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Fußball in Buenos Aires

Fußball ist in Argentinien Leidenschaft. Viele kicken selbst oder bejubeln ihren Lieblingsverein im Stadion. Und in Buenos Aires ist die Begeisterung besonders emotional. Mitte des 19. Jahrhunderts kam hier mit den Engländern der Fußball ins Land. Und die bis heute größten und wichtigsten Vereine des Landes stammen aus Buenos Aires: die Boca Juniors und River Plate. Die beiden verbindet eine Rivalität, die bisweilen gewalttätige Formen annimmt.

Ein Spieler von den Boca Juniors und einer von River Plate kämpfen auf dem Spielfeld um den Fußball. (Rechte: dpa)

Der Superclásico: River Plate (rot-weiß) gegen Boca Juniors

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Der Sport aus England

Mit den Engländern kam der Sport in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Buenos Aires und damit nach Argentinien. Viele Engländer zogen damals nach Buenos Aires, als die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern immer stärker wurden. 1886 gründete der Schotte Watson Hutton den "Buenos Aires Football Club". Ein Fußballverband wurde ins Leben gerufen. Doch noch wurde der argentinische Fußball von den rund 50.000 Briten in Buenos Aires dominiert. Zwischen 1900 und 1911 hatten sie bei der argentinischen Meisterschaft die Nase meistens vorn.

In den 1920er Jahren hatte der Fußball dann auch die Porteños, so heißen die Einwohner von Buenos Aires, gepackt. In fast jedem Stadtteil spielten eigene Amateur-Fußballclubs wie zum Beispiel San Telmo, Barracas de Central oder Defensores de Belgrano. Fußball war zum Massenvergnügen geworden. 1931 ist das Gründungsjahr des Profifußballs. Und in der Folgezeit machten Vereine wie River Plate oder Boca Juniors aus Buenos Aires das Rennen. Aber nicht nur im Stadion lieben die Porteños den Fußball. Sie spielen auch selbst: in Fußballschulen, den Stadtteilclubs, auf den Fußballfeldern der Schulen oder einfach auf der Wiese.

Ein jubelnder Fan des Vereins River Plate im Stadion. (Rechte: Mauritius)

In Rot-Weiß jubeln die Fans von River Plate

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Die Rivalen Boca Juniors und River Plate

Die Rivalität zwischen dem FC Schalke und Borussia Dortmund in der deutschen Fußball-Bundesliga wirkt dagegen wie Kindertheater: Wenn die Vereine River Plate und Boca Juniors im sogenannten Superclásico gegeneinander antreten, ist in Buenos Aires Ausnahmezustand angesagt. Beide Vereine stammen aus Buenos Aires. Beide sind um die 100 Jahre alt und stammen aus dem Hafenviertel La Boca in Buenos Aires. 1908 spielten die beiden zum ersten Mal gegeneinander. Das Freundschaftsspiel um die Vormachtstellung in La Boca endete am 2. August 1908 mit 2:1 für Boca. Das erste offizielle Spiel 1913 entschied dann River mit 2:1 für sich.

River Plate zog vom armen Hafenviertel im Süden in den schicken Norden der Stadt. Bei Boca spielten zu jener Zeit viele Arbeiter, während bei River Plate viele Akademiker zusammenkamen. Und auch das Geld saß offenbar eher bei River. Nachdem 1931 der Profifußball eingeführt worden war, kaufte der Verein fleißig bei den anderen Clubs ein. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung für River Plate "Millionarios". Aber auch bei Boca fließen mittlerweile die Gelder. Beide Mannschaften sind im ganzen Land die größten und wichtigsten mit den meisten Fans. Und auch in Südamerika stehen die beiden Mannschaften ganz weit vorne. Die Spieler der beiden Vereine sind international heiß begehrt und werden hoch bezahlt.

Fans schlagen sich auf den Rängen. (Rechte: dpa)

Gewalt kommt bei Spielen immer wieder vor

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Fanausschreitungen mit roher Gewalt

Ein Fan wechselt niemals den Verein, so heißt es in Argentinien. Allerdings kommt es statt Jubel und Begeisterung für die bevorzugte Mannschaft immer wieder zu Gewaltausbrüchen. Brutale Fanausschreitungen sind bei den Spielen nichts Außergewöhnliches. Ligaunterbrechung, Spielabbrüche und streikende Spieler wegen der Gewalt in den Stadien, die sich auch gegen die Spieler richtet - all das ist schon vorgekommen. Bezeichnend für die Zustände: die Rivalität zwischen den Fangruppen der beiden Vereine Boca Juniors und River Plate in Buenos Aires. Kampflieder und Randale im Stadion gehören offenbar dazu. Mehr als 100 Menschen sollen seit den ersten Ausschreitungen vor rund 100 Jahren ihr Leben verloren haben. Auf der Internetseite des deutschen Auswärtigen Amtes gibt es sogar einen extra Sicherheitshinweis für den Besuch von Fußballspielen. Am besten solle man in Begleitung ortskundiger und einheimischer Fußballfreunde gehen. Und man solle sich erkundigen, welche Plätze sicher seien und wie man das Stadion nach Spielende schnell und sicher verlassen könne.

Diego Maradona im kurzärmeligen T-Shirt und mit Zigarre. (Rechte: dpa/EFE)

Gefeierter Fußballheld: Diego Maradona

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Volksheld mit Abstürzen: Maradona

Diego Armando Maradona gilt in Argentinien als Nationalheld. Der Fußballer mit der Trikotnummer 10 wurde am 30. Oktober 1960 am südlichen Stadtrand von Buenos Aires als fünftes von acht Kindern geboren. Er arbeitete sich aus armen Verhältnissen nach oben. 1977 spielte er bereits zum ersten Mal in der A-Nationalmannschaft Argentiniens. Von 1981 bis 1982 trug Maradona das gelbblaue Trikot der Boca Juniors. 40 Tore in 28 Spielen waren damals seine Bilanz. Mit 22 Jahren ging der Porteño nach Europa - zum FC Barcelona, dann zum SSC Neapel. Dort avancierte er zum Helden. Zwei Meistertitel und ein Sieg im italienischen Pokal sowie im Supercup, das waren dort seine Erfolge.

1986 wurde Diego Maradona mit Argentinien Weltmeister. Sein zweites Tor im Viertelfinale gegen England wurde vom Weltfußballverband Fifa zum Tor des Jahrhunderts gekürt. Doch durch Streit mit seinem Club, Steuerschulden, Drogenprobleme und Entziehungskuren geriet der Ausnahmefußballer später zunehmend auf die schiefe Bahn. 1997, Maradona spielte wieder bei seinem Lieblingsverein, den Boca Juniors - beendete er nach seinem Einsatz im Superclásico gegen den Rivalen River Plate seine Spieler-Laufbahn. Der Drogenmissbrauch ging weiter. Anfang 2000 starb Maradona fast an einer Herzrhythmusstörung. Auf Kuba ließ er sich therapieren. Und er kam wieder zurück, moderierte sogar eine eigene Fernsehshow. Trotz seiner Eskapaden und Exzesse, die Argentinier halten Maradona die Treue. Und im November 2008 trat ihr Volksheld in Buenos Aires sogar einen neuen Job an: Er wurde Nationaltrainer der argentinischen Nationalmannschaft, wurde aber nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM 2010 entlassen.

Martina Schuch, Stand vom 28.07.2010

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