Elefantenhaltung im Zoo

Fußpflege für Elefanten 03:48 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Elefanten

Elefantenhaltung im Zoo

1. Juli 2010, Toledo Zoo, Ohio, USA: Als Elefantenpfleger Ron Redfox den Stall betritt, wird er vom siebenjährigen Elefantenbullen Louie angegriffen. Redfox gelingt zunächst die Flucht hinter eine Gittertür. Er kennt den Bullen seit dessen Geburt. Vielleicht ist das der Grund, warum sich der erfahrene Pfleger, entgegen den Vorschriften, ohne Begleitung erneut Louis nähert. Der Bulle greift an, drückt Redfox in eine Ecke und verletzt ihn schwer. Der Angriff zeigt exemplarisch: Elefantenhaltung ist riskant.


Das Dilemma

Zwischen 1982 und 2002 gab es rund 40 Tote und mehr als 50 Verletzte. Diese Bilanz der Haltung von Zooelefanten in Europa und Nordamerika zieht der Verein Elefanten-Schutz Europa. Immer wieder gibt es Unfälle, greifen Elefanten ihre Pfleger an.

Der Grund ist nicht, dass Elefanten böse sind. Das sind sie nicht. Aber sie sind eben auch keine gutmütigen Riesen, die sich freiwillig dem Menschen unterordnen. Elefanten sind wilde Tiere, mit eigenen Verhaltensregeln.

Das Problem in der Zoohaltung: Durch ihre enorme Kraft und ihr tonnenschweres Gewicht können schon kleine Konflikte für den Menschen tödliche Folgen haben. In Deutschland halten insgesamt 25 Zoos und Tierparks Elefanten. In den meisten von ihnen stehen die Pfleger im ungeschützten, direkten Kontakt mit den Elefantenkühen.

Direct-Contact

Wenn Elefantenpfleger, die im direkten Kontakt mit Elefanten arbeiten, das Elefantenhaus betreten, ist für die Elefanten ganz klar: Hier kommt der Chef. Im Direct-Contact haben die grauen Kolosse gelernt, dass die Elefantenpfleger die Alpha-Tiere der Herde sind. Nur so können sich die Pfleger mitten unter die grauen Kolosse wagen.

Beim Direct-Contact, auch Free-Contact oder Hands-On genannt, mischt sich der Tierpfleger ohne schützende Gitter unter die Tiere. Sie ist die älteste Haltungsart von Elefanten. In Asien gingen so die Elefantenführer, auch Mahuts genannt, bereits vor rund 3500 Jahren mit ihren Arbeits- und Kriegselefanten um. Als im 18. Jahrhundert die ersten Asiatischen Elefanten Europa erreichten, kam das Wissen über deren Haltung gleich mit.

Wenn die tonnenschweren Tiere dem Pfleger gehorchen, selbst wenn sie keine Lust dazu haben, vereinfacht das ihre Pflege ungemein. So ist die Kontrolle ihrer sensiblen Füße und die Hautpflege kein Problem. Auch der Tierarzt kann ungehindert Blut abnehmen oder Wunden verarzten. Kommt es innerhalb der Herde zu Streit, kann der Pfleger schlichtend eingreifen.

Mann reitet auf Elefant, der ihm seinen Rüssel entgegenstreckt.

Direct-Contact in Asien

Protected-Contact

Da es im direkten Kontakt mit Elefanten immer wieder zu schweren Unfällen kam, wurde in den USA das Konzept des Protected-Contacts entwickelt. Hier ist der Pfleger immer durch ein schützendes Gitter vom Tier getrennt.

In Deutschland werden alle Elefantenbullen so gehalten, denn sie geraten periodisch in regelrechte Hormonräusche. In dieser Phase, Musth genannt, produzieren sie doppelt so viel Testosteron und sind äußerst aggressiv.

Der Kölner Zoo war der erste Zoo Deutschlands, der nicht nur die Bullen, sondern die gesamte Herde in Protected Contact hält. Dass die Tierpfleger durch die Gitter weniger Einfluss auf die grauen Kolosse nehmen können, bedeutet nicht, dass sie die Tiere sich selbst überlassen.

