Die Kehrseite des Konsums

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Konsum

Die Kehrseite des Konsums

Eine neue Jacke, ein neues Smartphone, ein neues Auto – keine Frage: etwas zu kaufen, macht Spaß und kurbelt die Wirtschaft an. Doch unser Konsum hat auch Schattenseiten: Überlebenswichtige Rohstoffe werden knapp, die Müllberge wachsen uns über den Kopf und der Ausstoß von Treibhausgasen schädigt die Ozonschicht.

Darum geht's:

  • Deutsche Haushalte sind in der Regel sehr gut ausgestattet.
  • Der Konsum hat seinen Preis: Wichtige Rohstoffe werden knapp.
  • Die Ökobilanz vieler Gebrauchsgüter ist verheerend.
  • Der Verbraucher kann dieser Entwicklung entgegensteuern.

In deutschen Haushalten herrscht kein Mangel

Ein Blick in die Tabellen des Statistischen Bundesamts zeigt: An Konsumgütern herrscht in deutschen Haushalten kein Mangel. Drei Telefone, zwei Musikanlagen und etwas mehr als ein Auto haben die Statistiker für 2013 pro Haushalt ermittelt.

Dazu kommen je anderthalb Fernseher, Fotoapparate und Computer. Jeder zweite Haushalt besitzt zudem eine Spielkonsole und ein Navigationsgerät, jeder dritte einen Heimtrainer.

Für die meisten Menschen bedeutet zunehmender Besitz, zunehmenden Wohlstand. Tatsächlich machen viele Konsumgüter das Leben kurzfristig leichter. Familien müssen sich nicht über das Fernsehprogramm einigen, wenn mehrere Geräte vorhanden sind. Jeder kann jederzeit mit jedem telefonieren und wer einen Heimtrainer hat, kann auch dann joggen oder Rad fahren, wenn es draußen regnet oder dunkel ist.

Schaufensterpuppen mit Hemden und Hosen.

Da sitzt das Geld locker

Der Preis des schönen Lebens

Langfristig zahlen wir für unseren Konsum allerdings einen hohen Preis. Je mehr wir verbrauchen, umso stärker schädigen wir unsere Lebensgrundlagen.

Wichtige Rohstoffe wie Erdöl und Phosphor werden knapp, die Böden laugen aus, der Grundwasserspiegel sinkt, Giftstoffe aus dem Müll belasten die Umwelt, Wälder werden abgeholzt und entfallen als CO2-Speicher. Manche Wissenschaftler warnen bereits vor Verteilungskriegen um die knapper werdenden Ressourcen, ganz besonders von Ackerflächen und Süßwasser.

Diese Sorge ist nicht unberechtigt. Ändern wir unser Konsumverhalten nicht, werden die natürlichen Ressourcen der Erde nicht mehr lange für alle Menschen reichen. Die Bürger der westlichen Industriestaaten leben seit Jahrzehnten weit über ihre Verhältnisse. Stehen rein rechnerisch jedem Menschen auf der Erde 1,7 Hektar zu, um den Verbrauch zu decken, benötigen sie meist mehr als das Doppelte.

Negative Spitzenreiter sind die Menschen in den USA, die acht Hektar zur Deckung ihres Lebensstils brauchen. Aber auch in Deutschland liegen die Menschen mit 5,1 Hektar weit über dem Anteil, der ihnen zusteht. Allein unser täglicher Rohstoffverbrauch liegt pro Kopf bei 200 Kilogramm. Ende der 1970er Jahre war es noch die Hälfte.

Verdeckter Verbrauch

Dabei wirken sich manche Lebens- und Konsumgewohnheiten negativer aus, als es auf den ersten Blick scheint. Ein Beispiel ist der Verzehr von Fleisch, insbesondere von Rind aus Massentierhaltungen.

Der World Wide Fund for Nature WWF hat errechnet, dass für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch 6,5 Kilogramm Getreide, 36 Kilogramm Raufutter und 15.500 Liter Wasser eingesetzt werden müssen. Gleichzeitig werden jedes Jahr rund 310.000 Hektar Regenwald gerodet, um unter anderem Viehfutter anzubauen, was der Fläche von England entspricht.

