Homeoffice: Wenn das Zuhause auch Arbeitsplatz ist

Eine Frau sitzt an einem Couchtisch und blickt auf ihren Laptop

Geschichte der Arbeit

Homeoffice: Wenn das Zuhause auch Arbeitsplatz ist

Von Andrea Böhnke

Arbeiten, ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen – für viele in Deutschland ist das der Traum. Durch die Corona-Pandemie wurde er für einen Teil der Beschäftigten wahr.

Der Begriff

Der in Deutschland heute oft verwendete Begriff "Homeoffice" setzt sich aus den beiden englischen Wörtern "home" (zu Hause) und "office" (Büro) zusammen. Er beschreibt, dass die Beschäftigten eines Unternehmens an ihrem Computer zu Hause arbeiten statt im Büro.

Tatsächlich handelt es sich hierbei um einen sogenannten "Pseudoanglizismus" – das heißt um einen Begriff, der in dieser Art im Englischen nicht verwendet wird oder etwas anderes bedeutet. Tatsächlich verstehen englische Muttersprachler unter Homeoffice etwas anderes als wir: In Großbritannien etwa ist damit das Innenministerium gemeint, in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) unter anderem die Zentrale einer Firma.

Wenn eine englischsprachige Person in den eigenen vier Wänden arbeitet, ist diese nicht "im Homeoffice" oder "macht Homeoffice", wie die Menschen in Deutschland sagen würden, sondern sie arbeitet von zu Hause: "I am working from home".

Weil das Homeoffice eine relativ neue Wortschöpfung ist, verwundert es kaum, dass der Begriff im deutschen Recht bislang nicht existiert. In den entsprechenden Gesetzen ist vielmehr von Telearbeit die Rede.

Gemäß der Arbeitsstättenverordnung (§ 2 ArbStättV) sind Telearbeitsplätze vom "Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat".

Die Telearbeit und auch der umgangssprachliche Begriff Homeoffice sind hierbei abzugrenzen von der mobilen Arbeit – damit ist eine vorübergehende Tätigkeit außerhalb des Büros gemeint, etwa von Kundenbetreuerinnen oder auch von Beschäftigten, die hin und wieder ihre E-Mails auf dem Laptop zu Hause oder im Café beantworten.

Eine Frau sitzt an ihrem Schreibtisch und blickt auf einen Monitor

Homeoffice meint in Deutschland die heimische Bildschirmarbeit

Corona: Pflicht zum Homeoffice

Wo immer es möglich ist, müssen Arbeitgeber Homeoffice anbieten. So steht es in der "SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung", die das Bundesarbeitsministerium (BAMS) Anfang 2021 erlassen hat. Die Idee: Je weniger Menschen mit Bus oder Bahn zur Arbeit pendeln und sich im Büro oder der Kantine näherkommen, desto weniger Menschen stecken sich mit Covid-19 an.

Dass mehr Heimarbeit das Pandemiegeschehen tatsächlich positiv beeinflussen kann, beweist eine Studie des Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) von 2021, auf die sich auch das BAMS in seinem Erlass beruft. Danach sinkt die Zahl der Neuinfektionen signifikant, wenn mehr Menschen im Homeoffice arbeiten.

Etwa jeder vierte Erwerbstätige (24 Prozent) in Deutschland hat Ende Januar 2021 vorwiegend oder ausschließlich im Homeoffice gearbeitet. Das hat eine repräsentative Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung ergeben.

Doch das Potential ist noch nicht ausgeschöpft, wie eine Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von 2018 zeigt. Danach könnten im Schnitt 36 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland ihre Tätigkeit ortsunabhängig ausüben; mit regionalen Unterschieden: in Chemnitz etwa liegt das Potential etwas unter diesem Durchschnitt, in Hamburg darüber.

Zwei Männer mit Masken stehen in einer Tür und blicken sich an

Im Büro arbeiten geht während der Corona-Pandemie nur mit Hygienekonzept

Rechtliche Fragen

Das Arbeitsschutz- und das Arbeitszeitgesetz gelten grundsätzlich auch im heimischen Büro und der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass seine Mitarbeiter auch zuhause gesund und sicher arbeiten können.

