Niederlande

Tulpenfeld mit Windmühle im Hintergrund

Westeuropa

Niederlande

Von Alexandra Stober

Die Niederlande machen ihrem Namen alle Ehre – das Land ist unglaublich flach! Fast die Hälfte liegt weniger als einen Meter über dem Meeresspiegel, ein Viertel sogar darunter.

Wasser, Wasser und noch mal Wasser

"Denkend an Holland, seh ich breite Gewässer träg durch unendliches Flachland gehn (…) und in allen Provinzen wird die Stimme des Wassers mit seinem ewigen Unheil verflucht und gehört."

Kaum ein Gedicht ist in den Niederlanden so bekannt wie dieses Werk Hendrik Marsmans aus dem Jahr 1937 mit dem Titel "Herinnering aan Holland", zu Deutsch: "Erinnerung an Holland". Das Porträt, das der Dichter zeichnet, ist nicht mehr in allen Belangen aktuell. Dennoch: Flachland und Gewässer machen auch heute noch einen großen Teil der niederländischen Landschaft aus.

Durch das Trockenlegen von Gewässern sind besondere Landschaften entstanden die "Polder": eingedeichte niedrig gelegene Gebiete in der Nähe von Gewässern. Der Wasserspiegel dieser Gewässer liegt bei den meisten Poldern oft oder dauerhaft über dem Bodenniveau.

Darüber hinaus sind rund 16 Prozent der Niederlande Moor- und Marschlandschaften, die als Schnittstelle zwischen Land und Wasser einen einzigartigen Lebensraum darstellen und als besonders schützenswert anerkannt sind.

Einen anderen Teil ihres Landes haben die Niederländer im 20. Jahrhundert dem Meer abgetrotzt. So entstand die Provinz Flevoland durch Trockenlegung einer Nordseebucht.

Die wichtigsten Flüsse der Niederlande sind Rhein, Maas und Schelde – sie finden sich im mehr oder weniger zusammenhängenden Rhein-Maas-Delta wieder, der zentralen Landschaft der Niederlande im Westen. Bemerkenswert: Der Name Rhein geht im Delta auf wenig bedeutende Flussarme über. Der Hauptstrom des Rheinsystems hat im Delta wechselnde Namen.

Man spricht Niederländisch – auch in der Karibik

Der gemeine Deutsche sagt häufig Holland, wenn er die Niederlande meint. Dabei ist Holland nur ein Teil des Landes, genauer gesagt sind es zwei Provinzen – Nord- und Südholland. Viele Niederländer aus anderen Landesteilen hören die Bezeichnung "Holländer" ungern. Das liegt daran, dass die Region Holland innerhalb der Niederlande relativ dominant und bei vielen Nicht-Holländern ziemlich unbeliebt ist.

Wenn der Niederländer sich jedoch selbst Holländer nennt, ist wiederum alles in Ordnung: Der Oranje-Fan ruft seiner Fußball-Nationalmannschaft "Hup, Holland, hup!" zu, was so viel heißt wie: "Auf geht's, Holland!"

Niederländischer Fußballfan mit Trommel.

"Hup, Holland, hup!"

Gesprochen wird im ganzen Land Standardniederländisch, das sich aus verschiedenen niederländischen Dialekten entwickelt hat. Einzig die Provinz Friesland hat sich eine gewisse sprachliche Eigenheit bewahrt: Hier ist die offizielle Sprache Friesisch, das allerdings eng mit dem Niederländischen verwandt ist.

In den ehemaligen Kolonien Aruba, Bonaire, Curaçao, Saba, St. Eustatius und St. Maarten, die zwar autonom sind, aber noch immer zum Königreich der Niederlande gehören, ist Niederländisch Amtssprache – meist neben Englisch.

Zwischen nicht- und strenggläubig

Kaum ein anderes Land der Welt ist so dicht besiedelt wie die Niederlande: Knapp 17 Millionen Menschen leben hier auf einer Fläche, die kleiner als Niedersachsen ist. Etwa 20 Prozent haben einen Migrationshintergrund.

