Verhütungsmethoden

Kupferspirale zur Verhütung

Verhütung

Verhütungsmethoden

Von Katharina Beckmann

Die Pille ist das Verhütungsmittel Nummer eins. Daneben gibt es eine große Auswahl anderer Methoden – mit unterschiedlicher Wirksamkeit.

Was ist der Pearl-Index?

Die Wirksamkeit von Verhütungsmethoden wird mit dem so genannten Pearl-Index (PI) gemessen. Dieser Wert gibt an, wie viele von 100 Frauen ungewollt schwanger werden, wenn sie mit dieser Methode ein Jahr lang verhüten. Ein PI von 1 bedeutet also, dass eine von 100 Frauen ungewollt schwanger wird. Je niedriger der Wert, desto sicherer die Verhütungsmethode.

Hormonelle Verhütungsmethoden

Pille: Die Pille enthält die beiden weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen. Sie hemmen die Eizellreifung und den Eisprung. Außerdem verändert die Pille die Schleimhäute so, dass kaum Spermien in die Gebärmutter gelangen und sich ein befruchtetes Ei gar nicht erst einnisten kann.

Meist wird die Pille 21 Tage am Stück eingenommen. Dann wird die Einnahme für sechs bis sieben Tage für die Regelblutung unterbrochen.

Die Pille gilt als sehr sicheres Verhütungsmittel (PI: 0,1-1). Sie eignet sich deshalb vor allem für Mädchen und junge Frauen, die auf gar keinen Fall schwanger werden wollen.

Vergessen sollte man dabei jedoch nicht, dass die Pille ein hochwirksames Medikament ist – mit Nebenwirkungen. Sie kann am Anfang zu Zyklusstörungen und Gewichtsproblemen führen und das Thromboserisiko erhöhen.

2005 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Pille sogar als krebserregend ein. Sie begünstige die Entstehung von bösartigen Wucherungen im Gebärmutterhals, von Brust- und Leberkrebs.

Die Ergebnisse einer Langzeitstudie der "University of Aberdeen" (seit 1968) ergaben hingegen keinen Zusammenhang zwischen Pille und einem allgemein erhöhten Krebsrisiko. Inzwischen geht man sogar davon aus, dass die Pille das Risiko bösartiger Wucherungen besonders an Gebärmutter und Eierstöcken und im Darm senkt.

Auf dem Bild sind noch in ihren Plastikhülsen verpackte Pillen zu sehen.

Die Pille wird seit 1961 in Deutschland verkauft

Minipille: Die Minipille beinhaltet nur das Hormon Gestagen. Das behindert vor allem den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und festigt den Schleim im Gebärmutterhals. Spermien werden dadurch aufgehalten. Die Minipille eignet sich für Frauen, die das Hormon Östrogen nicht vertragen oder stillen. Die herkömmliche Pille würde die Milchproduktion reduzieren.

Die Minipille hat weniger Nebenwirkungen als die normale Pille – aber sie verlangt große Disziplin: Sie muss jeden Tag zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden. Wird sie zwei Stunden später eingenommen, schützt sie schon nicht mehr zuverlässig vor einer Schwangerschaft (PI: 0,5-3).

Hormonspirale: Die Hormonspirale wird vom Frauenarzt in die Gebärmutter eingesetzt. Sie ist mit einem kleinen Depot versehen, das bis zu fünf Jahre lang das Hormon Gestagen abgibt. Die Hormonspirale gilt als sehr sicheres Verhütungsmittel (PI: 0,1).

Sie eignet sich vor allem für Frauen, die nicht täglich die Pille schlucken wollen.

Die Hormonspirale wirkt in der Gebärmutter und greift dadurch nicht in den gesamten Zyklus ein. Bei jungen Frauen kann es schwierig sein, die Spirale einzusetzen, weil sie eine enge Gebärmutterhöhle haben. Sie muss deshalb gedehnt werden.

Nach dem Einsetzen kann es zu Schmierblutungen oder Kopfschmerzen kommen, die meistens wieder verschwinden.

Implanon: Dieses Hormonimplantat sieht aus wie ein Streichholz und wird vom Arzt in den Oberarm gepflanzt. Entfernt werden kann es zu jeder Zeit. Dieses Stäbchen gibt kleine Mengen des Hormons Gestagen in den Körper ab und verhindert damit drei Jahre sehr sicher eine Schwangerschaft.

Das Implanon ist für Frauen jedes Alters geeignet und eine sichere Alternative zur Pille, weil nicht regelmäßig an die Verhütung gedacht werden muss (PI gegen 0). Einige Frauen klagen darüber, dass ihre Blutungen seltener werden oder ganz ausbleiben, leiden unter Übelkeit und Bauchschmerzen während der Periode.

Hormonring: Dieser biegsame Kunststoffring ist in seiner Wirkung mit der der Pille zu vergleichen: Er gibt die beiden Hormone Östrogen und Gestagen frei. Einmal im Monat muss die Frau den Ring in die Scheide einführen, nach drei Wochen folgen sieben ringfreie Tage für die Regelblutung.

Der Hormonring eignet sich vor allem für Frauen, die nicht regelmäßig die Pille schlucken wollen oder aufgrund von Magen- und Darmkrankheiten oder Essstörungen Probleme damit haben. Der Hormonring gilt als sehr sicher (PI: 0,65) und gut verträglich, denn die Hormondosis ist sehr niedrig.

Der Ring kann in manchen Fällen das Thromboserisiko erhöhen, Kopfschmerzen und Scheidenentzündungen verursachen.

