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Andalusien und die Mauren

Kelten, Iberer und Phönizier, Griechen, Karthager, Römer und Westgoten – sie alle haben Spuren im heutigen Andalusien hinterlassen. Doch seine goldene Zeit erlebte das Land im Mittelalter mit der Herrschaft der Araber. Sie kamen im 8. Jahrhundert aus Nordafrika und eroberten fast die gesamte Iberische Halbinsel. Knapp 800 Jahre lang, bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, konnten sie sich behaupten. Vor allem im heutigen Andalusien trifft man immer wieder auf Hinterlassenschaften der maurischen Kultur, zum Beispiel die Alhambra in Granada oder die Mezquita in Cordoba.

Blick auf die Mezquita in Cordoba. (Rechte: AKG)

Die Mezquita in Cordoba

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Die maurische Invasion

Die spanischen Muslime werden im allgemeinen Sprachgebrauch als Mauren bezeichnet (abgeleitet von der römischen Provinz Mauretanien beziehungsweise dem Königreich Mauretanien). Doch damit ist keine homogene Volksgruppe gemeint. Die Truppen, die als erste auf das europäische Festland vordrangen, bestanden nur zur Minderheit aus arabischen Muslimen. Der größte Teil der Truppen bestand aus Berbern, die aus dem Atlas-Gebirge im heutigen Marokko kamen. 711 schließlich drangen die Mauren unter ihrem Anführer Tariq ibn-Ziyad über Gibraltar in das christliche Spanien ein. Die dort herrschenden Westgoten waren durch innere Konflikte stark geschwächt und hatten dem Ansturm der Mauren nicht viel entgegenzusetzen. Auch der unter den Westgoten teilweise unterdrückte jüdische Bevölkerungsanteil bot den einrückenden Mauren Unterstützung.

Außenfassade der Mezquita in Cordoba mit vielen Ornamenten und Verzierungen. (Rechte: Mauritius)

Maurische Ornamente prägen viele Bauwerke

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Ein goldenes Zeitalter

Als die Mauren nach Andalusien kamen, fanden sie das, wovon sie in der nordafrikanischen Wüste immer geträumt hatten: ausreichend Wasser. Die Zeit unter maurischer Herrschaft war geprägt von einer großen Toleranz gegenüber der christlichen und jüdischen Bevölkerung. Für die damalige Zeit entstand eine nahezu pluralistische Gesellschaft, denn die Kalifen sahen sich als Herrscher dreier Religionen. Von Juden oder Christen erwartete der Koran keine Bekehrung, allerdings Unterwerfung – ein Modell, das im heutigen Sinne sicherlich nicht als Rechtsstaat zu bezeichnen ist, für die damalige Zeit aber recht gut funktionierte, denn auch die Muslime zeigten sich kompromissbereit: So wurde zum Beispiel das muslimische Alkoholverbot recht großzügig ausgelegt und der Weinbau konnte weiter betrieben werden. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs die Zahl der auf der Iberischen Halbinsel geborenen Muslime.

Unter der Herrschaft der Mauren erlebte Andalusien ein goldenes Zeitalter. Zunächst war es Cordoba, das zur Hauptstadt der Mauren aufstieg. Die Kalifen Andalusiens konkurrierten mit Bagdad und Damaskus um Reichtum und Fortschritt. Durch den Handel mit Gold, Silber, Leder, Seide, Parfüm und Gewürzen erlangte die Stadt ihren Reichtum und avancierte zum Zentrum von Kunst und Wissenschaft. Bewässerungssysteme ermöglichten einen Zuwachs an landwirtschaftlich genutzter Fläche und unzählige Gartenanlagen entstanden. 756 begann man mit dem Bau der Mezquita, der Großen Moschee.

Das Gemälde zeigt eine Schlacht zwischen Rittern und maurischen Kriegern. (Rechte: AKG)

Johann II. von Kastilien kämpft gegen die Mauren

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Reconquista - die Christen schlagen zurück

Die christliche Wiedereroberung (reconquista) des spanischen Nordens begann schon im 8. Jahrhundert. Stück für Stück drängten die spanischen Christen - denen sich auch französische Christen, verschiedene Ritterorden und später sogar der Papst anschlossen - die Muslime im Zuge der Reconquista wieder zurück. Voraussetzung hierfür war, dass sich zunächst die christlichen Reiche des spanischen Nordens, also Asturien, Kastilien und Leon, zusammenschlossen. Erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts allerdings bekamen die Beziehungen zwischen Christen und Mauren die Unerbittlichkeit eines "Heiligen Krieges". Die christliche Kirche wurde stärker und kämpfte gegen Andersgläubige, auch gegen die in Andalusien lebende Minderheit der Juden. Ausgrenzung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung besiegelte nicht selten das Schicksal der Andersgläubigen.

Das Jahr 1212 war ein entscheidender Wendepunkt in der europäischen Geschichte: In der Schlacht von Las Navas de Tolosa schlugen die christlichen Truppen von Kastilien und Aragon die Almohaden, die damaligen maurischen Herrscher. Der christliche König Ferdinand III. nahm 1236 den Mauren Cordoba ab, 1248 eroberte er mit seinen Truppen auch Sevilla. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts bildete Granada mit der Alhambra die letzte Bastion der Mauren auf dem spanischen Festland. Schließlich übergab König Boabdil 1492 die Schlüssel der Alhambra an das katholische Königspaar Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon. Mehr als 700 Jahre maurischer Herrschaft fanden ihr Ende.

Maurischer Innenhof in Sevilla: drei kleine Wasserbecken werden von prächtige verzierten Rundbögen umschlossen. (Rechte: dpa)

Die Baukunst der Mauren ist beeindruckend

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Das maurische Erbe

Als Mitteleuropa ein noch wenig zivilisiertes Gebiet war, bescherte das maurische Spanien dem Abendland die Schriften arabischer Gelehrter und antiker griechischer Philosophen. Aristoteles beispielsweise wurde zunächst ins Arabische und dann ins Lateinische übersetzt. Mathematik, Geographie, Medizin, Astronomie und Poesie – das Arabische war die Sprache der Wissenschaften. Es entstanden viele Schulen und Bibliotheken. Aber auch die sinnlichen Genüsse spielten eine große Rolle: Unzählige Badeanstalten entstanden, Gärten mit Springbrunnen und blumengeschmückte patios (Innenhöfe) wurden angelegt. Und auch die Kochkunst wurde verfeinert.

Das Erbe der Mauren wurde in die christliche Kultur Spaniens integriert. Berühmte Bauwerke geben noch heute Zeugnis dieser einmaligen Kultur. Auch etwa 20 Prozent des spanischen Wortschatzes gehen auf das Arabische zurück. Die ausgefeilten Bewässerungssysteme der Mauren finden bis heute Anwendung. Auf den bewässerten Terrassen wuchsen Mandeln und Granatäpfel, Obst und Zitrusfrüchte oder Maulbeerbäume für die Produktion von Seidenraupen. Heute noch werden Wein, Oliven, Weizen und Baumwolle auf Parzellen angelegt, die schon von den Mauren kultiviert wurden. Von der arabischen Küche blieben Süßspeisen, Konfekt und Gebäck (meist auf Mandelbasis) erhalten. Besonders beliebt ist zum Beispiel der Karamellpudding (flan), der auch in ganz Nordafrika verbreitet ist. Auch die berühmten arabischen Hengste wurden von den Arabern auf die Iberische Halbinsel exportiert. Am augenfälligsten ist jedoch die erhalten gebliebene lebendige Architektur. Wer heute mit offenen Augen durch Andalusien reist, spürt ihn noch immer, den Zauber der maurischen Kultur.

Kerstin Eva Dreher, Stand vom 27.01.2010
Sendung: Andalusien - Land des Lichts und Schattens, 27.01.2010

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Bildcollage zum Thema Spanien. (Rechte: WDR)

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