Arbeitselefanten – Helfer mit Rüssel

Elefanten in Kerala

Tierische Helfer

Arbeitselefanten – Helfer mit Rüssel

Von Jennifer Dacqué

Die Partnerschaft zwischen Mensch und Tier begann mit einem Arbeitsvertrag. Ob Rind oder Pferd, Lama oder Dromedar: Bereits vor Urzeiten setzten die Menschen Tiere ein bei Arbeiten, für die sie selbst nicht stark genug waren.
Die tierische Arbeitsleistung, die den Einwohnern Europas zur Verfügung stand, beschränkte sich auf eine Ochsenstärke. Die Menschen in Südostasien dagegen zähmten und arbeiteten mit dem Lkw der Tiere, dem Elefanten.

Starke Waldarbeiter

Man kann sich kaum vorstellen, wie es den Menschen ursprünglich gelang, diese riesigen Tiere mit ihren furchterregenden Stoßzähnen erstmals zu zähmen und teilweise auch zu züchten.

Und doch beweisen Skulpturen und Malereien, dass bereits um 2000 vor Christus in Indien die ersten Elefanten als Reit- und Lastentiere eingesetzt wurden. Von dort aus breitete sich diese Praxis in vielen Ländern Südostasiens aus.

Damals wie heute arbeiteten die Dickhäuter hauptsächlich im Wald, ihrem natürlichen Lebensraum. Fast ironisch ist dabei die Tatsache, dass die Elefanten mit ihrem Einsatz heute dafür sorgen, eben diesen Lebensraum Stück für Stück zu vernichten.

Ihr Aufgabenbereich beschränkt sich weitgehend auf den Holzabbau. Doch damit die Arbeitsabläufe im Gelände reibungslos funktionieren, müssen Arbeitselefanten zunächst eine lange Ausbildung absolvieren.

Enge Bindung zwischen Dickhäuter und Mensch

Asiatische Elefanten haben mit etwa 70 Jahren eine ähnliche Lebenserwartung wie Menschen. Ihre Pubertät ist allerdings bereits mit sieben bis elf Jahren abgeschlossen. Erst dann beginnt auch das professionelle Training, das in der Regel drei bis vier Jahre in Anspruch nimmt.

Jeder Elefant hat dabei einen persönlichen Ausbilder, den Mahout, der im Idealfall seine gesamte berufliche Laufbahn mit demselben Tier verbringt. Der Mahout ist der Einzige, der den Elefanten füttert, ihn verschiedene Kommandos lehrt und ihn täglich pflegt.

Auf diese Weise entsteht nicht nur eine enge Bindung, sondern auch Autorität. Der Elefant lernt, die Hand, die ihn füttert, nicht zu beißen. Bevor der Pfleger schließlich das erste Mal auf dem Elefanten reitet, wird diesem ein Kind auf den Rücken gesetzt, damit sich das Tier daran gewöhnen kann, Menschen zu tragen.

Mann reitet auf Elefant, der ihm seinen Rüssel entgegenstreckt.

Beziehung fürs Leben: Elefant und Mahout

Elefanten treffen eigene Entscheidungen

Die Elefanten arbeiten besonders häufig in bergigem Gelände, in dem Maschinen nicht eingesetzt werden können. Für die Sägewerke übernehmen sie den Transport und das Verladen der geschlagenen Bäume.

Ständig begleitet werden sie dabei von ihrem Mahout, der auf ihrem Rücken reitet. Er lenkt das Tier mit einem leichten Druck seiner Füße hinter den Ohren des Tieres und mit seiner Stimme. Ein Maulgeschirr wie etwa bei Pferden gibt es bei Elefanten nicht – und das ist auch gar nicht notwendig.

Die Elefanten haben in ihrer Ausbildung gelernt, etwa 30 verschiedene Kommandos zu verstehen und umzusetzen. In vielen Fällen entscheiden die intelligenten Tiere sogar selbst, wie die Stämme am besten aufzunehmen oder abzulegen sind.

Dafür benutzen sie ihre Rüssel. Mit 40.000 verflochtenen Muskelsträngen sind diese so stark, dass sie sogar einen 250 Kilogramm schweren Holzklotz heben und umsetzen können. Für längere Transportwege jedoch wird den Dickhäutern ein Zuggeschirr angelegt, und sie werden vor einen Wagen gespannt, ganz wie Rinder in Europa.

Arbeitselefanten sind nicht ausschließlich Zuchttiere. Oft werden wilde Elefanten mithilfe anderer, bereits gezähmter Artgenossen eingefangen und anschließend ausgebildet. Statt eines Lebens in ihrer natürlichen Herde blüht ihnen anschließend ein langes Berufsleben.

Doch auch Elefanten müssen nicht ewig schuften. In der indischen Provinz Kerala können die Dickhäuter mit 65 Jahren in Rente gehen und erhalten weiterhin Futter und Pflege. Im nordthailändischen Lampang gibt es seit November 2010 sogar ein Seniorenheim für Ruheständler mit Rüssel.

Elefant lädt einen Baumstamm in einen Lastwagen.

Elefanten denken bei der Arbeit mit

Mit Elefanten in den Krieg

Die Kraft der Elefanten erwies sich nicht nur bei der Arbeit als nützlich. Bereits etwa 1100 vor Christus wurden die Tiere zum ersten Mal auch im Krieg eingesetzt. Alte Sanskrit-Texte aus Indien beschreiben, wie die schiere Größe der Elefanten die Gegner das Fürchten lehrte.

Ähnlich ging es wohl auch den Soldaten Alexanders des Großen, als sie im Jahr 331 vor Christus 15 Kriegselefanten in den Reihen der feindlichen Perser erblickten. Für den Ausgang der Schlacht spielten die Tiere jedoch keine große Rolle. Alexander siegte und integrierte später selbst Elefanten in seine Armee.

Der wohl bekannteste Einsatz von Elefanten im Krieg fand etwa ein Jahrhundert später statt. Der karthagische Feldherr Hannibal überquerte im Zweiten Punischen Krieg (218 bis 201 vor Christus) mit beinahe 60.000 Mann, 9000 Pferden und 37 Elefanten die Alpen nach Norditalien, um dort gegen die römischen Legionen zu kämpfen – letztendlich aber ohne Erfolg.

Zwar wurden noch bis ins Mittelalter immer wieder Elefanten im Krieg eingesetzt, doch ihre Wirkung im Kampf war meist lediglich psychologischer Natur.

Da die Dickhäuter von Natur aus keine sehr aggressiven Tiere sind, gerieten sie im Schlachtgetümmel häufig in Panik und zertrampelten auch Soldaten aus den eigenen Linien. Und wenn sie sich trotz des Kriegsgeschehens beruhigen konnten, liefen die schlauen Tiere einfach davon.

Gemälde: Eine Reihe Elefanten zieht in die Schlacht.

Erfolglos trotz Elefanten: der Karthager Hannibal

Stand: 19.06.2019, 18:00

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