Abgesehen von vielen Zugezogenen aus den Nachbarstaaten – besonders aus Deutschland, Belgien sowie England – leben zahlreiche Menschen aus den ehemaligen niederländischen Kolonien hier. So bilden Einwanderer aus Indonesien, der ehemals bedeutendsten Kolonie, sowie aus der Türkei die beiden größten Gruppen ausländischer Bewohner.

Das Bild zeigt eine Nahaufnahme des Gesichts einer asiatischen Frau.

Rund 400.000 gebürtige Indonesier leben in den Niederlanden

Darüber hinaus stammen viele Menschen ursprünglich aus Marokko, Surinam und der Karibik. Die am häufigsten vertretene Glaubensrichtung ist das Christentum. 27 Prozent der Niederländer gehören der katholischen Kirche an, deren Schwerpunkt im Süden und Osten des Landes liegt.

Demgegenüber sind der Norden und der Westen des Landes protestantisch geprägt. Insgesamt sind 17 Prozent der Bevölkerung Protestanten verschiedener Strömungen (reformiert, gemäßigt-calvinistisch, lutherisch).

In der Mitte des Landes liegt der niederländische "Bibelgürtel" mit einem relativ hohen Anteil an strenggläubigen Calvinisten. Anfang des 16. Jahrhunderts sorgte die Verfolgung der Protestanten in den Niederlanden dafür, dass viele von ihnen nach England und Deutschland flüchteten. Diese Exilgemeinden gerieten dann unter calvinistischen Einfluss und brachten bei ihrer Rückkehr in die Niederlande den Calvinismus mit – so wie die Emigranten aus Indonesien und der Türkei heute den Islam ins Land bringen.

Touristen-Magnete: Küste und Hauptstadt

Ihren Urlaub verbringen die Niederländer gerne in ihrem größten Nachbarland. So sind sie seit Jahren die größte Gruppe ausländischer Gäste in Deutschland. Umgekehrt gilt das Gleiche: In den Niederlanden sind die meisten Touristen aus Deutschland. Beliebt sind vor allem die niederländische Küste und die Hauptstadt Amsterdam.

Insgesamt sind die Niederlande touristisch mit Norddeutschland vergleichbar. Die Sandstrände an der Nordsee, am Ijsselmeer und am Veluwemeer ziehen vor allem Familien an. Daneben gibt es Segelgebiete mit kleinen, malerischen Städten. Wer das Land gerne mit dem Motorboot erkunden möchte, kann dies auf rund 8000 Kilometern Wasserwegen tun.

Dünen, Strand und Nordsee

Dünen, Strand und Nordsee

Überhaupt spielt das Wasser touristisch gesehen eine große Rolle. Auch in der Hauptstadt Amsterdam: Viele ausländische Besucher lassen sich durch die Grachten schippern oder bewegen sich per Tretboot auf den kleinen Kanälen fort. Das gängigste Fortbewegungsmittel der Stadt ist – wie allgemein in den Niederlanden – das Fahrrad.

Neben allen Straßen und Kanälen findet man Fahrradwege, sie verlaufen quer durch alle Parks. Es gibt in Amsterdam viel zu entdecken: bedeutende Museen, kleine Läden und große Kaufhäuser für jeden Geschmack, ein enorm vielfältiges Nachtleben inklusive Rotlichtbezirk zum Anschauen sowie zahlreiche Coffeeshops – in denen man staatlich geduldet eine kleine Menge Cannabis kaufen kann. Deshalb waren die Shops für viele Touristen lange Zeit die Hauptattraktionen der Stadt.

2010 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass Coffeeshops Cannabis zukünftig nur noch an Niederländer und nicht mehr an Ausländer verkaufen dürfen, um den Drogentourismus zu bekämpfen.

