Tropenkrankheiten

Nahaufnahme einer Anopheles-Mücke, Überträger des Malaria-Erregers.

Krankheiten

Tropenkrankheiten

Von Sine Maier-Bode

Safari in Afrika, Sightseeing in Bangkok – die Lust der Deutschen auf Urlaub in fernen Ländern ist ungestillt. Viele Reisende aber wissen wenig über die Krankheiten, die in tropischen und subtropischen Regionen drohen.

Paradies für Parasiten

Unter Tropenkrankheiten versteht man Infektionskrankheiten, die vorwiegend in tropischen und suptropischen Regionen auftreten. Viele dieser Krankheiten sind ansteckend. Viren, Bakterien und Parasiten – die Erreger der verschiedenen Krankheiten haben sich die Tropen ausgesucht, weil sie dort ein kleines Paradies vorfinden.

Nicht nur das auch von Touristen geschätzte Klima bekommt ihnen gut. Es ist vor allem die Armut, die dazu führt, dass viele Infektionskrankheiten nicht auszurotten sind. Es fehlt an Geld, an Medikamenten, und vor allem fehlt es an sauberem Wasser.

Beispiel Tuberkulose

Lange Zeit glaubten Mediziner, die Tuberkulose besiegt zu haben. Sie war einst eine der tödlichsten Erkrankungen in Europa. Vor allem das 19. Jahrhundert galt als das "Jahrhundert der Schwindsucht". Noch gab es keine Kenntnisse über die Krankheit. Als Therapie wurde der Aufenthalt an einem Luftkurort empfohlen.

Thomas Mann beschrieb in seinem Roman "Der Zauberberg" ein Sanatorium der feinen Art, das wohl für lange Zeit unsere Vorstellung davon prägen wird, wie es dort ausgesehen haben mag.

Alexandre Dumas wiederum schuf in seinem Roman "Die Kameliendame" das Ideal einer hingebungsvoll Liebenden und Leidenden. Die Tuberkulose wurde eine "romantische" Krankheit. Da viele Künstler der Schwindsucht erlagen, galt sie zu jener Zeit auch als Krankheit der sinnlichen und sensiblen Menschen.

Tatsächlich war sie schon immer eine Krankheit der Armut. Enge Lebensverhältnisse, wie sie die Industrialisierung geschaffen hatte, förderten damals die Verbreitung des Erregers in Europa. Ein Erreger, der durch Tröpfcheninfektion in Windeseile von einem zum anderen Menschen übertragen werden kann.

1882 entdeckte Robert Koch die Tuberkelbazillen, seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Krankheit heilbar. Dass die Tuberkulose in den reichen Ländern dank eines wachsenden Wohlstandes und moderner Medikamente zurückdrängen konnte, hat jedoch dazu geführt, dass sie lange Zeit vernachlässigt wurde.

Weltweit trägt heute jeder dritte Mensch den Tuberkulose-Erreger in sich, 90 Prozent davon leben in Entwicklungsländern.

Nicht immer bricht die Krankheit aus. Vor allem alte, kranke und geschwächte Menschen sind gefährdet, weil ihr Immunsystem den "Tubercula" nicht standhalten kann. Alleine in Afrika erkranken jedes Jahr fast zwei Millionen Menschen neu an Tuberkulose.

In den Armenviertel der USA, in Russland und in vielen Ländern Osteuropas sind neue Erreger aufgetaucht, die gegen die gängigen Antibiotika resistent sind.

Auf dem Schwarzweiß-Foto sieht man mehrere Mädchen bäuchlings auf Liegestühlen liegen.

Frischluftkur gegen Schwindsucht

Immer wieder neue Viren

Mitte des 20. Jahrhunderts begann eine Zeit der medizinischen Entdeckungen. Antibiotika und neu entwickelte Impfstoffe vertrieben Seuchen, die seit Jahrhunderten die Menschheit geplagt hatten.

Lange Zeit waren sich Mediziner sicher, die Zeit der großen Seuchen sei vorbei – bis Anfang der 1980er Jahre das HI-Virus auftauchte, das bis heute weltweit zu den meisten Todesfällen führt (HI = human immunodeficiency, menschliche Inmmunschwäche).

Auch wenn es inzwischen einige Medikamente gibt, die helfen können, die durch das HI-Virus hervorgerufene Immunschwächkrankheit AIDS hinauszuzögern, so gibt es doch noch kein Heilmittel dagegen.

