Geschichte des Biers

Kellnerin mit Bierkrügen in den Fünfzigern.

Bier

Geschichte des Biers

Von Alfried Schmitz

Das Bier ist das Ergebnis eines Zufalls, entstanden vor etwa 6000 Jahren in Mesopotamien. Im frühen Mittelalter übten sich vor allem die Mönche im Bierbrauen, um über die langen Fastenwochen hinwegzukommen. Erst später entdeckten auch die Kaufleute und Händler die Brauwirtschaft für sich. Die industrielle Revolution sorgte schließlich für weitere technische Neuerungen im Brauprozess.

Bier im Altertum

4000 vor Christus, irgendwo zwischen Euphrat und Tigris: Ein sumerischer Brotbäcker lässt den Teig zu lange in der Sonne stehen, so die Legende. Die Hefekulturen setzen daraufhin einen Gärprozess in Gang. Das Resultat ist eine pappige, klebrige Masse mit berauschender Wirkung, der Vorläufer des heutigen Bieres.

Die Sumerer, die damals das Zweistromland Mesopotamien bevölkerten, entwickelten die Bierkultur weiter. Dieses hochentwickelte Volk kannte bereits vier verschiedene Methoden, aus vergorenem Brotteig Bier herzustellen. Die sumerischen Frauen bevorzugten etwa Bier aus Emmer. Das ist die erste kultivierte Weizenart der Menschheitsgeschichte, dem Dinkel sehr ähnlich.

Aber auch in Ägypten, im Land der Pharaonen und Pyramiden, liebten die Menschen den Vorläufer des heutigen Bieres. Davon zeugen Wandmalereien und Schriftzeichen. Auch im Gilgamesch-Epos, einem der ältesten Werke der Weltliteratur, das um 2000 vor Christus in Babylonien entstand, findet das Bier Erwähnung. Darin heißt es: "Iss nun das Brot, o Endiku, denn das gehört zum Leben, trink auch vom Bier, wie es des Landes Brauch."

Zum Brauch wurde das Biertrinken auch unter den Germanen. Das belegen zahlreiche Funde von Bieramphoren aus der Zeit um 800 vor Christus. Bei den Germanen fiel das Bierbrauen übrigens in den Aufgabenbereich der Frauen.

Klosterbrauereien

Im frühen Mittelalter wurde die Kunst des Bierbrauens besonders in den Klöstern weiterentwickelt. Eine Chronik aus dem Jahre 820 nach Christus erwähnt das Schweizer Kloster St. Gallen als erste Brauerei unter der Leitung von Mönchen. Die Mönche brauten im großen Stil, machten den kleineren bürgerlichen Brauereien Konkurrenz.

Die Ordensbrüder legten Hopfengärten an und verfeinerten ständig den Geschmack des Bieres. Aber sie arbeiteten auch intensiv daran, ein nahrhaftes und starkes Bier herzustellen. Das war ihnen wichtig, um die harten Einschränkungen der kargen Fastenzeit umgehen zu können. Die Regel lautete schließlich: "Was flüssig ist, bricht kein Fasten."

Der Legende nach schickten die bierbrauenden Mönche vorsichtshalber eine Probe ihres Spezialbieres über die Alpen nach Rom. Der Papst sollte sich davon überzeugen, dass sie dieses Getränk auch wirklich zur Fastenzeit zu sich nehmen durften.

Das Gebräu überstand den langen Weg aber nicht unbeschadet und kam als saure Brühe vor den Pontifex Maximus. Der sah in dem zweifelhaften Genuss dieser Brühe eher eine Buße als eine Freude und gab seinen Segen.

Die päpstliche Freigabe freute die Mönche natürlich sehr. Das Geschäft mit dem Klosterbier florierte und viele Klöster wurden durch ihre Braukunst wohlhabend und berühmt.

Ein Klosterpater beim Vesper mit Bier.

Ein Klosterpater sitzt genüsslich am Tisch

Die weltliche Brauwirtschaft im Mittelalter

Mit der Erschließung der internationalen Handelswege begann die Zeit der großen Kaufleute, der reichen Handwerker und der Zünfte. Von dem wirtschaftlichen Boom profitierten natürlich auch die Bierbrauer, vor allem in den Hansestädten.

