Die Geschichte der bemannten Raumfahrt

Sputnik 1 im All.

Weltraumforschung

Die Geschichte der bemannten Raumfahrt

Von Robert Manz

Die Geschichte der bemannten Raumfahrt ist untrennbar mit der des Kalten Krieges verbunden. Interkontinentalraketen konnten nicht nur über weite Strecken Atombomben transportieren, sie eigneten sich prinzipiell auch für einen Flug in die Erdumlaufbahn. Für die Supermächte stellte sich damit schnell die Frage: Wer erobert die Vorherrschaft im Weltraum? Zwischen Russen und Amerikanern begann ein gnadenloser Wettlauf, der schließlich den Mensch ins All brachte.

Die Russen machen den ersten Schritt

Als die Sowjetunion 1957 mit einer R-7-Rakete den Satellit Sputnik 1 ins All bringt, ist das für die USA ein Schock. Es geht um die Vorherrschaft im Weltraum, um strategische Planungen im Kalten Krieg, um Prestige und Macht. Die Reaktion der Amerikaner erfolgt prompt.

Sie gründen 1958 die Raumfahrt-Agentur "NASA" und starten das "Mercury-Programm". Beide Supermächte wollen als erste einen Menschen in den Weltraum schicken und ihre technologische Überlegenheit demonstrieren.

Niemand weiß, was auf den Menschen im All zukommt. Auch die Raketen-Technik steckt noch in den Kinderschuhen. Das Risiko für Weltraum-Flüge ist enorm und so ist es zunächst die russische Hündin Laika, die als Versuchsobjekt herhalten muss.

1957 umkreist sie als erstes Lebewesen die Erde, stirbt aber leider aufgrund eines technischen Defektes in Sputnik-2. Die Amerikaner ziehen nach, schicken 1959 mit einer Redstone-Rakete den Rhesus-Affen Sam für elf Minuten ins All. Er hat mehr Glück, kommt bei der Landung nur beinahe ums Leben.

Hündin Laika mit Sauerstoffmaske und Raumanzug.

Das erste Lebewesen im All – Hündin Laika

Der erste Mensch im All

In Folge entwickeln beide Nationen Raumkapseln, aber es sind erneut die Russen, die den ersten Meilenstein in der Geschichte der bemannten Raumfahrt setzen. Am 12. April 1961 startet der Armeeoffizier Juri Gagarin mit der Wostok 1 und schafft die Sensation.

Seine Überlebenschancen werden zwar nur auf 50:50 geschätzt, aber er schafft es. Der Testpilot umrundet in 106 Minuten einmal die Erde und kehrt danach wohlbehalten zur Erde zurück. Wieder ein Schock für die USA. Erneut waren die Russen ihnen um mehr als eine Nasenlänge voraus.

Juri Gagarin im Anzug.

Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltall

Die Amerikaner ziehen nach 

Militär-Testpilot Alan Shepard startet knapp drei Wochen nach Gagarin mit einer Mercury-Redstone-Rakete. Er umkreist jedoch nicht die Erde, sondern fliegt in seiner Raumkapsel "Freedom" "nur"  eine ballistische Flugbahn und erreicht eine Höhe von 187 Kilometern. Der Stachel sitzt tief.

Nur eine Woche danach tritt John F. Kennedy vor den amerikanischen Kongress und verkündet, dass die USA bis zum Ende des Jahrzehnts auf dem Mond landen werden.

Von da an geht es Schlag auf Schlag. Bis 1965 erproben die Amerikaner im Rahmen des "Mercury-Programms", wie man Menschen sicher ins All bringt und wie man Raketen steuert. Die Sowjetunion betreibt zeitgleich das Vostok-Programm mit ähnlichen Zielen und startet bereits 1964 das "Woschod-Programm".

Alan Shepard im Raumanzug.