Das HI-Virus ist nicht das einzige Virus, das den Weg zum Menschen gefunden hat. BSE, Ebola, das Dengue-Fieber – es gibt zahlreiche Viruserkrankungen, die teilweise aus dem Nichts aufgetaucht sind. Ihre Erreger, die Viren, waren vermutlich schon lange irgendwo vorhanden, gut versteckt im Urwald oder an einem anderen, den Menschen schwer zugänglichen Ort.

Viren sind keine Lebewesen, sondern DNA- beziehungsweise RNA-Informationen, also Stücke genetischen Materials. Damit sie existieren können, brauchen sie einen Wirt, ein Lebewesen. Wenn sie lange existieren wollen, sollten sie diesem Lebewesen keinen Schaden zufügen.

So werden viele Viren erst dann gefährlich, wenn sie ihren ursprünglichen Wirt verlassen – wenn sie vom Tier auf den Menschen übergehen. Dass dies immer wieder geschieht, ist auch eine Folge des veränderten Umgangs des Menschen mit der Natur.

Rotkreuz-Helfer in grünen Kitteln und mit Mundschutz bekleidet, tragen einen Sarg.

Tod durch Ebola

Schlafende Erreger in den Regenwäldern

Immer weiter dringen die Menschen in bislang unerforschte Gebiete vor. Fast scheint es, als weckten sie schlafende Geister. Sie roden die Wälder und locken die Tiere aus den Verstecken hervor.

Mit den Tieren kommen die neuen Viren in Kontakt mit den Menschen. Eigentlich sitzen sie in Mäusen wie beim Hanta-Virus, in Meerkatzen wie beim Marburg-Virus, in Mücken wie beim Dengue-Virus oder in Fledermäusen wie beim Ebola-Virus.

Als das Ebola-Virus in den 1970er Jahren das erste Mal in Zentralafrika ausgebrochen war, stand man erschreckt vor einer vollkommen neuen Krankheit und hatte nicht die geringste Ahnung, wie sie auf den Menschen übertragen worden war.

Heute weiß man, dass in den Regionen, die von der Erkrankung betroffen sind, Fledermäuse leben, denen das Virus nichts anhaben kann. Vermutlich ist es von dort auf Affen und dann auf die Menschen übertragen worden.

Wer an Ebola erkrankt, stirbt einen qualvollen Tod. Die wenigsten Menschen überleben die Infektion. Seit dem ersten Ausbruch ist die Krankheit noch mindestens sechs Mal an verschiedenen Orten in Afrika aufgetreten.

Viele Viren sind Künstler der Anpassung. Sie können ihren genetischen Aufbau verändern und erschweren es damit den Medizinern, ein Medikament gegen sie zu entwickeln.

Luftaufnahme des Regenwalds im Kongo

Verstecke für Viren

Würmer und andere Parasiten

Sie ist für Fernreisende die bekannteste Tropenkrankheit: Malaria. Und doch wissen die wenigsten, dass ihr Erreger ein Parasit ist: das "Plasmodium falciparum". Die Anopheles-Mücke ist lediglich ihr Überträger. Und es ist bei weitem nicht der einzige Parasit in den Tropen. In der feuchtwarmen Luft fühlen sich Parasiten besonders wohl.

Überall wimmelt es von Plasmodien, Trypanosomen, Protozoen, Larven, Egeln und Würmern. Sie alle haben nur eines im Sinn: Sie wollen sich in Körpern festsetzen, um sich von ihnen zu ernähren. Für Touristen sind sie nur dann ein Problem, wenn sie sich nicht vor ihnen schützen. Deshalb heißt das oberste Gebot: "Koch es, schäl es oder vergiss es!"

Wo das Geld für sanitäre Anlagen fehlt, sind die Gewässer schnell mit Fäkalien verschmutzt. Und weil bei den heißen Temperaturen gerade das Wasser eine Brutstätte für Krankheitserreger aller Art ist, sollte man bei Obst und Salat auch Nein sagen können und auf ein Bad in stehenden Gewässern verzichten.

Wer sich außerdem noch vor Mückenstichen schützt, und falls nötig impfen lässt, dem sollte im Urlaub eigentlich nichts passieren.

Ganz anders stellt sich die Situation für viele Bewohner der Tropen dar. Sie haben kein Geld für Medikamente, aber sie haben auch keine Wahl: Sie müssen in den gefährlichen Gewässern fischen, sie müssen sich dort waschen, und häufig genug besorgen sie sich von dort ihr Trinkwasser.

Ein schwarzer Junge hinter einem Moskitonetz

Schutz vor Mücken

Stand: 04.10.2017, 12:01

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