Die Niederlande und ihre Kolonien

Häuserzeile auf Aruba

Niederlande

Die Niederlande und ihre Kolonien

Von Alexandra Stober

In ihrem "Goldenen Zeitalter" – im 17. Jahrhundert – waren die Niederlande eine der bedeutendsten Kolonialmächte der Welt mit einem großen Handelsnetz. Besonders in Asien wurde die Kolonisation vorangetrieben, indem die Niederlande über Gesellschaften Handels- und Pachtverträge mit örtlichen Herrschern abschlossen und so große Gebiete in ihren Besitz gelangten. Mit dem Verlust ihrer bedeutendsten Kolonie, dem heutigen Indonesien, verloren sie ihre Vormachtstellung in Europa endgültig.

Monopole beim Gewürzhandel mit Asien

Bis zum Jahr 1591 besaß Portugal das alleinige Recht, mit asiatischen Gewürzen Handel zu treiben. Niederländische Kaufleute nahmen am Handel teil, in dem sie den Vertrieb innerhalb Europas organisierten.

Doch dann fiel der innereuropäische Handel mit den begehrten Gewürzen einer internationalen Vereinigung zu. Damit waren die Niederlande zunächst raus aus diesem lukrativen Geschäft, was der Handelsmacht sehr missfiel. So begann sie, einen eigenen Handel mit Indien und Südostasien aufzubauen.

Zwischen 1595 und 1600 legten von den Häfen Amsterdam, Delft, Enkhuizen, Hoorn, Middelburg, Rotterdam, Veere und Vlissingen 15 Flotten verschiedener Handelsunternehmen dorthin ab.

Diese konkurrierten untereinander, was die Ständeversammlung der Republik Niederlande nicht gerne sah. Deshalb zwang sie die Unternehmen, ihre Kräfte in der "Vereenigden Oostindischen Compagnie" (VOC) zu bündeln. Sie wurde am 20. März 1602 gegründet und hatte bis zu ihrer Auflösung 1798 in den Niederlanden das exklusive Recht auf den Handel mit Asien.

Handgeschriebene erste Aktie der Welt

Die erste Aktie der Welt

Wirtschaftlich am bedeutendsten war für die VOC der Gewürzhandel: Um ihn lukrativ zu gestalten, war es wichtig, das verfügbare Angebot zu begrenzen, sich also Monopole zu sichern. Und das gelang der VOC in der folgenden Zeit. Die einzige Konkurrentin, die 1600 gegründete "East India Company" der Briten, hatte gegen sie keine Chance.

Kolonien in Asien, Afrika und Amerika

Nach und nach brachte die VOC durch Handels- und Pachtverträge große Gebiete in ihren Besitz und machte sie zu Kolonien. Damit gingen die Niederlande anders vor als beispielsweise Spanien, das durch Eroberungen zu seinen Kolonien kam.

Zu den Einflussgebieten der VOC gehörten Sri Lanka, die Kapregion Südafrikas, Teile Malaysias, Japans und Chinas sowie Südindien.

Die wichtigste niederländische Kolonie aber war das heutige Indonesien. Hier wurde als Sammelpunkt für die nach Asien kommenden beziehungsweise von dort nach Europa ablegenden Schiffe im Jahr 1619 eine Stadt auf den Ruinen des eroberten Jakartas aufgebaut: Batavia, heute wieder Jakarta, Hauptstadt Indonesiens.

Skyline von New York

New York City hieß früher Nieuw Amsterdam

Nach dem Vorbild der VOC wurde 1621 ein Unternehmen mit dem exklusiven Handelspatent für den Handel in Westafrika und Amerika gegründet, die "West-Indische Compagnie" (WIC).

Zu ihrem Einflussgebiet gehörten im 17. Jahrhundert unter anderem Nieuw Amsterdam, das heutige New York City, die brasilianische Nordküste, Französisch Guyana sowie bis ins 19. Jahrhundert Britisch-Guyana und ein Teil Ghanas.

Einzig die karibischen Inseln Aruba, Bonaire, Curacao, St. Eustatitus, St. Maarten und Saba sind bis heute Teile des Königreiches der Niederlande.