Amsterdam

Ein Stadtrundgang

Das Bild, eine Luftaufnahme, zeigt den historischen Marktplatz von Amsterdam mit dem Königlichen Palast. Auf dem Platz sind viele Menschen zu erkennen

Auf dem Dam, dem historischen Marktplatz und Zentrum des mittelalterlichen Stadtkerns, schlägt das Herz Amsterdams. Das bedeutendste Bauwerk: der Königliche Palast, der heute nur noch zu Repräsentationszwecken genutzt wird.

Auf dem Dam, dem historischen Marktplatz und Zentrum des mittelalterlichen Stadtkerns, schlägt das Herz Amsterdams. Das bedeutendste Bauwerk: der Königliche Palast, der heute nur noch zu Repräsentationszwecken genutzt wird.

Mit der "fiets" durch die Stadt: Abstellmöglichkeiten fürs Fahrrad gibt es überall in rauen Mengen – so wie hier am Hauptbahnhof. Denn: In den Niederlanden gibt es doppelt so viele Fahrräder wie Autos.

Von wegen Kaffee: Hier gibt's Cannabis. In Amsterdam findet man die meisten Coffee-Shops der Niederlande. Diese werden regelmäßig von der Drogenpolizei kontrolliert und mit grün-weißen Schildern lizensiert.

Prinsengracht 263 – so lautet die Adresse des Anne-Frank-Hauses. Im Hinterhaus des Gebäudes, das auf allen vier Seiten vor Blicken geschützt ist, konnte sich die Familie Frank rund zwei Jahre vor den Nationalsozialisten verstecken, ehe sie verraten und verhaftet wurde. Seit 1960 ist das Anne-Frank-Haus ein Museum.

Der Turm der Westerkerk aus dem Jahr 1631. Sie ist die größte protestantische Kirche in den Niederlanden. Ihr Turm mit Glockenspiel ist allseits bekannt und wird in vielen Liedern besungen wird. 1669 wurde Rembrandt in der Westerkerk begraben.

Im Amsterdamer Van-Gogh-Museum findet man die größte Sammlung des berühmten niederländischen Malers: mehr als seiner 200 Bilder und 400 seiner Zeichnungen. Es besteht aus zwei Gebäuden – eines für die Dauerausstellung (1973 eingeweiht), eines für Sonderausstellungen (1999 eingeweiht).

International bekannt: das Amsterdamer Rijksmuseum mit zahlreichen Gemälden großer Meister des Goldenen Zeitalters im 17. Jahrhundert, darunter Rembrandt und Vermeer. Das bedeutendste Exponat ist Rembrandts weltberühmte "Nachtwache". Erbaut wurde das Museum um 1885.

Lass Blumen sprechen: Der wahrscheinlich einzige schwimmende Blumenmarkt der Welt auf der Gracht Singel. Hier kann man neben Tulpen – der niederländischen Nationalblume – auch exotische Blumen sowie Tulpenzwiebeln, Samen und Souvenirs kaufen.

Auf und ab: Für große Schiffe muss die Magere Brug mehrmals täglich hochgeklappt werden. Sie wurde 1671 gebaut, ist aus Holz und führt im Zentrum der Stadt über die Amstel. Seit der letzten Restaurierung im Jahr 2003 dürfen nur noch Fußgänger und Radfahrer die Brücke passieren.

In Amsterdam feiert man gerne mit Booten auf den Grachten – wie hier am Koniginnendag.

Typisch für Amsterdam sind die schmalen, alten, schick renovierten Giebelhäuser an den zahlreichen Wasserwegen der Stadt – hier an der Herengracht.

Vom Amsterdam Centraal, dem Hauptbahnhof, geht es mit Hochgeschwindigkeitszügen beispielsweise nach Berlin, Brüssel, Paris und Zürich. Das beeindruckende Gebäude aus dem Jahr 1889 steht unter Denkmalschutz und wird ständig restauriert.

Stand: 06.08.2018, 10:14

Darstellung: