aufspüren und löschen, damit die "Rechenmaschine" Verstand wieder fehlerfrei arbeiten kann.

Wer diesen langwierigen (und teuren) Prozess erfolgreich durchlaufen hat, ist laut Scientology "clear". Wenn eine Person "clear" ist, lebt sie ohne ihren reaktiven Verstand, der – so Scientology – "die versteckte Quelle irrationalen Verhaltens, übertriebener Furcht, Verstimmung und Unsicherheiten" ist.

Ein E-Meter steht auf einem Tisch. Daneben liegt ein Buch mit dem Titel "Selbstanalyse" von L. Ron Hubbard.

Das E-Meter soll schädliche Erinnerungen aufspüren

Entkörperte Seelen – die Thetanen

Herzstück der Lehre ist die Vorstellung, dass jeder Mensch ein unsterbliches Wesen in sich trägt, "das grundlegende Selbst", wie Scientology auf seiner Webseite schreibt. Dieses allmächtige, allwissende und unsterbliche Geistwesen nennt die Glaubensgemeinschaft "Thetan". Zwischen ihm und dem sterblichen Körper vermittelt der Verstand.

Thetane sind laut Scientology älter als die Zeit und lebten weitab im Universum. Doch vor 75 Millionen Jahren lockte der tyrannische Herrscher Xenu sie in eine Falle, brachte sie auf die Erde, warf sie in Vulkankrater und sprengte diese mit Wasserstoffbomben in die Luft. Seitdem werden diese körperlosen Wesen in den menschlichen, physischen Hüllen wiedergeboren.

Über die Zeit haben die einst allmächtigen Thetane ihre Fähigkeiten durch traumatische Erlebnisse verlernt. Diese wiederzuerlangen, ist Ziel von Scientologen. Wem das mithilfe der Scientology-Technik gelinge, werde zum "Operating Thetan" (OT), also zum "Arbeitenden Geist". Voraussetzung dafür ist es, "clear" zu sein. Laut Scientology gibt es nichts, was ein OT nicht kann, er ist Schöpfer seiner eigenen Wirklichkeit.

Der amerikanische Schauspieler Tom Cruise hält eine Rede.

Operating Thetan VII: Schauspieler Tom Cruise

Bewegung der Hollywood-Sternchen

Drehbuchautor Haggis genoss es, in den 1980er Jahren zu einer stigmatisierten Minderheit zu gehören, schreibt Wright. Scientology, das war die Bewegung der Hollywood-Sternchen und Schauspielschüler, die sich in Los Angeles im "Celebrity Centre" trafen und auf den Durchbruch (auch mithilfe anderer Scientologen) hofften.

Haggis wurde nach und nach in den Glauben eingeweiht, weshalb er sich langsam an die Lehrsätze über traumatische Kindheitserlebnisse, vergangene Leben und Thetane gewöhnte, "die ursprünglich inakzeptabel für ihn gewesen wären", schreibt Wright. Aber die Widersprüche nagten an ihm.

"Auf der einen Seite war der systematische Weg zur Selbsterkenntnis", auf der anderen "eine Religion, die er einfach nicht verstehen konnte". Haggis gab sich selbst dafür die Schuld und hoffte, seine offenen Fragen würden auf der jeweils nächsten Stufe beantwortet.

Schneewittchen und die Weltverschwörung

In den Achtzigern litt das Ansehen von Scientology stark. Grund dafür war vor allem die "Operation Schneewittchen". Hubbard war davon überzeugt, dass eine Geheimorganisation von Psychiatern nach der Weltherrschaft strebte und schrieb deshalb 1973 einen Geheimbefehl, Regierungsstellen in aller Welt zu infiltrieren.

Laut Wright wurden 5000 Scientologen weltweit in Scientology-kritischen Ländern und Behörden platziert, darunter in deutschen Polizei- und Einwanderungsbehörden, bei Interpol, besonders aber in der US-Regierung.

Am 8. Juli 1977 begannen 150 FBI-Beamte in den Büros von Scientology die größte Durchsuchung der Geschichte der Behörde. Sie beschlagnahmten 200.000 Dokumente, fanden Einbruchswerkzeug und Abhörgeräte. Hochrangige Mitglieder der Organisation wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt – L. Ron Hubbard aber nicht.

Der alternde Religionsgründer versteckte sich seit Ende der 1970er Jahre in Kalifornien. Er wurde launenhaft und verwirrt. Schon in früheren Jahren waren es die Wesenszüge des Glaubensstifters, die durch seine Entscheidungen und Anweisungen in die Glaubensströmung einflossen.