Juristisch gesehen macht es allerdings einen Unterschied, ob eine Person dauerhaft an einem festen Arbeitsplatz daheim tätig ist (Telearbeit) oder ob sie "mobil arbeitet", etwa hin und wieder ein paar E-Mails am Dienstlaptop oder dem privaten Rechner beantwortet.

Für die Telearbeit stellt der Arbeitgeber Arbeitsmittel wie Computer, Telefon, teils auch Drehstuhl und Schreibtisch bereit. Die Dauer der Telearbeit sowie die wöchentliche Arbeitszeit werden schriftlich festgelegt.

Der Arbeitgeber muss zudem einmalig die Gefährdungslage beurteilen und dokumentieren: Ist der Schreibtisch gut beleuchtet? Ist der Abstand zum Bildschirm ausreichend? Ist ergonomisches Arbeiten möglich?

Viele Beschäftigte, die im Zuge der Corona-Arbeitsschutzverordnung nach Hause geschickt wurden, arbeiten jedoch eher mobil: Der Arbeitgeber ist nicht dazu verpflichtet, alle Arbeitsmittel bereitzustellen, die erforderlich sind, und er muss auch nicht die Gefährdungslage zu Hause beurteilen.

Ein junger Mann sitzt auf einem Sofa und beugt sich über den Laptop auf dem Couchtisch

Nur wenn es sich um Telearbeit handelt, muss der Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen zu Hause beurteilen

Vor- und Nachteile

Studien zeigen, dass viele Beschäftigte in Deutschland nach der Corona-Pandemie gerne weiterhin im Homeoffice arbeiten würden. Sie meinen, dass sie Beruf und Familie so besser vereinen könnten, dass sie produktiver seien, weil sie weniger unterbrochen würden, und dass sie weniger gestresst seien.

Auf der anderen Seite verschwimmen im heimischen Büro eher die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit; vielen fällt es schwerer, Berufliches und Privates zu trennen. Das gilt vor allem für Frauen, die sich während der Corona-Krise häufiger in traditionellen Geschlechterrollen wiederfanden und zwischen Video-Konferenzen mit den Kindern Hausaufgaben machten und das Essen kochten.

Viele Betriebe haben sich vor Corona gegen die Arbeit in den eigenen vier Wänden gewehrt, weil sie befürchteten, so die Kontrolle über ihre Mitarbeiter zu verlieren. Laut Daten des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) von 2018 lag der Homeoffice-Anteil in Deutschland vor der Pandemie nur bei fünf Prozent, andere europäische Länder wie Finnland oder die Niederlande waren da mit 13 beziehungsweise 14 Prozent schon weiter.

Ein Mann sitzt auf dem Boden im Kinderzimmer, mit Laptop auf dem Schoß und Baby im Arm

Beruf und Familie rücken im Homeoffice näher zusammen

In den USA war die Heimarbeit schon vor Corona stärker verbreitet als hierzulande, und sie wird es wohl auch bleiben. Der Kurznachrichtendienst Twitter etwa stellt es seinen Mitarbeitern seit der Pandemie frei, ob sie von zu Hause oder im Büro arbeiten.

Das Homeoffice birgt schließlich auch für Unternehmen Vorteile. Mit weniger Mitarbeitern, die regelmäßig einen festen Arbeitsplatz brauchen, sinkt der Bedarf an Büroflächen und damit auch die Miet- und Gebäudebetriebskosten.

Eine Studie des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation von 2020 hat ergeben, dass inzwischen 89 Prozent der Unternehmen überzeugt sind, dass aus dem Homeoffice keine Nachteile entstehen. Möglicherweise geht also der Wunsch der Arbeitnehmer nach mehr Homeoffice künftig dauerhaft in Erfüllung.

(Erstveröffentlichung: 2021)

WDR | Stand: 27.04.2021, 13:25

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