Erster Amerikaner im All – Alan Shepard

Der Wettlauf verschärft sich

Mit einer weiterentwickelten Woschod-Raumkapsel bringt die Sowjetunion im Oktober 1964 erstmals drei Kosmonauten gleichzeitig ins All. Und bei der Woschod-2-Mission gelingt dem Russen Alexej Leonow sogar der erste Weltraumspaziergang.

Er entgeht dabei nur knapp dem Tod, weil sich sein Raumanzug aufbläht und er nur unter größten Schwierigkeiten den Weg zurück in die Raumkapsel findet. Aber die Amerikaner müssen zuschauen, wie die UdSSR Raumfahrtgeschichte schreibt.

Alexej Leonow im Raumanzug und winkt.

Alexej Leonow (links) gelingt der erste Weltraumspaziergang

Die Amerikaner starten dann 1965 das "Gemini-Programm". Es dient ebenfalls der Vorbereitung für eine Mondlandung. Eine Titan-Rakete bringt jetztdie neuen Gemini-Raumkapseln mit jeweils zwei Astronauten ins All. Im Rahmen des Programms werden die für die Mondlandung notwendigen Techniken entwickelt und erprobt.

Dem Amerikaner Ed White gelingt dabei ebenfalls ein Weltraumspaziergang. Die Crews sammeln Erfahrungen im Umgang mit Computersteuerung und es finden auch erste Aussetz- und Kopplungsmanöver im All statt.

Als 1966 Raketenkonstrukteur Sergei Koroljow stirbt, erleidet das russische Raumfahrtprogramm einen entscheidenden Rückschlag. Der Kopf und Lenker fehlt und die Russen verlieren immer mehr Boden im Wettlauf zum Mond.

Kopplungsversuch zwischen Gemini 6 und 7.

Kopplungsversuch zwischen Gemini 6 und 7

Auf dem Weg zum Mond – das Apollo-Programm

1966 beginnt die NASA das "Apollo-Programm", die letzte Phase auf dem Weg zum Mond. Sie entwickeltdie gewaltige Trägerrakete Saturn V, die genug Schubkraft besitzt, um die ebenfalls neue Drei-Mann-Raumkapsel "Apollo" sowie eine Landefähre in Richtung Mond zu befördern.

Das Tempo des Programms ist enorm hoch. Unter keinen Umständen wollen die Amerikaner sich von den Russen im Wettlauf zum Mond schlagen lassen. Auch nachdem drei Astronauten bei Tests in der Vorbereitung zur Apollo-1-Mission in der Kommandokapsel verbrennen, ist die NASA immer noch bereit, allergrößte Risiken einzugehen, um den engen Zeitplan Kennedys einzuhalten.

Eine Apollo-Raumkapsel wird gebaut.

In einer Apollo-Raumkapsel zum Mond

Die Mondlandung

Nach dem tragischen Unglück folgen neun Apollo-Missionen mit Vorbereitungscharakter. Zunächst werden die Saturn V, die Apollo-Kommandokapsel und die Mondlandefähre erprobt.

Mit Apollo 8 fliegen dann erstmals die Astronauten Bormann, Lovell und Anders zum Mond, umrunden ihn zehn Mal und kehren sicher zur Erde zurück. Den Russen gelingt auf dem Weg zum Mond nur noch wenig.

Sie haben das Rennen zu diesem Zeitpunkt bereits verloren. Nach Apollo 8 folgen noch Tests – und Kopplungsmänover  mit der Mondfähre sowie ein simulierter Landeanflug im Mondorbit.

Fernaufnahme von der Erde.

"Earthrise" – fotografiert von Astronaut William Anders während der Apollo 8- Mission

Und dann ist es so weit: Am 20. Juli 1969 gelingt den Astronauten Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin mit der Apollo 11-Mission die erste Mondlandung.

600 Millionen Menschen auf der Erde sehen zu, wie die beiden Astronauten Armstrong und Aldrin zweieinhalb Stunden auf der Mondoberfläche verbringen und dort 21 Kilogramm Mondgestein sammeln. Nach ihrer Rückkehr auf die Erde müssen die Helden noch 17 Tage in Quarantäne. Die NASA hat Angst vor unbekannten Weltraumorganismen.

