Überlebenstipps – So wird man ein lebendes Urtier

Lebende Urtiere

Überlebenstipps – So wird man ein lebendes Urtier

Lebende Urtiere haben alle eine Gemeinsamkeit: Sie haben es geschafft, über Millionen von Jahren den widrigen Umweltbedingungen zu trotzen und die Erdzeitalter zu überdauern. Und dabei haben sie sich evolutionär kaum verändert. Doch es gibt auch Unterschiede: die Umstände und Ursachen, die jene Beständigkeit ermöglichten. Hier die besten Tipps für ein langes Überleben.

Tipp 1: Lebe im Wasser!

Kiwi mit einem Ei.

Schön sachte: Urvogel Kiwi

Wenn man sich im Museum oder in einem Biologiebuch die verschiedenen lebenden Urtiere ansieht, fällt einem schnell auf, dass die Mehrzahl von ihnen im Wasser lebt: Lungenfisch, Pfeilschwanzkrebs oder Quastenflosser. Sie alle leben seit Jahrmillionen und haben sich während der langen Geschichte ihrer Spezies kaum verändert. Es gibt gleich mehrere Gründe dafür, warum es sich im Wasser so gut lebt.

Zunächst einmal ist bekannt, dass sich das Leben auf diesem Planeten im Wasser entwickelt hat. Demnach können Arten, die durch die Meere schwimmen, potenziell auch älter sein als alles, was an Land herumläuft.

Wenn wir Urtiere wie den Nautilus betrachten, wird dies schnell deutlich. Den Nautilus gibt es seit etwa 500 Millionen Jahren (Zeitalter des Kambrium). Das erste tierische Leben an Land soll sich nach dem aktuellen Stand der Forschung erst vor maximal 390 Millionen Jahren entwickelt haben.

Meere und Ozeane weisen zudem eine höhere ökologische Stabilität als das Land auf. Weltbewegende Ereignisse, wie zum Beispiel der Einschlag eines großen Meteoriten und damit einhergehende Veränderungen der Erdatmosphäre, Eiszeiten oder globale Dürren, können Landtieren die Lebensgrundlage entziehen.

Doch besonders in der Tiefsee (ab etwa 800 Metern unter der Oberfläche) wirken sich solche Umwälzungen kaum aus. Die Temperatur ist konstant kalt und es ist immer stockdunkel. Wenn zum Beispiel die Sonneneinstrahlung durch einen gigantischen Vulkanausbruch abgeschirmt würde, wäre das eine Katastrophe für die meisten Landlebewesen. Tiefseebewohner, wie etwa der Quastenflosser, würden davon kaum etwas mitbekommen.

Ein Krokodil mit weit aufgerissenem Maul.

Krokodile sind beim Futter nicht wählerisch

Ebenfalls von großer Bedeutung für das Überleben ist die Konkurrenzarmut. In extremen Lebensräumen wie der Tiefsee können nur wenige Arten überleben. Und wo kein Feind ist, da wird auch das Aussterben immer unwahrscheinlicher.

Der Boden von Gewässern bietet außerdem ein reichhaltiges Nahrungsangebot – denn alles, was ins Wasser fällt oder darin stirbt, landet zwangsläufig irgendwann auf dem Grund. Anspruchslose Allesfresser sind bei diesem reichhaltigen Buffet klar im Vorteil.

Urtiere wie Schildkröten und Krokodile ernähren sich auch von Überresten wie abgestorbenen Pflanzen oder Aas. Mit dieser Methode konnten beide Arten, die im Trias vor 200 bis 250 Millionen Jahren auftauchten, bis heute überleben.

Tipp 2: Halte dich fern von Fremden!

Ein Schnabeltier taucht in seichtem Wasser voller Seegras.

Kloakentiere wie das Schnabeltier gibt es nur in Australien

Ein passendes Beispiel für diese Theorie liefern die Beuteltiere. Kurz nach der Herrschaft der Dinosaurier, im Zeitalter des Tertiär, das vor etwa 65 Millionen Jahren begann, waren diese Säugetiere auch auf dem südamerikanischen Kontinent weit verbreitet. Südamerika war damals noch eine riesige Insel.

Zum Ende des Tertiär, vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren, war es jedoch vorbei mit der Abgeschiedenheit. Es entstand die panamerikanische Landbrücke, die es Arten vom nordamerikanischen Kontinent erlaubte, nach Südamerika zu gelangen – und umgekehrt. Die Beuteltiere wurden Opfer der ihnen unbekannten Jäger aus dem Norden. Ihre Artenvielfalt ist seither stark geschrumpft.

Ganz anders verlief die Entwicklung in Australien, wo die Beuteltiere noch immer auf ihrer "Evolutionsinsel" leben und kein natürlicher Kontakt zu fremden Jägern entstanden ist. Australien ist seit dem Jura (vor 200 bis 145 Millionen Jahren) ein eigenständiger Kontinent. Zuvor hatte sich der Erdteil zusammen mit den Landmassen der Antarktis vom Superkontinent Gondwana gelöst. Als sich auch die Antarktis abspaltete, wurde Australien in der Kreidezeit zur Evolutionsinsel.

Durch diese Isolation konnten sich dort urtümlich-eigenartige Tiere wie das Schnabeltier oder der Beuteligel entwickeln. Beide gehören zur Gattung der Kloakentiere, die ausschließlich auf dem fünften Kontinent und in Neuguinea existieren. Auch den Urvogel Kiwi in Neuseeland gibt es seit der Zeit der Dinosaurier. Erst als der Mensch diese Gebiete großflächig besiedelte, wurden die Beutelsäuger und andere Relikttiere auch dort zu gefährdeten Spezies.

Tipp 3: Sei flexibel!

Ein Lungenfisch im Aquarium.

Der Lungenfisch verfällt bei Wassermangel in eine Starre

Spezialisierung auf die Umwelt kann Fluch und Segen zugleich sein. Tiere, die zum Beispiel eine Nahrungsquelle besonders energieeffizient verwerten können, sind gegenüber den Generalisten zunächst im Vorteil. Fällt die Nahrungsquelle jedoch aus irgendeinem Grund dauerhaft weg, hat die Art kaum eine Chance zu überleben.

Tiere, die sehr flexibel sind, sind demnach unabhängiger von ihrer Umwelt und haben bei Veränderungen eine bessere, langfristigere Überlebenschance.

Die Meister in dieser Disziplin sind wohl die Schaben. Bereits im Ober-Karbon (vor etwa 320 Millionen Jahren) existierten Insekten, die der modernen Kakerlake zum Verwechseln ähnlich waren. Heute sind etwa 4000 Schabenarten bekannt, die auf der ganzen Welt verstreut leben.

In punkto Nahrung oder Klima sind Schaben überhaupt nicht wählerisch. Man könnte fast sagen: Sie versuchen immer das Beste aus der Situation rauszuholen, pflanzen sich auch unter schwierigen Umständen rasant fort und sichern so ihr dauerhaftes Überleben.

Nicht weit abgeschlagen auf der Flexibilitätsskala liegt der Lungenfisch. Dieses urtümliche Geschöpf existiert seit dem Devon (vor 410 bis 360 Millionen Jahren) und hat sich ganz besonders auf seine Umwelt eingestellt. Denn wie der Name schon sagt, hat dieser Fisch eine Lunge statt Kiemen. Sein Lebensraum beschränkt sich hauptsächlich auf stehende und niedrige Gewässer. Andere Fische können dort aufgrund des geringen Sauerstoffgehaltes im Wasser nur schwer überleben.

Wenn selbst für den Lungenfisch die Situation zu brenzlig wird (zum Beispiel wenn das Flussbett austrocknet), hüllt er sich in eine Blase aus Schleim und Schlamm und kann so bis zu vier Jahre in einer Starre überleben. Erst wenn die Lage sich entspannt, wird er wieder aktiv. Diese Flexibilität verschafft dem Lungenfisch einen entscheidenden Überlebensvorteil gegenüber anderen Fischen.

Tipp 4: Habe Glück!

Das sicherste Mittel zum Überleben ist und bleibt jedoch Glück. Selbst wenn eine Art im Wasser lebt oder auf einer Evolutionsinsel und obendrein noch sehr flexibel ist, heißt das noch lange nicht, dass ein Überleben gesichert ist. Viele Arten haben trotz dieser Vorteile die Jahrmillionen nicht überstanden. Quastenflosser, Pfeilschwanzkrebs und Co. haben also vor allem eines gemeinsam: Sie hatten einen riesigen Dusel.

Autorin: Jennifer Dacqué

Stand: 18.07.2016, 16:16

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