Dortmund: Die Bierstadt im Pott

Das Dortmunder U von außen.

Bier

Dortmund: Die Bierstadt im Pott

Von Alfried Schmitz

Kohle, Stahl und Bier – das verbinden viele mit der Stadt Dortmund. Bergbau und Stahlwerke haben jedoch längst den Rückzug angetreten. Von den vielen Brauereien ist nur eine übrig geblieben.

Die Biermetropole im Ruhrgebiet

Dortmund wurde erstmals im Jahr 880 nach Christi Geburt urkundlich erwähnt. In einer Aufstellung über gezahlten Zins ist in den Büchern der Abtei zu Werden eine Siedlung namens "Throtmani" oder auch "Trutmunia" zu finden.

Die damals eher noch unbedeutende Siedlung mauserte sich mit den Jahren zu einer der reichsten und bedeutendsten Städte in Deutschland.

Im 13. Jahrhundert war Dortmund als Mitglied der Hanse zu einer wichtigen Drehscheibe des internationalen Handels geworden. Eines der Hauptprodukte der westfälischen Stadt: das Bier. Das Gebräu findet in der Stadtchronik Dortmunds zum ersten Mal im Jahr 1266 urkundliche Erwähnung.

Zwischenzeitlich war die Stadt sogar Europas Biermetropole Nummer 1. Mit dem Dortmunder Export, einer eigenen Biersorte, erlangte sie Weltruhm. Das Dortmunder Bier ist bis heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Ruhrgebietsstadt.

Die Anfänge der Dortmunder Braugeschichte

Die Dortmunder Biergeschichte beginnt offiziell im Jahr 1266 mit der urkundlichen Erwähnung eines Bieres, das in der damaligen Hansestadt gebraut wird. Das Reinheitsgebot ist noch nicht erfunden und so dürfen die Brauer das Bier noch mit mehr herstellen als nur mit Hopfen, Malz und Wasser.

Die Menschen in Dortmund lieben das Grutbier, das mit verschiedenen Extrakten gewürzt und vergoren wird: aus Myrten, Rosmarin, Wacholder, Lorbeeren, Kümmel, Anis, Kirschen und Harz. Geschmacklich und optisch hat diese Mischung mit dem Bier von heute nicht viel gemein.

Aber die dickflüssige und trübe Brühe findet viele Freunde und reißenden Absatz. Das Gebräu steigt schnell in den Kopf und verursacht starke Halluzinationen – was der Beliebtheit keinen Abbruch tut.

Rosmarin.

Die Brauer verwendeten früher unter anderem Rosmarin

Der Hopfen ersetzt die Gewürze

Ein wichtiger Meilenstein in der Dortmunder Braugeschichte ist das Jahr 1293. König Adolf von Nassau verleiht der Stadt das Recht, Bier zu brauen. Zunächst das widerrufliche, drei Jahre später das unwiderrufliche Recht.

Für den Landesherren ist das kein uneigennütziges Unterfangen: Er erhebt eine Steuer auf das Brauen von Bier – und füllt damit seinen Säckel. 1332 wird das Dortmunder Braumonopol durch Kaiser Ludwig IV. bestätigt, was der Stadt Dortmund sichere Einkünfte und Wohlstand beschert.

Der Bierumsatz beläuft sich in den Jahren 1390 bis 1398 immerhin auf jährlich bis zu 2400 Tonnen Grutbier.

1477 bringt dann eine Neuerung für die Bierbrauzunft. Die exotischen Würzmischungen haben ausgedient und werden durch Hopfen ersetzt. Der macht das Bier nicht nur schmackhafter und bekömmlicher, sondern auch haltbarer. Für die damalige Zeit ist das eine große Errungenschaft.

Denn haltbares Bier lässt sich besser transportieren und daher auch weitläufiger vermarkten. Das Dortmunder Bier wird exportiert und findet Freunde im In- und Ausland. Als Mitglied des Hansebundes hat es Dortmund leicht, sein Bier auch an Kunden in der Ferne zu verkaufen.

Nach den Wachstumsjahren kommt es dann aber in Folge des Dreißigjährigen Krieges und der Reformation zum Niedergang des Dortmunder Brauwesens. Und nicht nur der verheerende Krieg macht den Brauern zu schaffen.

Auch die Trinkgewohnheiten haben sich geändert. Durch den Überseehandel und den Kolonialismus kommen neue Getränke wie Tee, Kaffee und Kakao auf, die den Bierkonsum merklich geringer werden lassen.