Bezeichnend ist ein Brief, den Hubbards erste Ehefrau Polly an seine zweite Frau Sara schrieb (insgesamt war Hubbard dreimal verheiratet). Sie wollte ihr Mut machen beim Kampf nach der Trennung: "(…) ich habe das ebenfalls zwölf Jahre lang durchgemacht - die Schläge, die Morddrohungen, all die sadistischen Wesenszüge, die Sie ihm vorwerfen (…)".

Selbst Hubbards Arzt bezeichnete ihn, so Buchautor Wright, als "paranoide Persönlichkeit" mit Größenwahn und nannte ihn einen "pathologischen Lügner". So gingen auch Hubbards "Vermächtnis der Erniedrigung von Untergebenen und seine paranoide Einstellung zum Staat" auf seine Organisation über und machten sie zu einer "extrem geheimnistuerischen und manchmal feindseligen Organisation", so Wright.

Wendepunkt im öffentlichen Ansehen

Journalisten, Ärzte und Richter wurden mit Klagen überhäuft, von Privatdetektiven beschattet und mit zum Teil erfundenen Delikten mundtot gemacht.

Hinter der aggressiven Strategie steckte der neue starke Mann bei Scientology, David Miscavige. Hubbard war 1986 versteckt und verlassen auf einer Ranch in Kalifornien gestorben. Miscavige strukturierte die Organisation um, beauftragte PR-Strategen und religiöse Sachverständige.

Gleichzeitig setzte er die US-Steuerbehörde so lange mit Klagen unter Druck, bis diese 1993 Scientology als steuerbefreite Religionsgemeinschaft anerkannte.

Dennoch sieht Wright im Jahr 1991 den "Wendepunkt im öffentlichen Ansehen". In dem US-amerikanischen Magazin "Time" erschien ein Aufsehen erregender Enthüllungsbericht, es gab zahlreiche Skandale wie den ungeklärten Tod der jungen Scientologin Lisa McPherson. Prominenten Anhängern wurde Scientology "peinlich, womit es schwieriger wurde, Scientology als spirituellen Zufluchtsort" zu präsentieren.

Porträt von David Miscavige in einem Büro.

Der aktuelle Führer von Scientology: David Miscavige

Spannungen zwischen Deutschland und den USA

Auch außerhalb der USA stand Scientology unter Druck. Besonders Deutschland habe die Aktivitäten von Scientology mit besonderer Sorge beobachtet, so Lawrence Wright.

Religionssoziologe Gerald Willms schreibt von einer bemerkenswerten "gesellschaftlichen Einmütigkeit der 'Verdammung'". Zudem hatten verschiedene apokalyptische Gruppen mit Massenmorden und Massenselbstmorden für Schlagzeilen und Hysterie gesorgt. Zu Scientology ließen sich Parallelen im Glaubenssystem ziehen.

Die Praktiken der Organisation thematisierten zahllose Reportagen, Aussteigerberichte, Ratgeber und Broschüren. Die bekannteste und weitreichendste der darauf folgenden Maßnahmen war ein Beschluss der Innenminister, Scientology von 1997 an vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen.

Außerdem beschäftigte sich die Bundesregierung in einer zwei Jahre dauernden Untersuchung (Enquete-Kommission) mit der Sekten-Thematik im Allgemeinen und Scientology im Besonderen. Sie kam zu dem Schluss, dass die Organisation keine religiöse Gruppe sei. Wie Scientology aber einzustufen ist, ließ die Kommission offen.

Die Ablehnung in Deutschland führte sogar zu staatlichen Unstimmigkeiten zwischen der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten. Das "amerikanische Außenministerium begann, die deutsche Regierung zu drängen, sich nachgiebiger gegenüber Scientology zu zeigen", schreibt Wright.

In Deutschland habe man es befremdlich gefunden, dass den Amerikanern die Existenz von Straflagern zur Umerziehung von linienuntreuen Gläubigen mit Haft und Strafarbeiten keine Sorgen machten.

Scientology in der Krise?

2003 ließ David Miscavige in der "Goldbasis" in Südkalifornien ein Gefangenenlager eröffnen, bei Scientology "das Loch" genannt – zusammenhängende Wohncontainer ohne Möbel, aber voller Ameisen. Wright, der für sein Buch 200 Zeugen interviewt hat, beschreibt Szenen von Psychoterror und physischer Gewalt.

2005 waren dort 70 Personen, darunter Führungspersönlichkeiten. Mit ihnen spielte Miscavige "Reise nach Jerusalem". Den Verlierern drohte er mit Ausschluss aus der Elite-Organisation "Sea Org", Versetzung an einen unwirtlichen Ort und Zwangs-Scheidung. "Die Teilnehmer begannen, einander zu stoßen und zu schlagen. (…) Manager weinten." Seit dieser Zeit haben einige führende Scientologen die Organisation verlassen.

