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Gesellschaft der Alten

Deutschland wird alt. Lag vor 150 Jahren die Lebenserwartung eines Menschen noch bei 40 Jahren, werden heute geborene Mädchen durchschnittlich 83, Jungen 78 Jahre alt. Laut Prognosen des Statistischen Bundesamtes werden diese Werte in den kommenden Jahrzehnten noch steigen. Um sich dieser Entwicklung anzupassen, muss sich in der deutschen Gesellschaft einiges ändern. Für viele der "neuen Alten" ist die steigende Lebenserwartung ein Grund zur Freude: Sie werden immer fitter und haben immer später das Gefühl, wirklich alt zu sein.

Einige ältere Männer sitzen auf einer Bank. (Rechte: dpa)

Die Gesellschaft wird älter

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Altes Deutschland - Armes Deutschland?

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Gleichzeitig werden weniger Kinder geboren als früher. Die deutsche Gesellschaft altert. Über die Auswirkungen dieses demografischen Wandels streiten sich die Forscher. Manche blicken skeptisch in die Zukunft: Mehr Alte, so die Befürchtung, heißt weniger Wachstum. Auch für den sozialen Bereich hat die Bevölkerungsentwicklung Folgen: Bislang lebt die große Mehrheit der Menschen bis ins hohe Alter in privaten Haushalten.

Der Kindermangel schwächt jedoch die soziale Funktion der Familie. Der Staat muss seine Infrastruktur an die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft anpassen. Der Bedarf an Heim- und Pflegeplätzen wächst. Der Anteil der Pflegebedürftigen, die in ein Heim müssen wird sich laut einer Studie der Universität Duisburg Essen von 32,8 Prozent im Jahr 2007 auf 37,4 Prozent im Jahr 2020 erhöhen. Demnach wird die Nachfrage nach professionellen Pflegekräften um rund drei Prozent pro Jahr wachsen.

Diagramm, das den Altersaufbau der deutschen Gesellschaft im Jahr 2050 prognostiziert: Die Form des Diagramms ist pilzförmig. Daran wird deutlich: Es werden mehr Menschen über als unter 50 Jahre alt sein. (Rechte: Statistisches Bundesamt)

Bevölkerungsprognose für das Jahr 2050

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"Best Agers" und Kukidents

Je stärker die Altenschar wächst, desto wichtiger wird sie für die Wirtschaft. Laut der "Berliner Altersstudie", einer Untersuchung des Berliner Max-Planck-Instituts, verfügten die über 70-Jährigen bereits Anfang der 1990er Jahre über ein leicht höheres Einkommen als das statistisch ermittelte Durchschnittseinkommen eines Haushalts. Werbeagenturen suchen bereits nach Worten, um die Zielgruppe jenseits der 60 anzusprechen: Ob "Silver" oder "Best Agers", "Whoopies" (Well Off Old People) oder "Kukidents" - so richtig etabliert hat sich noch keiner der Begriffe.

Der Markt aber orientiert sich immer stärker an der wachsenden Käufergruppe. Um altersgerechte Produkte wie ein leicht zu bedienendes Handy oder eine gute Gehhilfe zu entwickeln, ist bereits ein geeignetes Hilfsmittel auf dem Markt: Der Simulations-Overall "Age-Explorer" macht die Beine schwer und trübt den Blick. Er soll den Forschern bei der Entwicklung neuer Produkte helfen.

Das Foto zeigt einen älteren, weißhaarigen Mann an der Seite seiner kleinen Enkeltochter und seiner Frau. (Rechte: dpa)

Viele Rentner kümmern sich gern um ihre Enkel

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Freie Zeit: neue Aufgaben im dritten Lebensabschnitt

Entgegen der allgemeinen Annahme sind die meisten Menschen heutzutage bis zum 75. Lebensjahr im vollen Besitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte. Deshalb entwickelt sich die Zeit zwischen dem 60. und dem 75. Lebensjahr zu einem eigenen Lebensabschnitt, auf den man sich freut und sich vorbereitet. Die "Berliner Altersstudie" räumt mit den negativen Klischees über das Alter auf. So zeigt sie, dass die meisten alten Menschen mit ihrem Leben zufrieden sind. Mehr als zwei Drittel fühlen sich unabhängig und meinen, dass sie ihr Leben selbst bestimmen können.

Rentner engagieren sich in hohem Maß für die Gesellschaft: Sie betreuen ihre Enkel, pflegen Angehörige und betätigen sich als Ehrenämtler. In immer mehr Gemeinden organisieren Senioren wohltätige Projekte. Auch das Familienministerium hat diesen Trend erkannt und versucht ihn zu unterstützen. Der fünfte Altenbericht, der 2005 erschienen ist, steht unter dem Thema "Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen". Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, "dass die Lebensphase Alter nicht mit Krankheit und Unproduktivität gleichgesetzt werden kann, sondern Ältere bereits heute einen großen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlstand erbringen". Er macht zudem deutlich, dass gerade in einer immer älter werdenden Gesellschaft die Fähigkeiten der betagten Gesellschaftsmitglieder an Bedeutung zunehmen und genutzt werden müssen.

Das Bild zeigt eine Gruppe älterer Wanderer. (Rechte: dpa)

Das Wandern ist der Alten Lust

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Gesund und fit im "dritten Lebensabschnitt"

Ob in Zukunft das maximale Lebensalter weiter ansteigt und in Deutschland Ende 21. Jahrhunderts die größte Bevölkerungsgruppe um die 90 Jahre alt sein wird, ist unter Wissenschaftlern noch nicht geklärt. Sicher ist, dass die heutigen Senioren im Durchschnitt deutlich gesünder und aktiver leben als frühere Generationen. Immer mehr nutzen Weiterbildungsangebote und Sportvereine.

Laut dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) waren 2003 bereits gut zwei Millionen über 60-Jährige Mitglieder in Sportvereinen - Tendenz steigend. Dennoch stellte der DOSB fest, dass "noch zu wenig ältere Menschen einer ausreichenden und regelmäßigen Aktivität nachgehen." Vor allem Krankheiten und das geringe Angebot geeigneter Sportmöglichkeiten seien für viele Ältere Barrieren, sich sportlich zu betätigen. Darum sei es eine der Schwerpunktaufgaben des DOSB, "bundesweit ein qualitatives Sportangebot für ältere Mitbürger zu sichern und auszubauen."

Das Bild zeigt eine ältere Dame bei der Gymnastik. (Rechte: dpa)

Regelmäßige Gymnastik stärkt Herz und Kreislauf

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Bewegung ist wichtig - gerade für Ältere: Bewegung hat sich bislang in der Wissenschaft als einzig sichere Möglichkeit erwiesen, die Alterungsprozesse wirkungsvoll zu verlangsamen. Wer im Alter mit einem regelmäßigen Ausdauertraining beginnt, verbessert sein Herz-Kreislauf-System innerhalb kurzer Zeit. Die Reaktion und das Kurzzeitgedächtnis verbessern sich, die Koordinationsfähigkeit steigt, Unfall- und Verletzungsgefahr sinken. Eine Studie der Universität Ulm hat bewiesen, dass Krafttraining eine sehr wirksame Hilfe gegen Stürze ist. Die Kraftzunahme durch ein spezielles Training ist bei älteren Menschen enorm.

Mit einem maßvollen Fitness-Training kann man in jedem Alter beginnen. Auf jeden Fall sollte man vor dem Beginn des Sportprogramms einen Arzt befragen und eventuell ein Belastungs-EKG durchführen lassen. Gut für Herz und Kreislauf sind zum Beispiel Wandern, Dauerlauf, Radfahren oder Schwimmen. Daneben eröffnet der Sport Möglichkeiten zu sozialen Kontakten. Am besten informiert man sich bei seiner Gemeinde nach geeigneten Sportangeboten für Senioren. In einigen Städten bieten auch die Universitäten oder spezialisierte Fitnesscenter Seniorenkurse an.

Im Vordergrund stehen vier ältere Damen an einer Buffetschlange. Auf dem Tisch erkennt man einen Brotkorb und Salatschalen. (Rechte: dpa)

Auf die richtige Ernährung kommt es an

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Ernährung im Alter

Energiebedarf und Appetit des Menschen nehmen mit zunehmendem Alter ab. Dadurch kann es zu einer Unterversorgung des Körpers kommen. Fehlernährung ist eine häufige Diagnose bei älteren Menschen. Eine große Gefahr ist Flüssigkeitsmangel und ein Mangel an wichtigen Nährstoffen, da der Körper Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe nicht mehr so gut verwertet. Ältere Menschen benötigen deshalb täglich besonders hochwertiges Eiweiß. In ausreichender Menge liefern dies vor allem mageres Fleisch oder Fisch, Milchprodukte und Eier. Da Fleisch und Wurst nicht täglich auf den Tisch kommen sollten, empfehlen Ernährungsexperten zudem Sojaprodukte oder Hülsenfrüchte.

Beim Umgang mit Fetten empfiehlt sich die Wahl kaltgepresster Pflanzenöle, wie Oliven- oder Sonnenblumenöl. Reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen sind Vollkornprodukte. Es gibt viele gut bekömmliche Brotsorten wie Grahambrot, das sogar von empfindlichen Menschen gut vertragen wird. Zucker sowie zuckerhaltige Nahrungsmittel und Getränke sollten möglichst oft durch Früchte oder nur sparsam gesüßtes Gebäck wie Hefekuchen ersetzt werden.

Annette Holtmeyer, Britta Schwanenberg, Stand vom 20.03.2013
Sendung: Elternpflege - Wenn Mutter nicht mehr kann, 20.03.2013

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