Fragen und Antworten zur Alternativmedizin

Blutwurztee

Alternativmedizin

Fragen und Antworten zur Alternativmedizin

Von Christiane Tovar

Obwohl die Alternativmedizin oft als sanfte Medizin bezeichnet wird, birgt sie auch Gefahren. Wer sich behandeln lässt, sollte sich deshalb gut über Methoden, Wirkweisen und Gefahren informieren.

Welche Gefahren birgt die Alternativmedizin?

Wer sich ausschließlich mit Methoden der Alternativmedizin behandeln lässt, muss sich dessen bewusst sein, dass er dafür unter Umständen auf eine wissenschaftlich fundierte Methode verzichtet. Bei Erkältungen oder anderen leichten Erkrankungen ist das kein Problem.

Anders sieht es aus, wenn die Krankheiten lebensbedrohlich sind. Dann kann es sein, dass man mit alternativen Methoden wertvolle Zeit verliert. Manchmal ist es sinnvoll, alternative Methoden ergänzend zu nutzen.

Bei Bluthochdruck haben sich zum Beispiel Kneipp-Güsse als gute Unterstützung zur konventionellen Behandlung erwiesen. Es gibt mittlerweile viele Ärzte, die mit beiden Methoden arbeiten.

Auch einige Kliniken haben sich darauf spezialisiert. So können die Patienten von der sanften Medizin profitieren und müssen trotzdem nicht auf wissenschaftlich fundierte Therapien verzichten.

Eine weitere Gefahr der Alternativmedizin liegt darin, dass man sie oft mit "sanft" und "natürlich" gleichsetzt. Das muss so nicht stimmen, denn auch die alternativen Methoden können Nebenwirkungen haben.

Frau, die sich die Beine abduscht.

Mit Wechselbädern den Blutdruck senken

Welche Methoden wirken ganz sicher?

Die Akupunktur ist das Verfahren in der Alternativmedizin, das am besten erforscht ist. In zahlreichen Studien und Modellprojekten haben Ärzte und Wissenschaftler wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Untersucht wurde unter anderem die Wirksamkeit von Akupunktur bei Rückenschmerzen, chronischen Kopfschmerzen und Knieschmerzen.

Die Ergebnisse: Akupunktur hilft vor allem gegen chronische Schmerzen. Interessanterweise gilt das aber nicht nur, wenn die Nadeln nach der Methode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gestochen werden, sondern auch dann, wenn sie willkürlich an beliebigen Punkten im Körper gesetzt werden.

Für die Homöopathie kann man bislang keine endgültige Aussage treffen, weil die Ergebnisse widersprüchlich sind. In vielen Studien kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Mittel ähnlich wirkten wie ein Placebo, also ein Scheinmedikament.

Es gibt aber auch Studien, die zeigen, dass die homöopathischen Kügelchen namens "Globuli" durchaus wirken. Sie halfen zum Beispiel gegen Heuschnupfen.

Außerdem ist die Wirkung einiger Pflanzen nachgewiesen. Johanniskraut ist erfolgreich gegen depressive Verstimmungen eingesetzt worden und die Sägepalme half bei gutartiger Prostatavergrößerung.

Ansonsten gibt es noch einige Verfahren, die sich positiv auf den Organismus auswirken. Der Aderlass zum Beispiel lässt zu hohen Blutdruck sinken. Mit dem Heilfasten machen Therapeuten unter anderem bei Rheuma gute Erfahrungen.

Ärztin, die Akupunkturnadeln setzt.

Nadeln gegen den Schmerz

Gibt es Verfahren in der Alternativmedizin, die gegen Krebs helfen?

Nein, kein Verfahren in der Alternativmedizin heilt Krebs. Das Verfahren, das am häufigsten in der Behandlung von Krebs eingesetzt wird, ist die Misteltherapie. Dabei werden dem Patienten Injektionen mit dem Extrakt der Pflanze gespritzt. Allerdings ist die Wirksamkeit nicht wissenschaftlich nachgewiesen.

