Grüne Fassaden
Im Sommer kühl, im Winter warm
Pflanzen reinigen die Luft von Schadstoffen und reichern sie mit frischem Sauerstoff an. Darüber hinaus bieten grüne Hauswände den Bewohnern der dazugehörenden Gebäude noch weitere Vorteile. Zwischen Blattwerk und Wand besteht ein Luftpolster. Dieses Luftpolster wirkt wie eine zusätzliche Wärmedämmschicht, da weniger Wärme von der Wand zur Außenluft transportiert wird. Dadurch, dass die Fassade vor Regen geschützt wird, entsteht zudem weniger Verdunstungskälte. All das spart Heizkosten. Die grüne Fassade ist aber nicht nur für die kalte Jahreszeit nützlich. Im Sommer lädt sich die Hauswand durch die schützenden Blätter viel weniger mit Hitze auf. Das bedeutet eine angenehme Schlaftemperatur für die Hausbewohner.
Lebensraum für Tiere
Als "senkrechtes Biotop" bieten Kletterpflanzen einen Lebensraum für Vögel und Insekten. Zwischen ihren Blättern finden Kohlmeisen und Amseln Nistplätze und Nahrung. Schmetterlinge legen ihre Eier auf den Pflanzen ab. Raupen leben von den saftigen Blättern und können sich in Ruhe verpuppen. Dabei sorgen Vögel und Marienkäfer dafür, dass Blattläuse und andere Insekten nicht zu zahlreich werden. Mit der Zeit entsteht ein natürliches biologisches Gleichgewicht.
Hegen und Pflegen
Bei all diesen Vorteilen stellt sich die Frage, warum nicht viel mehr grüne Hauswände unsere Städte verschönern. Immerhin beteiligen sich viele Kommunen finanziell an der privaten Begrünung. Ein möglicher Grund könnte die zusätzliche Arbeit sein, die eine bewachsene Fassade mit sich bringt. Denn wer sein Haus nicht völlig überwuchern lassen möchte, muss die Ranken zurückschneiden. Die Bewohner müssen ihre Fenster immer wieder frei schneiden, wenn sie Licht im Raum haben möchten. Bis zum zweiten Stock kann der Hausbesitzer die Pflanzen noch selbst in ihrem Wuchs einschränken. Für höhere Stockwerke ist eine Arbeitsbühne für den Rückschnitt nötig. Das ist nicht billig und wohl einer der Hauptgründe dafür, dass Privatleute vor dem Aufwand der Fassadenbegrünung zurückschrecken. Dafür sieht man jetzt öfter grüne Bürogebäude. Bauherren erfüllen so die Auflage der Kommunen, bei Neubauten für Ausgleichspflanzungen zu sorgen.
Pflanzen und Kletterhilfen
Die Pflanzenarten für den "Vertikalgarten" sollten sorgfältig ausgewählt werden. Entscheidend sind Standort, Sonneneinstrahlung, gewünschte Höhe und persönlicher Geschmack. Von immergrünen Pflanzen wie zum Beispiel Efeu hat man das ganze Jahr etwas. Nur sie speichern die Wärme im Winter. Ein Beispiel für einen immergrünen Kletterer ist das rotblühende Geißblatt. Immergrüne Kletterpflanzen sind besonders für Nord- und Westwände geeignet. Für sonnige Süd- und Ostwände empfehlen die Fachleute sommergrüne Pflanzen wie Wein oder die wunderschön violett blühenden Glyzinien. Sie sorgen im Sommer für kühle Innenräume. Im Winter hingegen kann die Sonne die Hauswände ungehindert aufwärmen.
Kletterhortensien, Efeu und wilder Wein kommen wegen ihrer Haftwurzeln ohne Rankhilfen aus. Kletterhilfen benötigen die meisten Kletterpflanzen wie Glyzinien, Geißblatt, Clematis und Kletterrosen. Als Rankhilfen können Draht- und Seilverspannungen sowie Gerüste aus Dachlatten oder Rankgitter dienen. Um Einbrechern ihre Arbeit nicht zu erleichtern, sollten Rankhilfen allerdings erst ab dem zweiten Stockwerck eingesetzt werden.
Die Architektur optisch unterstützen
Die meisten Menschen assoziieren mit einer grünen Fassade ein efeuüberwuchertes, verwunschen wirkendes Haus. Kletterpflanzen können aber auch die Architektur eines Hauses hervorheben. Optische Akzente durch Grünpflanzen geben einem Haus eine sehr persönliche Note. Bauliche Elemente können kaschiert oder betont werden. Der Kontrast zwischen Gebautem und Gewachsenem, zwischen Stein und lebenden Pflanzen, bietet eine Menge reizvoller Möglichkeiten.
Andrea Lützenkirchen, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Gärten und Parks – Natur gut angelegt, 01.08.2006







