Wissensfragen

Gestapelte Knochen und Totenschädel in einem Beinhaus in Österreich. Die Schädel sind kunstvoll mit einem Blumenmuster bemalt. Außerdem tragen sie den Namen der Verstorbenen und das Todesdatum.

Bestattungskultur

Wissensfragen

Werden in Indien die Witwen bei lebendigem Leib mit ihren toten Männern zusammen verbrannt?

Es gab diese Tradition. Als die Briten Kolonialherren in Indien waren, versuchten sie die Witwenverbrennungen zu stoppen und verboten dieses grausame Ritual im Jahre 1829. Auch im heutigen, modernen Indien ist dieser Brauch natürlich verboten. Ob es aber trotzdem in fernen Provinzen noch heimliche Witwenverbrennungen gibt, weiß man nicht genau.

Wahrscheinlich liegt dem Brauch ein Missverständnis zu Grunde. In früheren Zeiten vollzogen wohl die Brahmanen (religiöse Leiter einer hinduistischen Bestattung) die Witwenverbrennungen nur symbolisch. Die Frau musste sich neben ihren toten Mann legen, bis der Brahmane sagte: "O du, des Mannes Begleiterin, gehe mit ihm zu den Vätern ein, gib uns auf Erden Kinder (...) Und nun geh zurück in die Welt der Lebenden."

Was ist ein Beinhaus?

Beinhäuser gab es auf mittelalterlichen Friedhöfen, die zumeist mitten im Ort lagen. Oft wurde schon nach einigen Jahren aus Platzmangel ein Grab neu belegt. Dann war zwar das Fleisch verrottet, aber die Knochen noch lange nicht.

Wenn das Grab neu ausgehoben wurde, sammelte man vor allem die Oberschenkelknochen und den Schädel des "Vormieters" ein, reinigte sie und legte sie ins Beinhaus. Ab dem 19. Jahrhundert wurden sogar die Totenschädel mit Namen und Lebensdaten bemalt. In Hallstatt im Salzkammergut gibt es diese Tradition immer noch.

Diese Zweitbestattung eines Leichnams wurde nicht nur in Mitteleuropa praktiziert, sondern schon in vorchristlichen Zeiten im Nahen Osten. Hier war die Anzahl der Felsengräber knapp. In der jüdischen Tradition wurden die Knochen dann allerdings nicht zusammen, sondern pro Leichnam in einer kleinen Knochenkiste gesammelt.

Eine solche Kiste beschäftigte 2002 auch die Wissenschaft. Aus ihrer Aufschrift ging hervor, dass die Knochen zu einem "Jakob, Bruder des Jesu" gehören. Der biblische Jesus hatte nach dem Neuen Testament tatsächlich einen Bruder und die Knochen stammen auch aus seiner Zeit. Allerdings waren "Jakob" und "Jesus (Jeschua)" zu der Zeit sehr gängige Vornamen. Abschließend wird diese Frage wohl nicht zu klären sein.

Stand: 06.11.2018, 09:00

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