Der "Süddeutschen Zeitung" sagte der New Yorker Journalist und Scientology-Experte Tony Ortega 2013, die Organisation befinde sich in der "schwersten Krise ihrer Geschichte". "Seit zehn Jahren verlassen Langzeitmitglieder und Führungskräfte der höchsten Ebene die Kirche." Dazu gehören Marty Rathbun, jahrelang Nummer zwei in der Hierarchie, der frühere Sprecher Mike Rinder oder Miscaviges Nichte Jenna Miscavige Hill.

Außenansicht des Scientology-Hauptquartiers in Los Angeles, USA.

Das Scientology-Hauptquartier in Los Angeles

Bedeutende finanzielle Mittel

2008 provozierte der Versuch von Scientology, ein missliebiges YouTube-Video von Tom Cruise zu löschen, die Hacker-Organisation Anonymous. Die Anhänger der losen Vereinigung legten Server der Organisation lahm und organisierten in rund 100 Städten der Welt Protestkundgebungen.

Zudem sorgte eine nicht autorisierte Biografie über Tom Cruise für Wirbel. Darin beschreibt der englische Autor Andrew Morton die Rolle des Schauspielers in der Organisation als Botschafter und Aktivist.

Insgesamt hat Scientology wohl lange nicht so viele Anhänger wie behauptet: Die Organisation selbst spricht allein in den USA von 3,5 Millionen. Die Behörden als auch Autor Wright sprechen von 25.000.

In Deutschland wird die Zahl auf etwa 4000 geschätzt. Dennoch verfügt diese vergleichsweise kleine Glaubensbewegung über bedeutende finanzielle Mittel: Die Internationale Vereinigung von Scientologen hat nach Aussage von Führungskräften zwischen einer und zwei Milliarden US-Dollar auf Offshore-Konten geparkt.

Eine Gefahr für die Gesellschaft?

2007 beschlossen in Deutschland die Innenminister der Länder, ein mögliches Scientology-Verbot zu prüfen - doch das Vorhaben wurde schließlich zu den Akten gelegt. Weiterhin wird die Organisation vom Verfassungsschutz beobachtet. Das Bundesamt würde die Beobachtung gern auf ein Minimum reduzieren, stößt bei den Ländern aber auf Gegenwehr. Religionssoziologe Gerald Willms plädiert für weniger "hasserfüllte Polemik" gegenüber der Organisation.

Die nüchterne Wirklichkeit sei, dass selbst der Verfassungsschutz "seit nunmehr über 15 Jahren keine Beweise für tatsächlich stattfindende gesellschafts- oder staatsgefährdende Aktivitäten" finde. Auf der juristischen Agenda stünden unerlaubte Straßenwerbung, widerrechtliches Verteilen von Handzetteln oder Klagen wegen Beleidigung und übler Nachrede.

Auch Pulitzer-Preisträger Lawrence Wright sagte dem Magazin "Der Spiegel" 2013, er habe über viele Verbrechen und Misshandlungen geschrieben, "aber als antidemokratisch würde ich sie nicht sehen. Die Gefahr, die von Scientology ausgeht, ist persönlich, nicht gesellschaftlich. Auch wenn Scientology das bestreitet: Die Kirche zerstört Familien und Individuen."

Der Ausstieg

2008 streiten die Bürger Kaliforniens über ein Verbot von homosexuellen Ehen. Paul Haggis setzt sich für Minderheiten ein, auch, weil zwei seiner Töchter lesbisch sind. Er "kämpfte mit aller Kraft" dagegen, schreibt Lawrence Wright. Doch seine Kirche unterstützt die Befürworter des Verbotes.

Auf Hubbards "Emotionsskala" liegen Homosexuelle auf der Stufe 1,1, der "gefährlichsten und heimtückischsten Stufe". Es sei die Stufe des "Perversen, des Heuchlers, des Wendehalses". Hubbard empfiehlt, diese Personen aus der Gesellschaft zu entfernen und einzusperren.

Haggis ist enttäuscht und beginnt zu zweifeln. Er recherchiert im Internet und findet offene Lügen von Führungsmitgliedern und verstörende Berichte von alten Freunden, die mit Scientology gebrochen hatten.

Die Recherche über seine Kirche, der er 35 Jahre angehört hatte, mündet 2009 in einen Brief an den Sprecher Tommy Davis: "Tommy, wenn nur ein kleiner Teil dieser Vorwürfe zutrifft, haben wir es mit gravierenden, unverzeihlichen Verstößen gegen die Menschen- und Bürgerrechte zu tun." Er endet: "Ich schäme mich, so lange gewartet zu haben, bevor ich handelte. Hiermit kündige ich meine Mitgliedschaft in der Scientology-Kirche."

Porträt Paul Haggis.

Stieg nach 35 Jahren bei Scientology aus: Paul Haggis

Autor: Carsten Upadek

Stand: 25.09.2018, 14:28

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