Schiffswracks

Schiffswrack im Wasser

Schifffahrt

Schiffswracks

Rund drei Millionen Schiffswracks liegen Schätzungen zufolge auf dem Grund der Weltmeere. Wer sich für sie interessiert, erfährt eine Menge an bewegenden Geschichten: von wilden Seeräuberschlachten, heftigen Stürmen, Kriegsschauplätzen und Handelsflotten. Doch auch Materielles haben die Wracks zu bieten: Viele versunkene Schiffe enthalten kostbare Schätze. Und wer nicht auf Schatz- oder Geschichtensuche geht, wird von der bizarren Kulisse unter Wasser in ihren Bann gezogen.

Darum geht's:

  • Das älteste Wrack stammt aus dem Jahr 1400 vor Christus.
  • Bestimmte Gebiete sind berüchtigt für Schiffskatastrophen.
  • Stürme, Riffe, Navigation – Schiffsuntergänge haben viele Ursachen.
  • Versunkene Schätze: Viele wurden bis heute nicht gefunden.

Wracks aus unterschiedlichen Epochen

Kriegsschiffe, Passagierdampfer, Handelsflotten, Piratenschiffe oder moderne Tanker sind nur einige Beispiele für die vielen unterschiedlichen Schiffsarten, die in den vergangenen 4000 Jahren gesunken sind.

Die Schiffswracks sind Zeitzeugen der verschiedenen Epochen, in denen sie erbaut wurden und die Meere befuhren. Dank moderner Technik können historische Schiffswracks heute leichter aufgespürt und analysiert werden. So kann beispielsweise anhand des Holzes eines Wracks der Zeitraum bestimmt werden, in dem das Schiff hergestellt wurde.

Eine der ältesten schriftlichen Überlieferungen eines Schiffsuntergangs stammt aus Ägypten. Eine Papyrusrolle berichtet von der Fahrt eines Erzfrachters. Das 54 Meter lange Schiff war um 2000 vor Christus im Roten Meer mit einer Ladung Kupfer unterwegs.

Die Frachtschiffe der Ägypter waren zu dieser Zeit zumeist aus Zedern- oder Akazienholz und Seilen aus Alfa-Gras, das die Holzplanken zusammenhielt, gebaut. Das Schiff geriet in einen schweren Sturm und sank samt der 120 Mann Besatzung. Der Verfasser der Überlieferung sei, so die Recherche der Historiker, auch mit an Bord gewesen. Er überlebte das Unglück und konnte so später darüber berichten.

Mehr als schriftliche Überlieferungen gibt es vom "Gelidonya-Schiff", das um 1200 vor Christus gebaut wurde. Es ist das älteste phönizische Schiff, das bis heute gefunden wurde. Das mit neun Metern Länge und zwei Metern Breite doch recht klein geratene Transportschiff segelte zwischen Zypern und der türkischen Küste hin und her.

Als es sank, hatte es rund 1,5 Tonnen Kupferbarren an Bord, die mit einer cypro-minoischen Schrift gekennzeichnet waren. Im Jahr 1959 wurde das Wrack in der Nähe des heutigen Ferienparadieses Bodrum in der Türkei gefunden. 13 Jahre später entdeckte man ein noch älteres Schiffswrack bei Uluburun, ebenfalls in der Nähe von Bodrum.

Taucher fanden an Bord des 1400 vor Christus gebauten Schiffs eine aufklappbare Holztafel. Hierbei handelt es sich vielleicht um das älteste Logbuch der Welt. Sowohl das Wrack als auch das hölzerne Logbuch sind heute im Museum der Unterwasserarchäologie in Bodrum ausgestellt.

Mann hält eine Holzplanke in den Händen

Das Holz dient häufig zur Altersbestimmung eines Wracks

Berüchtigte Gewässer

Der Meeresgrund ist nicht gleichmäßig mit Wracks gepflastert. Vielmehr gibt es besonders berüchtigte Gewässer, die vielen Schiffen zum Verhängnis wurden. Zu ihnen gehören die schroffen Felsenkliffs der Scilly Inseln, die über Jahrhunderte bei den Seefahrern berüchtigt waren. Die Inseln liegen knapp 50 Kilometer vor der Südspitze Englands am Eingang des Ärmelkanals.