Täglich üben die Kölner Tierpfleger mit Hilfe des sogenannten Target-Trainings, Kommandos ein. Als Target bezeichnet man einen einfachen Stab, meist mit einer Kugel am oberen Ende. Der Elefant soll ihn mit dem von Batstone geforderten Körperteil berühren. Tut er dies, wird er mit Futter belohnt. So lernt das Tier Schritt für Schritt Kommandos auszuführen.

Soll es zum Beispiel zur Pflege seinen Fuß durch das Gitter strecken, gibt der Tierpfleger den entsprechenden Befehl. Zusätzlich deutet er mit dem Target auf die Stelle, wo das Tier seinen Fuß durchstrecken soll.

Letztendlich klappt es jedoch nur, wenn der Elefant Lust hat mitzuspielen. Für den Notfall gibt es in Köln deshalb eine spezielle Gitterbox, die Crush Box. Ist der Elefant einmal hineingelockt, wird er, durch verschiebbare Seitenteile, fixiert. So können selbst unwillige Elefanten ohne risikoreiche Narkose behandelt werden.

Ein Elefant streckt seinen Fuß durch Gitterstäbe.

Fußkontrolle im Kölner Zoo

No-Contact

In der Haltung im No-Contact ist der Kontakt zwischen Mensch und Tier auf ein Minimum reduziert. Die Tierpfleger beschaffen das Futter und misten aus. Ansonsten sind die Tiere sich selbst überlassen. Befürworter dieser Methode argumentieren, dass so die Elefanten in den gleichen Herdenstrukturen wie in der freien Wildbahn leben. Die Tiere können ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben.

Nur wenige Zoos weltweit lassen sich bislang auf diese Haltungsform ein, unter anderem, weil beim No-Contact das Gehege besonders weiträumig seien muss. Zu einer lebensnahen Umwelt gehören zum Beispiel Schlamm- und Wasserbäder ebenso wie Bereiche, in denen sich die Tiere bei Konflikten in der Gruppe zurückziehen können.

Kritiker der Haltung im No-Contact führen an, dass die Elefanten medizinisch ohne Narkose nicht mehr behandelbar sind. Außerdem könnte es, wie im israelischen Zoo Ramat Gan, zu gefährlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Elefantenherde kommen. 2007 quetschte dort der als ruhig geltende Elefantenbulle Jossi eine Elefantenkuh zu Tode. Obwohl sich dies vor den Augen der Tierpfleger abspielte, hatten sie keine Möglichkeit einzugreifen.

Eine Gruppe Elefanten an einem Wasserloch

Wie in freier Wildbahn

Die Qual der Wahl

Welche Haltungsform nun die Beste ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Jeder Zoo muss für sich entscheiden, was für seine Tierpfleger und Elefanten am sinnvollsten ist. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Die Direct-Contact-Haltung besticht durch ihre besonders einfache und gute pflegerische und medizinische Betreuung der Elefanten. Doch um Unfälle zu vermeiden, bedarf es dabei besonders erfahrener Tierpfleger, in der Regel freundlich gesinnter Elefanten und einer relativ stabilen Herdenstruktur.

Sind diese Faktoren nicht gegeben, ist für die Sicherheit des Personals und das Wohlbefinden der Tiere Protected-Contact die passende Alternative. Für eine Elefantenherde mit besonders stabiler Herdenstruktur ist die Haltung im No-Contact geeignet. Zudem können so auch Elefanten gehalten werden, die keine menschliche Nähe dulden.

Allgemein hat sich in der Haltung von Elefanten in den Zoos in den vergangenen 40 Jahren einiges verbessert. Viel zu kleine Gehege aus Beton wichen größeren naturnahen Anlagen, mit Wasserstellen zum Baden.

Ein Elefant badet, so dass Wasser spritzt

Elefanten lieben Wasser

Auch wird der Bedeutung sozialer Strukturen vermehrt Rechnung getragen. Ziel ist es, wie in der freien Natur, Familienverbände aufzubauen. Dafür sollen die Weibchen und ihr Nachwuchs ihr ganzes Leben im selben Zoo verbringen können. Nur noch die Bullen sollen, zur Vermeidung von Inzucht, auf Reisen geschickt werden.

Autorin: Birgit Amrehn

Stand: 21.08.2018, 15:44

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