Aber danach gibt es in New York eine große Parade, die Helden der Nation werden gebührend gefeiert. Mit Apollo 17 endet das amerikanische Mondprogramm. Die Sowjetunion schafft es nicht, Menschen auf den Mond zu bringen, immerhin gelingt es ihnen aber, 1971 mit Lunochod 1 den ersten ferngesteuerten Rover auf einem fremden Himmelskörper zu landen.

Buzz Aldrin beim Ausstieg aus der Landekapsel.

Buzz Aldrin beim Ausstieg aus der Landekapsel – aufgenommen von Neil Armstrong

Eine neue Ära bricht an – Leben und Forschen im All

Schon Ende der 1960er Jahre beginnt die UdSSR mit einem neuen Programm. Die neue Vision heißt: leben und forschen im All. Das soll im Erdorbit auf einer Raumstation möglich werden.

1971 bringt Sojus-10 die Raumstation Saljut 1 ins All. Bis 1986 sammeln die Russen Erfahrungen mit Saljut-Raumstationen, deren Lebensdauer zeitlich beschränkt ist. Dann beginnt die Ära der Raumstation "MIR", der ersten dauerhaft auf wissenschaftlichen Betrieb ausgerichteten Raumstation im All.


Auch die Amerikaner wollen im All forschen. Sie entwickeln dafür die Spaceshuttles. Kostengünstige, wiederverwendbare Raumfähren, die das Forschungslabor "Spacelab" für einige Tage ins All bringen. An diesem Programm sind erstmals auch die Europäer beteiligt.

Nach der politischen Wende im Osten beteiligt sich die ESA auch am russischen Raumfahrtprogramm. 1995 besucht der deutsche Astronaut Thomas Reiter für ein halbes Jahr die MIR. Mit der Wende eröffnen sich der bemannten Raumfahrt neue Möglichkeiten – erstmals steht einer internationalen Zusammenarbeit der raumfahrenden Nationen nichts mehr im Wege.

 Die Internationale Raumstation "ISS"

Bereits zwei Jahre vor Reiters Aufenthalt werden zwischen Amerikanern und Russen erste Pläne für eine gemeinsame Raumstation geschmiedet. Bis 1998 schließen sich 13 weitere Staaten dem Projekt an: Im November 1998 wird dann das erste Bauteil der ISS ins All gebracht, die Station im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut.

Thomas Reiter verbringt dort 2006 ein weiteres halbes Jahr im All – so lange war außer den Russen noch kein Europäer im All – Rekord! Ein endgültiges Ende der ISS ist noch nicht in Sicht. Die bisherigen Verträge laufen bis ins Jahr 2024, technisch wäre ein Betrieb bis ins Jahr 2028 denkbar.

Die ISS als Außenposten im All.

Unser Außenposten im All – die ISS

Neue Ziele im Visier – Mond und Mars

Die USA haben den Mond wieder als lohnenswertes Ziel ins Auge gefasst. Zukünftig sollen mit dem neuen Raumschiff "Orion" jedes Jahr zwei Missionen zum Mond starten. Insgesamt vier Astronauten sollen dann bis zu einer Woche auf dem Erdtrabanten forschen.

"Orion" hat erste Testflüge bereits erfolgreich bestanden. Was bisher fehlt, ist eine Trägerrakete, die stark genug ist, um die "Orion" bis zum Mond zu schießen. Das neue Trägersystem"Space Launch System" ist bereits in der Entwicklung und soll frühestens Ende 2019 seinen Erstflug absolvieren. In ferner Zukunft könnte der Mond auch als Basisstation für bemannte Marsflüge dienen.

Für einen bemannten Flug zum Mars müssen allerdings noch viele Fragen und Probleme geklärt werden. Wie man zum Beispiel mit der starken Strahlenbelastung während des Fluges umgeht und wie die Versorgung der Astronauten auf dem Mars gestaltet werden kann.

Stand: 27.08.2018, 09:53

Darstellung: