Apitherapie

Ein chinesischer Arzt behandelt einen Patienten mit einer Biene, die ihn in den Nacken sticht.

Bienen

Apitherapie

Von Sebastian Rams und Inka Reichert

Bienenhonig diente vor der Entwicklung des Raffineriezuckers lange als einziges Mittel zum Süßen. In der Antike war er deshalb so kostbar wie Gold. Doch Bienen produzieren noch mehr: Bienenharz, Königinnenfuttersaft und Bienengift können helfen, den Gesundheitszustand eines Menschen zu verbessern.

Propolis, das Bienenharz

"Apitherapie" nennt man den Einsatz von Bienenprodukten bei der Vorbeugung von Krankheiten und der Linderung von Beschwerden. In Osteuropa, Südamerika und Asien ist die Apitherapie weit verbreitet.

Das Bienenharz Propolis etwa gewinnen die Bienen aus dem Harz von Knospen und Baumrinden. Es wirkt gegen Bakterien, Viren und Pilze und hält Krankheitserreger vom Bienenstock fern.

Das liegt an der hohen Konzentration an wasserlöslichen Pflanzenfarbstoffen, den Flavonoiden, die darin enthalten sind. Diese wirken als Antioxidantien und hindern radikale Sauerstoffverbindungen daran, das Erbgut von Körperzellen anzugreifen.

Auf einem Marmorbrett stehen verschiedene Bienenprodukte, wie Honig, Propolis, Gelee Royal und gefüllte Honigwaben.

Produkte aus der Welt der Bienen

Eine Studie an der Universität Oxford hat gezeigt: Propolis soll doppelt so entzündungshemmend wirken wie das Mittel Acetylsalicylsäure (Aspirin) – und nur geringe Nebenwirkungen hervorrufen.

Das Harz darf jedoch nur als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden, nicht als Medikament. Eine medizinische Anwendung sollte grundsätzlich nur unter ärztlicher Anleitung stattfinden.

"Gelée royale", der Saft der Königinnen

Ammenbienen erzeugen in speziellen Kopfdrüsen Bienenmilch, die sie an die Larven verfüttern. Für die künftige oder regierende Königin gibt es einen besonderen Saft, den Königinnenfuttersaft, auch "Gelée royale" genannt.

Die Kost scheint ihr gut zu bekommen: Königinnen leben länger als andere Bienen im Stock. Zudem legt sie bis zu 3000 Eier am Tag. Im Königinnenfuttersaft sind Wasser, Zucker, Eiweiße, Vitamine und Spurenelemente enthalten.

Menschen soll der Saft bei seelischen und körperlichen Belastungen helfen, etwa bei Hautproblemen. Er wirkt antibiotisch, der Verzehr kann aber gesundheitliche Beschwerden hervorrufen. Wie andere Naturstoffe auch kann der Königinnenfuttersaft allergische Reaktionen auslösen.

Honig, der heilt

Menschen nutzen Honig schon lange, um Wunden zu desinfizieren. Das Enzym Glucoseoxidase, das die Bienen für die Produktion von Honig verwenden, wirkt antibiotisch. Es wandelt den Zucker im Honig in Wasserstoffperoxid um. Das Antiseptikum tötet die Wundbakterien ab.

Manukahonig fliesst vom Holzlöffel in ein Glas.

Manukahonig wirkt stark entzündungshemmend

Einen besonderen Honig stellen Bienen in Neuseeland aus dem Nektar des Manukabaumes her, dem neuseeländischen Teebaum. Der Manukahonig enthält den Stoff Methylglyoxal, der ähnlich wirkt wie Wasserstoffperoxid. Dadurch ist er noch entzündungshemmender als herkömmlicher Honig.

So wirkt etwa der "Medihoney" gegen multiresistente Keime in Krankenhäusern. Bei chronischen Wunden soll er sogar besser heilen als manche Antibiotika, wie eine Studie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn gezeigt hat.

Es ist jedoch kaum ratsam, einen handelsüblichen Honig zur Wundinfektion einzusetzen, da dieser Sporen von Bakterien und Pilzen enthalten kann. Das kann zu Infektionen führen. Wer Medihoney nutzen möchte, sollte das nur in Absprache mit dem Arzt tun.

Bienengift gegen Rheuma und Arthrose

Wächterbienen achten darauf, dass kein Fremder in den Bienenstock eintritt. Sie kontrollieren den Eingang zum Stock. Wer sich dennoch Zugang verschaffen will, bekommt ihren Stachel zu spüren. Mit diesem verabreichen sie eine geringe Menge Gift. Von hundert Menschen leidet im Schnitt einer an einer Insektengiftallergie, die im schlimmsten Fall tödlich verlaufen kann.

Für all jene Menschen, die nicht unter einer solchen Allergie leiden, kann das Toxin ein mögliches Mittel gegen Erkrankungen wie Rheuma oder Arthrose sein. Eine Biene wird dazu auf das entsprechende Gelenk gesetzt und zum Stich angeregt. Substanzen wie Histamin und Adolapin, die im Bienengift enthalten sind, können die Beschwerden des Patienten lindern.

Damit die Biene während der Behandlung nicht stirbt, liegt zwischen Biene und Patient ein feinmaschiges Netz. Der Stachel dringt so nicht zu tief in die Haut. Das verhindert, dass dieser herausgerissen wird.

Weiterführende Infos

Stand: 03.11.2017, 10:00

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