In Smartphones wiederum sind bis zu 30 Metalle verbaut, die mit hochgiftigen Chemikalien aus dem Gestein gewaschen werden. Allein, um ein Gramm Gold zu gewinnen, mit dem man etwa 50 Smartphones bestücken kann, muss eine Tonne Erz abgesprengt und zermahlen werden.

Auch die Ökobilanz von Mineralwasser ist verheerend. Im Vergleich zu Leitungswasser benötigt seine Herstellung eine tausend mal höhere Energiemenge, weil die Flaschen produziert, etikettiert und mit dem Mineralwasser befüllt werden müssen, das oft aus anderen Regionen in Lastwagen herbei gefahren wird.

Auch wer für seine Familie ein Haus baut, vergrößert seinen ökologischen Fußabdruck gewaltig: Ein Neubau verschlingt zwei Mal mehr Rohstoffe als die Sanierung eines bereits bestehenden Gebäudes, und bevor die Steine, die Erde und das Holz verbaut werden können, müssen sie gefördert, bearbeitet, gelagert und transportiert werden.

Und eine Jeans hat 12.000 Liter Wasser verbraucht und rund 50.000 Kilometer zurückgelegt, bevor sie das Geschäft erreicht.

Rinder auf der Weide

Ganz oben auf dem Speiseplan – Rindfleisch

Die Ex-und-hopp-Mentalität

Zudem macht die immer kürzere Gebrauchsdauer von Produkten den Rohstoffreserven zu schaffen. Benutzten die Menschen die Geräte früher so lange, wie sie hielten, sortieren sie heute viele Geräte deutlich früher aus und mindern so die Rohstoff-Effizienz.

So werden die Metalle im Handy für gerade mal zwei Jahre aus dem Gestein geholt, bevor sie in einer Schublade landen, und auch Laptops werden häufig vor ihrem wahren Ende durch ein neues Gerät ersetzt.

Auch viele Röhrenfernseher funktionieren noch, wenn sie durch Flachbildfernseher ersetzt werden, genauso wie viele Elektroherde und Töpfe noch intakt sind, wenn sie durch einen Induktionsherd und das dazugehörige Kochgeschirr ausgetauscht werden.

Unvergessen ist auch die Abwrackprämie, die dazu führte, dass in Deutschland tausende funktionierender Autos in der Schrottpresse landeten.

Oft führen auch die Hersteller die kürzere Nutzungsdauer absichtlich herbei. Ob sie dazu Schwachstellen in die Geräte einbauen, ist umstritten, sicher ist, dass es meist nach relativ kurzer Zeit keine Ersatzteile mehr gibt.

Auch das Einführen neuer Software oder neuer Apps, die nur auf der neuesten Geräte-Generation laufen, ist ein probates Mittel, mit denen Verbraucher zum Kauf eines neuen Laptops, Smartphone oder Tablets gebracht werden.

Oft kostet ein Neugerät auch weniger als eine Reparatur, mit der Folge, dass Rohstoffe unnötig verschlissen werden und Umweltschäden rapide zunehmen.

Goldschürfen im Fluss, zwei Hände halten einen Waschteller mit Gestein

Goldsuche für Handys, mühevolle Handarbeit

Die Verantwortung der Verbraucher

Manchmal werden Unternehmen aber auch zur Überproduktion und zum Wegwerfen gezwungen. So erwarten viele Verbraucher, dass sie bis zum Abend alle Brotsorten bekommen und das Brot täglich frisch ist. 80.000 Tonnen Brot landen deshalb jedes Jahr in Deutschland auf den Müll.

Auch krumm gewachsenes Gemüse, Obst mit kleinen Druckstellen und Waren mit verdrückten oder eingerissenen Packungen verschmähen die meisten Verbraucher. Insgesamt wird die Hälfte aller Lebensmittel von Verbrauchern, Märkten und Produzenten weggeschmissen.

Auf diese Weise entsteht ein besonders bedenklicher Kreislauf. Auf der einen Seite werden kostbare Ressourcen wie fruchtbare Böden und Wasser beansprucht, um Getreide, Obst und Gemüse anzubauen, das niemand isst, gleichzeitig müssen wir eine Menge Energie aufwenden, um die Überproduktion zu vernichten.

viele Brotsorten in der Warenauslage einer Bäckerei

Brot zu jeder Tageszeit?

Autorin: Beate Krol

Stand: 24.07.2017, 09:48

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