Hormonpflaster: Das Pflaster wird auf den Bauch, die Außenseite des Oberarms oder auf den Po geklebt. Darin sind die Hormone Östrogen und Gestagen gespeichert, die über die Haut direkt ins Blut abgegeben werden. Dadurch belastet die Pflasterverhütung die Leber weit weniger als etwa die Pille.

Auf dem Bauch eine jungen Frau klebt ein kleines quadratisches Hormonpflaster

Über die Haut gelangen die Hormone direkt ins Blut

Nach einer Woche muss das Pflaster gewechselt werden. Nach drei Wochen folgt eine siebentägige Pause, in der die Regelblutung einsetzt. Das Pflaster bietet eine ähnlich hohe Sicherheit wie die Pille (PI: 0,9). Selten lösen sich die Pflaster beim Schwimmen oder in der Sauna.

Den Verhütungsschutz mindert das nicht, vorausgesetzt, es wird innerhalb von 24 Stunden nachgeklebt.

Mechanische Methoden

Kondom: Das Kondom aus dünnem Latex wird über den erigierten Penis gestreift. So gelangt die Samenflüssigkeit nicht in die Scheide der Frau und schützt vor einer Befruchtung.

Das Kondom ist das einzige Verhütungsmittel, das gleichzeitig vor Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Krankheiten wie Aids schützt. Die Wirksamkeit hängt stark von der richtigen Handhabung und von der Übung ab (PI: 2-12). Es verursacht in der Regel keine Nebenwirkungen.

Nahaufnahme von vier bunten Kondomen

Kondome schützen doppelt: vor Schwangerschaft und Aids

Diaphragma: Diese kleine Gummikappe muss individuell beim Frauenarzt oder bei Beratungsstellen angepasst werden. Das Diaphragma wird in die Scheide eingeführt und versperrt den Zugang zur Gebärmutter. Vorher sollte es mit einem chemischen Gel oder Schaum zur Abtötung der Spermien eingecremt werden.

Bei richtiger Anwendung ist das Diaphragma relativ sicher (PI: 1-4), bedarf aber einiger Übung. Zwischen dem Einsetzen des Diaphragmas und dem Geschlechtsverkehr sollten allerdings nicht mehr als zwei Stunden vergehen, nach dem Sex bis zum Herausnehmen sollten mindestens acht Stunden liegen.

Nach zwei Jahren muss das Diaphragma ausgetauscht werden.

In einem blauen Behältnis liegt ein beiges Diaphragma.

Ein Diaphragma ist nicht leicht zu handhaben

Lea contraceptivum: Die handtellergroße Verhütungskappe aus Silikon wird vor den Muttermund gesetzt. Ein zusätzliches Gel oder eine Creme auf der Innenseite erhöht die Sicherheit. Das Lea passt sich automatisch der Größe des Muttermunds an.

Diese Methode ist noch nicht sehr verbreitet – aber akzeptiert. Die Sicherheit ist etwa mit der des Kondoms vergleichbar (PI: 2,2). Die Handhabung ist einfacher, weil sich das Lea selbst einpasst. Durch eine Schlaufe ist es leicht wieder aus der Scheide zu entfernen.

Kupferspirale: Die Spirale ist mit feinem Kupferdraht umwickelt. Ein Arzt setzt sie in die Gebärmutter ein – am besten während der Regel. Bei Frauen, die bereits ein Kind bekommen haben, ist dies meist gar kein Problem. Etwa nach fünf Jahren muss die Spirale gewechselt werden.

Der Fremdkörper reizt die Gebärmutter und löst damit die Produktion von Abwehrzellen aus, die Ei- und Samenzellen vernichten oder lähmen. Die Spirale verhütet nicht ganz so sicher wie die Pille (PI: 0,9-3). Je länger die Spirale liegt, desto sicherer ist diese Methode.

In der Anfangszeit kann es zu Blutungen und Krämpfen kommen, weil sich der Körper an den Fremdkörper in ihm gewöhnen muss.

Das Foto zeigt eine Kupferspirale.

Die Spirale – Fremdkörper im Körper

Methoden danach

"Pille danach": Sie kommt nach Verhütungspannen zum Einsatz oder nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Der Wirkstoff dieses Präparats ist ein gestagenartiges Hormon (Levonorgestrel), das verhindert, dass das Ei befruchtet wird oder sich einnistet.

In den ersten zwölf Stunden nach dem Sex hat die "Pille danach" nahezu hundertprozentige Wirkung. Mit zunehmender Zeit nimmt die Wirksamkeit ab. Spätestens 72 Stunden später darf die Pille noch genommen werden.

Nach der Einnahme kann es zu starken Blutungsstörungen kommen, deshalb darf die Pille wirklich nur in Ausnahmefällen und auf keinen Fall mehrmals kurz hintereinander eingesetzt werden.

"Spirale danach": Bis zu fünf Tage nach der Verhütungspanne kann man eine Schwangerschaft durch das Einsetzen einer gewöhnlichen Spirale verhindern. Allerdings kann das schwierig sein, weil der Arzt sie nicht während des Zyklus' legt, wenn der Muttermund ohnehin geöffnet ist.

Die "Spirale danach" darf nicht vor der nächsten Menstruation gezogen werden. Diese Methode bietet sich vor allem dann an, wenn die Frau auch hinterher mit der Spirale verhüten will. Sicherheit und Nebenwirkungen entsprechen denen der normalen Spirale.

(Erstveröffentlichung: 2005. Letzte Aktualisierung: 17.07.2018)

WDR

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