Aufgrund des Golfstroms herrscht auf den über hundert Inseln, von denen nur fünf bewohnt sind, ein subtropisches Klima. Kapitäne und Besatzungen erkannten die Riffe und Felsen vor allem bei dichtem Nebel und Unwetter oft zu spät.

Der Passagierdampfer "Schiller", der im Jahr 1875 unterging, und die 1907 gesunkene "T.W. Lawson", der einzige je gebaute Sieben-Master, gehören zu den bekanntesten Wracks rund um die Inseln. Außer ihnen kann man rund 2000 weitere Schiffe in der Gegend finden.

Das Karibische Meer zählt ebenfalls zu den berüchtigten Gewässern der Weltmeere. Die Karibik erstreckt sich von den Bahamas im Norden bis Surinam im Süden. Durch den Inselbogen der Antillen wird das Karibische Meer vom Atlantik getrennt.

Es erreicht Tiefen von mehr als 6000 Metern. Tückische Riffs stellen in diesen Gewässern bis heute eine Gefahr für die Schifffahrt dar. Im Laufe der Jahrhunderte kam es auf dem Karibischen Meer immer wieder zu heftigen Seeschlachten, denen auch viele Schiffe zum Opfer fielen. Vor allem im 16. Jahrhundert lauerten in der Karibik Piraten den Handelsflotten auf.

Landkarte der Karibik mit der Insel Kuba

Berüchtigt: Das karibische Meer

Ursachen der Untergänge

Die Fahrt auf hoher See ist bis heute mit Gefahren verbunden. Menschliches Versagen ist häufig der Grund dafür, dass Schiffe untergehen. Wenn dem Kapitän ein Navigationsfehler unterläuft, kann dies für Schiff und Besatzung schwerwiegende Folgen haben. Das Schiff kollidiert möglicherweise mit einem anderen oder es fährt auf verborgene Riffe auf.

Ist ein Schiff zusätzlich schlecht ausgerüstet oder nicht voll funktionstüchtig, steigt das Risiko, dass es zu einem Schiffsunglück kommt. Schlechte Wetterbedingungen wie dichter Nebel, Stürme, Gewitter oder meterhohe Wellen können auch die Ursache für Schiffsunglücke sein.

Doch die unberechenbare Natur auf hoher See forderte bislang weniger Opfer als Seekriege und Piratenüberfälle. Wracks von Handelsflotten und Kriegsschiffen sind daher am häufigsten auf den Meeresböden der Ozeane zu finden.

Schätze unter Wasser

Experten nehmen an, dass rund zehn Prozent der drei Millionen Wracks wertvolle Fracht an Bord hatten: Goldbarren, Silbermünzen, Juwelen, Geld, Porzellan und andere Reichtümer im Wert von geschätzten 30 Milliarden Euro locken deshalb viele Schatzsucher weltweit in die Tiefe.

Die portugiesische "Flor de la Mar" sank im Jahr 1512 in der Straße von Malakka zwischen Indonesien und Malaysia. Der Wert der Diamanten, Rubine, des Massivgoldes und der kleinen mit Edelsteinen besetzten Statuen, die das Schiff transportierte, wird mit einer bis sieben Milliarden Euro beziffert. Gefunden wurde der vermeintlich größte Schatz unter Wasser bisher noch nicht.

Im Jahr 1553 sanken 16 spanische Galeonen bei Padre Island vor der texanischen Küste. Die Schiffe waren mit Gold- und Silberbarren, Edelsteinen und Juwelen beladen. Experten spekulieren, dass sich ihr Wert auf 1,5 Milliarden Euro beläuft.

Der Wert der portugiesischen "La Cinque Chagas", die im Jahr 1594 in der Nähe der Azoren unterging, wird auf immerhin 37 Millionen Euro geschätzt. Die kostbare Fracht: Perlen, Elfenbein, 1000 Tonnen Goldbarren, Porzellan und Diamanten. Kein Wunder, dass weltweit Schatzsucher von den Reichtümern am Meeresgrund profitieren wollen.

Autorin: Franziska Coesfeld

Stand: 26.06.2017, 10:40

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