Harter Umgang mit der einheimischen Bevölkerung

Als Anfang des 19. Jahrhunderts Napoleon in den Niederlanden herrschte, nahmen die Engländer die niederländischen Kolonien in Ostasien ein. Doch im Jahr 1816 erhielten die Niederländer die Herrschaft über das indonesische Inselreich zurück. Dafür mussten sie im Gegenzug auf Sri Lanka und die südafrikanische Kapregion verzichten.

1830 führten die Niederlande in Indonesien das folgende System ein: Die Bauern mussten auf mindestens einem Fünftel ihres Bodens von den Niederländern vorgegebene Pflanzen anbauen und ihre Arbeitskraft 66 Tage im Jahr der Regierung zur Verfügung stellen. Die so produzierten Waren wurden nach Europa verschifft und dort gewinnbringend verkauft.

Zeichnung: dunkelhäutiger Mann mit Lendenschurz sowie Pfeil und Bogen

So stellte ein niederländischer Reisender einen Indonesier dar

Der Gouverneur von Batavia, der dieses System einführte, beschrieb das Verhältnis zwischen den Niederlanden und Indonesien im Jahr 1832 aus seiner Sicht:

"Die Bevölkerung muss gemäß Recht und Billigkeit regiert werden, das heißt: Man darf ihren kulturellen und religiösen Einrichtungen keine Gewalt antun, muss sie gegen alle Gewalt beschützen und sie so viel wie möglich gemäß ihren eigenen Gewohnheiten regieren. Im Übrigen aber müssen die Interessen dieses Landes vollkommen denen des Mutterlandes untergeordnet werden."

Dennoch war Gewalt gegen die heimische Bevölkerung der Kolonien keine Seltenheit: Die niederländischen Kolonialherren züchtigten die Arbeiter, wenn diese Befehle nicht befolgten, und misshandelten sie teilweise schwer – zumindest vereinzelt wurden Einheimische sogar getötet.

Die Unabhängigkeit Indonesiens

Gegen diese Unterdrückung lehnte sich Indonesien zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Zunächst wurden einige Organisationen gegründet, die bessere Bildungsmöglichkeiten und mehr Teilnahme der Einheimischen an der Verwaltung der Kolonie forderte.

1912 entstand schließlich die "Indische Partij", die als erste Organisation für die Unabhängigkeit Indonesiens eintrat. Die Folge: Die niederländischen Kolonialherren verbannten die wichtigsten Führer der Partei. Man versuchte, die Unabhängigkeitsbestrebungen massiv zu unterdrücken.

Als Japan die Kolonie im Frühjahr 1942 besetzte, verschlechterten sich die Lebensbedingungen für die heimische Bevölkerung bis zur japanischen Kapitulation am 15. August 1945 enorm.

Nur zwei Tage später rief die nationalistische Bewegung des Landes die Unabhängigkeit Indonesiens aus. die Republik Indonesien bestand zunächst aus den Inseln Java, Sumatra und Madura.

Als ab Ende September britische Soldaten in Indonesien eintrafen, änderte sich an der Situation kaum etwas. Die Briten mussten sich darauf beschränken bestimmte Städte zu kontrollieren, und sie mussten mit der republikanischen Verwaltung zusammenarbeiten.

Die folgenden drei Jahre waren von enormer Gewalt geprägt. Die Niederländer wollten ihre Kolonie mit aller Macht zurück und starteten in der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember 1948 eine große Militäroperation. Dabei wurde die politische Führung der Republik Indonesien festgenommen sowie ganz Java und große Teile Sumatras von niederländischen Truppen besetzt. Die indonesischen Truppen leisteten kaum Widerstand.

Das Vorgehen der Niederlande rief jedoch sofort die Vereinten Nationen auf den Plan. Diese verlangten die Freilassung der politischen Führung und verabschiedeten einen Zeitplan, der die Unabhängigkeit des Landes bis zum 1. Juli 1950 vorsah.

Die Niederlande erkannten die Unabhängigkeit schließlich am 27. Dezember 1949 an: Während in Amsterdam Indonesien diese offiziell verliehen wurde, wurde auch in Batavia, das seitdem wieder Jakarta heißt, die indonesische Flagge gehisst.

Stand: 18.06.2019, 14:19

Darstellung: