Das Brandenburger Tor in der Morgendämmerung

Geteilte Stadt Berlin

Das Brandenburger Tor

Das Brandenburger Tor ist fast 250 Jahre alt. Es ist das Wahrzeichen Berlins und ein Nationalsymbol für ganz Deutschland. Jahrzehntelang stand es auf der Grenze zwischen Ost- und West-Berlin.

Von Gabriele Trost

Das Stadttor und die Siegesgöttin

Als das Brandenburger Tor im August 1791 eröffnet wurde, sollte es ein repräsentatives Stadttor für das aufstrebende Berlin darstellen, die damalige Hauptstadt von Preußen. Die Anweisung zum Bau des Tors gab der preußische König Friedrich Wilhelm II., Sohn von Friedrich dem Großen.

Den Namen "Brandenburger Tor" bekam das Stadttor deshalb, weil an dieser Stelle früher die Straße in Richtung Brandenburg begann. Das Tor ist etwa 20 Meter hoch und mehr als 62 Meter breit.

1793, also zwei Jahre nach der Einweihung, kam die berühmte Quadriga-Skulptur oben auf das Tor. Sie wurde von Bildhauer Johann Gottfried Schadow entworfen und zeigt die römische Siegesgöttin Viktoria in einem Streitwagen, der von vier Pferden gezogen wird. Symbolisch soll sie damit den Triumph und den Frieden darstellen, die in die Stadt einziehen.

Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor

Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor

Doch 1806 nahm der französische Kaiser Napoleon Bonaparte die Quadriga nach seinem Sieg über Preußen als Kriegsbeute mit nach Paris – der Diebstahl war eine Schmach für die Berliner. Etwa acht Jahre lang stand das Tor ohne Quadriga da.

Dass sie 1814, nach den "Befreiungskriegen" gegen Frankreich, in einem wahrhaften Triumphzug nach Berlin zurückgebracht wurde, machte aus dem Brandenburger Tor ein nationales Symbol.

Rückführung der von Napoleon 1806 entwendeten Siegesgöttin Viktoria nach Berlin (1814)

Die Quadriga wurde 1814 unter großem Jubel zurück nach Berlin geholt

Das Tor als Kulisse der Geschichte

Bis 1861 vergrößerte sich das Territorium der Stadt Berlin um 60 Prozent, und so stand das Tor bald mitten in der Stadt. Die Mächtigen der Stadt erkannten schnell, wie gut es sich als repräsentative Kulisse eignete: Wer immer sich und seine politischen Ziele in Berlin pompös in Szene setzen wollte, wählte das Brandenburger Tor als Hintergrund. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. ritt bei Militärparaden vorbei oder bei Sonntagsausflügen mit seiner Familie, die Nationalsozialisten veranstalteten kriegerische Fackelumzüge durch das Tor.

Hin und wieder wurde über einen Abriss oder eine Verlegung des Tors diskutiert– zum Beispiel weil es als Verkehrshindernis galt oder weil es den Nationalsozialisten für die geplante Welthauptstadt "Germania" im Wege stand. Doch letztlich wurde keiner dieser Pläne umgesetzt.

Geschichte Berlins

Planet Wissen 11.05.2023 02:51 Min. Verfügbar bis 13.10.2027 WDR

Symbol der Teilung und der Freiheit

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Brandenburger Tor zerstört, der Wiederaufbau dauerte 13 Jahre. 1945 wehte die Fahne der siegreichen Sowjetunion vom Tor.

Nach der Teilung Berlins durch die Siegermächte stand das Tor im russischen Sektor und gehörte damit zu Ost-Berlin und der DDR. Genau davor verlief die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten.

Das Brandenburger Tor blieb damit ein wichtiges Symbol für Deutschland –und jahrzehntelang für die Teilung der beiden deutschen Staaten ab 1949. So war es kein Zufall, dass beim Arbeiteraufstand in Ost-Berlin am 17. Juni 1953 die wütenden Demonstranten auch durch das Tor zogen.

Schwarzweiß-Foto einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor. Einige Menschen schwenken die deutsche Fahne.

Der 17. Juni 1953 am Brandenburger Tor

Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 konnten die Bürger lange Zeit nicht mehr durch das Tor gehen. Von Westen aus verhinderte das die Mauer, und auch für die Ost-Berliner war das Gebiet abgesperrt. Es lag im Grenzgebiet und war nur für die DDR-Grenzsoldaten sowie wenige geführte Besuchergruppen erreichbar. Das Reichstagsgebäude stand nur wenige hundert Meter entfernt im Westteil Berlins.

Im Dezember 1989 dann, kurz nach dem Mauerfall, eröffneten zwei Politiker am Brandenburger Tor einen Grenzübergang: der damalige Bundeskanzler der BRD, Helmut Kohl, und Hans Modrow, damals Vorsitzender des Ministerrates der DDR. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten war das Brandenburger Tor wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Jahr 2000 bekam der Platz westlich des Brandenburger Tors den Namen "Platz des 18. März" – unter anderem im Gedenken an die Deutsche Revolution von 1848.

Die Berliner Mauer

Planet Wissen 11.05.2023 01:40 Min. UT Verfügbar bis 13.10.2027 WDR Von Robert Schotter, Claudio Como

Bis heute steht das Brandenburger Tor als weltweites Sinnbild für Berlin, für Deutschland und für die deutsche Einheit. Auch deshalb ist es auf der Rückseite von mehreren deutschen Euromünzen abgebildet (10 Cent, 20 Cent und 50 Cent). Zusammen mit dem Bundesadler, der deutschen Eiche und der Deutschlandflagge in Schwarz-Rot-Gold zählt es zu den Symbolen der Bundesrepublik Deutschland.

(Erstveröffentlichung 2004. Letzte Aktualisierung 09.02.2024)

Quelle: SWR

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