Die Befürworter der anthroposophischen Medizin, auf die die Misteltherapie zurückgeht, sind sich sicher, dass die Lebensqualität der Kranken verbessert werden kann. Lebensqualität sei aber keine messbare Größe, kritisieren Wissenschaftler.

Fest steht nach Meinung von Experten auch, dass die Misteltherapie keine lebensverlängernde Wirkung hat.

Allerdings untersuchen Wissenschaftler, ob der Einsatz von Homöopathie die Nebenwirkungen von Krebsbehandlungen wie zum Beispiel Chemotherapie mildern könnte. Nach ersten Untersuchungen deutet einiges auf einen Zusammenhang hin. Ein abschließendes Ergebnis gibt es aber noch nicht.

Mistelzweige.

Die Anthroposophen setzen auf die Mistel

Was ist von den Diagnosemethoden zu halten?

So vielfältig wie die einzelnen Therapiemethoden der Alternativmedizin sind auch die Diagnosemöglichkeiten. Allerdings hält keine der gängigen Untersuchungsmethoden seriösen wissenschaftlichen Studien stand.

Eine der bekanntesten Methoden ist die Bioresonanzdiagnose. Ihre Begründer gehen davon aus, dass jeder Körper ein komplexes System aus Schwingungen ist. Sind diese gestört, können dadurch Krankheiten entstehen.

Therapie und Diagnose werden praktisch in einem Prozess durch ein spezielles Gerät vorgenommen. Dabei werden die angeblich krank machenden Schwingungen analysiert und umgewandelt. Wissenschaftlich belegt ist das nicht.

Umstritten ist auch die Kinesiologie. Bei dieser Methode sollen Muskeltests über die entsprechende Krankheit Auskunft geben.

Dahinter steht die Annahme, dass Krankheiten durch die Ansammlung von Giften um die Hauptmuskelgruppen herum ausgelöst werden. Die Leiden sollen demnach mit der Schwächung bestimmter Muskelgruppen verbunden sein.

Auch die Irisdiagnostik, auf die viele Heilpraktiker gern zurückgreifen, ist nicht wissenschaftlich belegt. Dabei wird davon ausgegangen, dass alle Organe über Nerven mit dem Auge verbunden sind. Eventuelle Störungen sollen deshalb im Auge sichtbar werden, zum Beispiel durch Streifen, Ringe oder andere Veränderungen.

Die Puls- und die Zungendiagnostik sind ebenfalls wissenschaftlich umstritten. Bei der Pulsdiagnostik beurteilt der Therapeut die Stärke und das Tempo des Pulsschlags, bei der Zungendiagnostik werden unter anderem die Beläge analysiert.

Großaufnahme eines weiblichen Auges.

Irisdiagnose: Schau mir in die Augen, Kleines

Wie finde ich einen seriösen Heilpraktiker?

Wie in der konventionellen Medizin gibt es auch in der Alternativmedizin gute Ärzte und unseriöse Ärzte. In der Alternativmedizin haben sich außerdem Heilpraktiker auf bestimmte Methoden wie Homöopathie und Akupunktur spezialisiert.

Fachleute raten dazu, bei Heilpraktikern und anderen Therapeuten darauf zu achten, dass sie eine fundierte Ausbildung haben.

Sprechen Sie mit Ihrem Therapeuten auch über die Grenzen der Therapie und über die Möglichkeit, die Alternativmedizin begleitend einzusetzen.

Bevor Sie Medikamente absetzen, ist es sinnvoll, darüber mit dem Arzt zu reden, der die Mittel verschrieben hat. Vorsichtig sollten Sie sein, wenn Ihr Therapeut darauf besteht, dass sofort alle konventionellen Medikamente abgesetzt werden.

Da die Honorare für Heilpraktiker und andere Anwender von alternativen Methoden in der Regel nicht von der Krankenkasse erstattet werden, ist es ratsam, sich vor der Behandlung über die Kosten zu informieren.

Stand: 08.08.2018, 11:00

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