Die Bierstadt Dortmund im 19. Jahrhundert

Nachdem das Brauwesen in Dortmund seinen Tiefpunkt überwunden hat, geht es Mitte des 19. Jahrhunderts wieder bergauf mit der Brauwirtschaft. In ganz Deutschland wird nun nach dem Deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut.

Bier darf demnach ausschließlich aus Wasser, Hopfen und Malz zubereitet werden. Diese Regelung verhilft dem deutschen Bier zu hoher Qualität und zu einem guten Ruf, was sich auch im Absatz bemerkbar macht.

In Dortmund spezialisiert man sich auf ein Bier bayerischer Brauart, das im Zuge der Industrialisierung einen Boom erlebt. Dortmund wird durch Kohle und Stahl zum Industriezentrum, zu einer Arbeiterstadt – und das Bier zum Getränk Nummer Eins.

War es vorher nur möglich, Bier mithilfe von obergäriger Hefe zu brauen, die eine höhere Brautemperatur benötigt, können die Brauer seit der Erfindung der Kühlmaschine durch Carl von Linde im Jahr 1873 nun auch untergäriges Bier herstellen, für das sie eine kontrollierte Brautemperatur von höchstens zehn Grad Celsius benötigen.

Das helle untergärige Bier löst nun in Dortmund das bis dahin ausgeschenkte dunkle obergärige ab. Mit dem Siegeszug des untergärigen Bieres, das sich mithilfe moderner Kühltechnik das ganze Jahr hindurch brauen lässt, setzt aber auch ein Brauereisterben ein.

Statt vieler kleiner Brauereien gibt es fortan mehr Großbrauereien. Die neue Technik ist teuer, und nur große Brauereien können sich ein Kühlsystem leisten. Die Hausbrauereien bleiben auf der Strecke.

Nachdem es 1840 noch 74 Brauereibetriebe gegeben hatte, schrumpft die Zahl bis 1895 auf 28 Brauereien. Die Dortmunder Union zählt mit 100.000 Hektolitern zu den umsatzstärksten.

Dortmunder Bierdeckel.

Bierdeckel von Dortmunder Bieren

In Europa an der Spitze

Schon damals kennt man als weltweite Dortmunder Bierspezialität das Dortmunder Export. Mit dieser Biersorte, die weniger herb ist, aber haltbarer als das Pils, erwirbt sich Dortmund den Ruf der Bierstadt Nummer 1.

1968 liegt der Marktanteil von Exportbier in Deutschland bei 57 Prozent. Pils erreicht gerade einmal 19 Prozent. 1972 beläuft sich die Zahl der Arbeitnehmer im Dortmunder Brauwesen auf 5747 Personen.

In der Bierstadt werden Anfang der 1970er jährliche 7,46 Millionen Hektoliter des deutschen Nationalgetränks hergestellt. Damit nimmt Dortmund die Spitzenstellung in ganz Europa ein.

Die Zechenschließungen der 1980er-Jahre führen dann aber zu Massenentlassungen und zu einem Rückgang des Bierkonsums. Viele Brauereien müssen ihren Betrieb schließen.

Im Jahr 2000 werden die 34 verschiedenen Dortmunder Biere von nur noch zwei Brauereien hergestellt. Nachdem im Frühjahr 2005 die Schließung der Dortmunder Traditionsbrauerei Brinkhoff beschlossen wird, braut heute die Dortmunder Actien-Brauerei (DAB) fast alle Biere in Dortmund.

Eine Ursache ist der gesunkene Bierkonsum in Deutschland. Von einem Pro-Kopf-Verbrauch von 138 Litern (1994) sinkt der Wert nach Angaben des Deutschen Brauerbundes bis 2013 auf rund 106 Liter.

Dem sinkenden Konsum trotzt das Dortmunder Bergmann-Bier (DBB): Seit 2007 versucht Thomas Raphael die alte Marke wiederzubeleben. Vor allem die jungen Menschen in Dortmund schätzen das Bier der Kleinbrauerei. "Harte Arbeit, ehrlicher Lohn" – dafür stand das Bergmann-Bier früher. Und heute auch wieder.

Ein Kiosk für Bergmann-Bier.

Aus alt mach neu: das Dortmunder Bergmann-Bier

Weiterführende Infos

Stand: 21.09.2018, 14:00

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