Blutgruppen

Blutgruppen 03:36 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Blut

Blutgruppen

Von Johannes Eberhorn

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war eine Bluttransfusion ein lebensgefährliches Lotteriespiel. Das änderte sich erst, als Menschen mithilfe des AB0-Systems in verschiedene Blutgruppen eingeteilt werden konnten.

Das AB0-System

Der österreichische Immunologe Karl Landsteiner stellte im Jahr 1901 das AB0-Blutgruppensystem vor. Während Untersuchungen zu Immunreaktionen entdeckte Landsteiner auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen zwei unterschiedliche Antigene, die er A und B nannte. Bei Antigenen handelt es sich um Substanzen, welche die Bildung von Antikörpern bewirken, sobald sie vom Organismus erkannt werden.

Nachdem Landsteiner herausgefunden hatte, dass nicht jeder Mensch über dieselben Antigene auf den roten Blutkörperchen verfügt, konnte er nun die vier klassischen Blutgruppen A, B, AB und 0 benennen.

Ein Mensch mit der Blutgruppe A hat auf seiner Erythrozyten-Oberfläche das Antigen A, während bei Gruppe B dem entsprechend Antigen B vorhanden ist. Blutgruppe AB bedeutet, dass die roten Blutkörperchen beide Antigene besitzen. Menschen der Blutgruppe 0 schließlich haben weder das A- noch das B-Antigen.

Entsprechend der fehlenden Antigene bildet das Immunsystem sogenannte Antikörper. Das heißt, ein Mensch mit Blutgruppe A verfügt über Antikörper gegen B und umgekehrt. Bei Blutgruppe AB werden dagegen keine Antikörper gebildet, während Gruppe 0 bedeutet, dass sowohl Antikörper gegen A als auch gegen B vorhanden sind.

Wird zum Beispiel Blut der Gruppe A mit Gruppe B vermischt, werden die Antikörper gegen die fremden Antigene aktiv. Geschieht dies bei einer Bluttransfusion, kann es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen, da der Körper bei einer Blutunverträglichkeit mit einer sogenannten Verklumpung reagiert. Deshalb war der Erfolg von Transfusionen vor Einführung des AB0-Systems eher zufällig. Karl Landsteiner erhielt für seine Entdeckung 1930 den Nobelpreis für Medizin.

Das Rhesussystem

Das zweite wichtige System zur Blutgruppenbestimmung ist ebenfalls ein Ergebnis von Landsteiners Forschungen. Gemeinsam mit dem amerikanischen Hämatologen Alexander S. Wiener entdeckte er 1940 das sogenannte Rhesussystem, benannt nach den gleichnamigen Affen, die als Versuchstiere herhalten mussten.

Wiener und Landsteiner fanden heraus, dass es sich beim Rhesusfaktor um ein weiteres Antigen auf den roten Blutkörperchen handelte. Menschen, die über dieses Antigen verfügen, werden als rhesuspositiv bezeichnet, wohingegen Blut ohne diesen Faktor rhesusnegativ ist. Analog zum AB0-System bilden rhesusnegative Menschen Antikörper gegen rhesuspositives Blut. Also ist auch dieser Faktor bei Bluttransfusionen unbedingt zu beachten.

Besonders wichtig ist der Rhesusfaktor außerdem bei Schwangerschaften. Ist der Vater rhesuspositiv, die Mutter aber rhesusnegativ, so wird auch das Kind positiv. Während der Geburt kann Blut des Fötus in den Kreislauf der Mutter eindringen und dort die beschriebene Immunreaktion hervorrufen. Bei der Geburt des ersten Kindes ist das noch kein allzu großes Problem, da die Antikörper erst gebildet werden müssen.

Mit jeder weiteren Schwangerschaft wird die Gefahr einer lebensgefährlichen Abwehrreaktion aber größer, da die Antikörper jetzt bereits vorhanden sind. Heute wird in der Regel aber bereits bei der ersten Schwangerschaft eine so genannte Anti-D-Prophylaxe vorgenommen, um die Antikörper-Produktion der Mutter zu unterdrücken.

Alexander Solomon Wiener (1907-1976), US-amerikanischer Serologe; entdeckte zusammen mit Karl Landsteiner 1940 den Rhesusfaktor

Alexander Solomon Wiener entdeckte den Rhesusfaktor

Verteilung der Blutgruppen

Nicht alle Blutgruppen kommen gleich häufig vor. Das medizinische Lexikon "Pschyrembel" gibt für Mitteleuropa folgende Verteilung an: Gruppe A: 44,5 Prozent, B: 10,5 Prozent. AB: 4,5 Prozent. 0: 40 Prozent.

Auch die verschiedenen Ausprägungen des Rhesussystems halten sich keinesfalls die Waage. Etwa 85 Prozent der europäischen Bevölkerung sind rhesuspositiv, weshalb es einen ständigen Mangel an rhesusnegativem Spenderblut gibt.

Die Verteilung der Blutgruppen unterscheidet sich zudem je nach Kontinent zum Teil erheblich. So kommt etwa die Blutgruppe 0 bei den Ureinwohnern Amerikas zu über 90 Prozent vor, während in Asien Gruppe B dominiert.

Als Universalspender gelten Menschen mit der Blutgruppe 0. Ihr Blut kann von allen anderen Gruppen empfangen werden. Universalempfänger sind dem entsprechend Menschen der Gruppe AB, da ihnen zur Not auch Blut der Gruppen A, B und 0 übertragen werden kann. In beiden Fällen gilt aber, dass in der Regel Blut der gleichen Gruppe als Spende vorzuziehen ist.

Stand: 02.01.2019, 09:14

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