Genreis

Reis wird in die Hände geschüttet.

Reis

Genreis

Je ärmer die Menschen eines Landes, desto wichtiger wird das Nahrungsmittel, das sie überwiegend mit Kalorien versorgt – in den meisten Fällen ist das Reis. In vielen Ländern der Dritten Welt reicht jedoch die landwirtschaftliche Produktion zur Ernährung der Bevölkerung nicht aus. Es stehen also weder genug Kalorien, noch Vitamine und Spurenelemente zur Verfügung. Besonders kritisch ist Vitamin-A-Mangel, von dem geschätzte 190 Millionen Kinder weltweit betroffen sind. Menschen, denen das wichtige Vitamin fehlt, sind anfälliger für Infektionserkrankungen und haben ein erhöhtes Risiko zu erblinden.

Entwicklung der Gentechnologie

Die Biologen und Genforscher Prof. Dr. Ingo Potrykus und Prof. Dr. Peter Beyer fanden einen Weg, die Vitamin-A-Vorstufe Betacarotin von den Reiskörnern selbst herstellen zu lassen. Dazu nutzten sie die Möglichkeiten der Gentechnik und fügten mit Hilfe mikrobiologischer Methoden dem Reisgenom zwei Gene einer Narzisse und ein weiteres aus einem Bakterium hinzu.

Nach zehn Jahren Forschung und 70 Patenten war der sogenannte "Goldene Reis" geschaffen. Er erhielt seinen Namen wegen seiner goldgelben Farbe.

Narzisse

Die Gene der Narzisse wurden in den goldenen Reis eingebaut

Einstieg des Konzerns Syngenta

Als nach einigen Forschungsjahren die gemeinnützige Rockefeller Stiftung dem Projekt die finanzielle Unterstützung entzog, wurden Forschungsgelder bei der Europäischen Union beantragt und zugleich ein Finanzierungspartner aus der Industrie gesucht.

Das Schweizer Unternehmen Syngenta, einer der größten Agrochemiekonzerne der Welt, stieg in das Projekt ein und erwarb durch seine finanzielle Beteiligung zugleich die Rechte an der Patentierung und Vermarktung.

Syngenta versprach, in den Fällen auf die Vermarktung des Goldenen Reis zu verzichten, in denen arme Reisbauern weniger als 10.000 Dollar jährlich erwirtschafteten.

Seitdem gilt der Goldene Reis als ein Paradebeispiel für die Segnungen, die mit Hilfe des Einsatzes von Gentechnik in der Landwirtschaft der Dritten Welt erreicht werden können. In millionenschweren Werbekampagnen wurde für dieses Vorzeigeprodukt der "Grünen Gentechnik" geworben.

Genreis im Kreuzfeuer der Kritik

Noch ist allerdings nicht klar, ob das Betacarotin im Reiskorn vom menschlichen Körper überhaupt aufgenommen werden kann. Die Umweltorganisation Greenpeace – erklärte Gegnerin von Genfood – zweifelt daran, dass der Körper das Betacarotin verwerten kann, denn es wird nur dann in Vitamin A umgewandelt, wenn ausreichend Fett und Protein zur Verfügung stehen. Gerade daran aber mangelt es in ärmeren Gesellschaften. Derzeit gibt es nur zwei Studien, die den positiven Effekt des Goldenen Reises belegen, deren Aussagekraft jedoch stark angezweifelt wird.

Außerdem, so Greenpeace, würde mit dem Goldenen Reis nur ein Symptom bekämpft, anstatt das Problem an der Wurzel anzugehen. Die Menschen ernährten sich sowieso schon zu einseitig und bräuchten einen abwechslungsreicheren Speiseplan mit mehr frischem Obst und Gemüse, um der Mangelernährung entgegenzuwirken.

Stattdessen würde seit mehr als 20 Jahren ein Produkt angepriesen, das nur den Vitamin-A-Mangel beheben soll, dessen Wirkung noch nicht endgültig bewiesen ist und das am Ende an der einseitigen Ernährung nichts ändern würde. Auf den Philippinen wird der Mangel beispielsweise erfolgreich mit Vitaminpräparaten bekämpft – es braucht also nicht unbedingt die Gentechnik.

Eins der Hauptargumente von Greenpeace ist, wie bei jeder anderen Art von gentechnisch verändertem Saatgut auch, das Problem, wie man die ausgesähten Pflanzen kontrollieren soll. Einmal auf das Feld gebracht, wird sich der gentechnisch veränderte Reis selbstständig fortpflanzen und damit möglicherweise andere Reissorten verunreinigen. Ein Prozess, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Trotzdem feiert die Gen-Industrie den Goldenen Reis als Paradebeispiel der "Grünen Gentechnik". Dabei drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass dies weniger aus humanitären Gründen, sondern vielmehr in der Hoffnung geschieht, die skeptische Grundstimmung gegenüber Genfood verringern zu können. Eine Zulassung zum Anbau hat der Goldene Reis jedoch bisher in keinem Land bekommen.

Umweltschützer protestieren gegen Syngenta

Viele Umweltschützer sehen Agrochemie-Konzerne wie Syngenta kritisch

Alternativen zu Vitamin A aus genetisch verändertem Reis

Hunger und Mangelkrankheiten in der Welt, so die These vieler Kritiker, werden sich durch den Goldenen Reis nicht beheben lassen. Ihre Ursachen liegen doch eher in Verteilungskämpfen, der Unterdrückung von Minderheiten, Kriegen, Dürren oder Flutkatastrophen.

Um die Bevölkerung ausreichend mit Vitamin A zu versorgen, könnten ebenso gut grüne Gemüse, Früchte und Knollengewächse (etwa Süßkartoffeln) angebaut werden. Dazu aber müsste von der bisherigen Praxis, Reis in großem Umfang in Monokulturen anzubauen, abgewichen werden.

Aufgeschnittene Süßkartoffel

Süßkartoffeln könnten eine Alternative zu genmanipuliertem Reis sein

Autorinnen: Rita Gudermann/Kerstin Eva Dreher/Wiebke Ziegler

Stand: 08.05.2018, 14:17

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