Kaufsucht

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Konsum

Kaufsucht

  • Mehrere hunderttausend Menschen sind in Deutschland krankhaft kaufsüchtig
  • Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen
  • Kaufsucht kann zum finanziellen Ruin führen und existenzbedrohend sein
  • In einer Verhaltenstherapie lässt sich Kaufsucht gut behandeln

Wie so viele Suchtkrankheiten beginnt auch die Kaufsucht schleichend. Erst sind es Frustkäufe, die kurzfristig helfen, die Probleme des Alltags zu verdrängen. Zum Problem wird das Kaufen, wenn es zur Gewohnheit wird.

Konsum fördert Kaufsucht

Einer Studie der Universität Stuttgart-Hohenheim, die Anfang der 1990er Jahre veröffentlicht wurde, haben die Verlockungen des Konsums etwa eine halbe Millionen Deutsche krankhaft kaufsüchtig gemacht.

Jüngere Schätzungen gehen von 600.000 bis 800.000 Kaufsüchtigen aus. Etwa die gleiche Zahl der Erwachsenen in Deutschland ist von der Kaufsucht stark gefährdet.

Die stark Betroffenen denken ständig nur ans Einkaufen. Während ihres Kaufrausches fühlen sie sich anerkannt. Was für den nicht-kaufsüchtigen Kunden ein normales Beratungs- und Verkaufsgespräch mit der Schuhverkäuferin ist, vermittelt dem Kaufsüchtigen: "Ich bin wichtig, ich werde anerkannt, mein Leben hat einen Sinn".

Jedes Mal klingelt danach die Kasse des Händlers und das Konto des Betroffenen ist im schlimmsten Fall um ein paar tausend Euro leerer.

Frau trägt mehrere Einkaufstüten

Betroffene denken nur ans Einkaufen

Nur ein kurzer Rausch

Von der Kaufsucht sind alle Altersgruppen und alle Einkommens- und Bildungsschichten gleichermaßen betroffen. Laut Untersuchungen der Universität Stuttgart-Hohenheim sind fünf Prozent aller Erwachsenen stark und 20 Prozent deutlich gefährdet.

Doch nicht jeder, der gefährdet ist, gilt gleichzeitig als kaufsüchtig. Von krankhafter Kaufsucht spricht man erst, wenn der Betroffene selbst oder sein privates Umfeld darunter leidet.

Wie bei anderen Suchtarten auch, haben fast alle Kaufsüchtigen ihre Vorlieben für bestimmte Produkte und Kaufumgebungen. Die einen horten Lebensmittel-Schnäppchen vom Discounter, die anderen decken sich mit teurer Kleidung in Nobel-Boutiquen ein, wieder andere bestellen den fünften Mixer aus dem Katalog.

Frauen und Männer kaufen dabei unterschiedlich ein. Frauen leben ihren Kaufrausch beim Erwerb von Kleidung, Schuhen, Schmuck, Kosmetika, Lebensmitteln und Büchern aus.

Männer kaufen eher technische und modische Accessoires sowie Elektro- und Sportgeräte. Ist die Trophäe bezahlt, ist der Rausch auch schon vorbei. Zu Hause kommt sie, meist unausgepackt, in den bereits mit anderen Trophäen vollgestopften Schrank.

Geldbörse mit Loch

Eine Sucht, die schnell sehr teuer werden kann

Schwierige und späte Erkennung

Der Kaufrausch bringt dem Süchtigen Befriedigung. Er wirkt wie ein Beruhigungsmittel bei Ängsten und Depressionen oder wie ein Glückshormon, wenn die Alltagsprobleme zu sehr drücken. Wie bei anderen Suchtformen kann dies zur Steigerung der Dosis führen, so dass immer mehr und teurere Dinge angeschafft werden.

Die Folge ist eine immer höhere Verschuldung, die in den finanziellen Ruin führen und existenzbedrohend sein kann. Teilweise werden dadurch das Privat- sowie das Berufsleben zerstört.

Das Problem bei der Kaufsucht ist, dass sie nicht früh genug erkannt wird, da sie größtenteils unauffällig ist. Kaufen muss schließlich jeder und ist auch gesellschaftlich akzeptiert. Kaufsucht gehört zu den nichtstoffgebundenen Süchten und kann daher nicht mit anderen Suchtformen wie Alkohol- oder Esssucht verglichen werden.

Es kann entweder eine Impulskontrollstörung, eine affektive Störung, wie beispielsweise eine Depression, oder eine Suchterkrankung zugrunde liegen. Kaufsucht kann erfolgreich behandelt werden, wenn sich die Betroffenen in eine Verhaltenstherapie begeben. In weniger schwierigen Fällen kann auch der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe zum Erfolg führen.

Autorin: Inés Carrasco

Stand: 03.05.2017, 14:06

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