Bremen entwickelte sich zum bedeutendsten Brauhandelsplatz: Von dort aus gingen große Mengen Exportbier nach Holland, Flandern, England und nach Skandinavien. Hamburg war zu jener Zeit als "das Brauhaus der Hanse" bekannt.

Im 16. Jahrhundert gärte hier in 600 Brauereien Gerstensaft. In manchen Städten und Dörfern war die Brauwirtschaft der wichtigste Arbeitgeber. Auch das norddeutsche Städtchen Einbeck machte sich als Brauermetropole einen Namen. Zu jener Zeit hatte das Bier aus dem Norden Deutschlands einen weitaus besseren Ruf als das aus den Braustätten Bayerns.

In der expandierenden Brauwirtschaft kam es natürlich auch zu Verfehlungen. Nicht wenige Brauer wurden als Bierpanscher entlarvt, die sich auf Kosten der Zecher bereichern wollten.

Vor allem in Augsburg müssen es die Bierverdünner arg getrieben haben. Kaiser Friedrich I. – besser bekannt als Barbarossa – sah sich genötigt, den Burgvogt der Stadt im Jahre 1156 anzuweisen, fünf Gulden Strafe zu verhängen, wenn schlechtes Bier ausgeschenkt würde.

Auch in anderen Städten versuchten die Menschen das Problem in den Griff zu bekommen. Eine landesweite Verordnung folgte dann am 23. April 1516. An jenem Tag verfügten Herzog Wilhelm IV. von Bayern und sein Bruder Ludwig X. das Gebot, dass zur Herstellung von Bier einzig und alleine Gerstenmalz, Hopfen und Wasser zu verwenden sei – das Reinheitsgebot war geschaffen.

Kaiser Barbarossa auf einem Gemälde.

Kaiser Barbarossa achtete streng auf die Bierqualität

Industrielle Revolution, auch fürs Bier

Der technische Fortschritt veränderte auch die Bierwirtschaft. Als sich 1835 die erste mit Dampf getriebene Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth schnaufend in Bewegung setzte, hatte sie Kostbares geladen: Bier.

Der Aufbau des Schienennetzes revolutionierte den Transport und bot neue Möglichkeiten, das schäumende Brauerzeugnis auszuliefern. Als sich der 1822 geborene französische Chemiker und Mikrobiologe Louis Pasteur in seiner wissenschaftlichen Arbeit mit der Hefe und deren Rolle beim Brauprozess beschäftigte, brachten seine Forschungsergebnisse auch neue Erkenntnisse für die Bierproduktion mit sich.

Bis dahin verrichteten die Pilzkulturen ihre Aufgabe während des Brauens eher unkontrolliert. Die Biere waren immer wieder ungenießbar. Louis Pasteur fand heraus, dass es zwei unterschiedliche Hefearten gibt, ober- und untergärige.

Untergärige Hefe sinkt gegen Ende des Gärungsprozesses zu Boden, obergärige steigt wegen ihrer größeren Zelloberfläche nach oben. Die Kohlensäure drückt sie hoch. Beide Hefearten vergären die Zucker unterschiedlich und produzieren verschiedene Nebenprodukte.

Ein Mann rührt in einem Maischbottich.

Ein Brauer rührt in einem Maischbottich

Eisbrocken aus dem Teich halfen dem Bier über den Sommer

Die moderne Zeit brachte neue Erfindungen – und damit die Lösung für alte Probleme. Das Bier mag es kalt. Früher sägten die Menschen im Winter riesige Eisstücke aus den zugefrorenen Teichen. Diese Eisbrocken retteten das Bier dann in eigens dafür hergerichteten Eiskellern über den Sommer.

Dieser große Aufwand wurde den Brauern durch die Erfindung von Carl von Linde erspart, der 1873 den Prototyp seiner Kältemaschine fertiggestellt hatte. Natürlich war es eine Brauerei, die als Geldgeber die Arbeit von Linde im Vorfeld unterstützt und gefördert hatte.

Das neu entwickelte Kühlsystem sorgte nicht nur für stets gut temperiertes Bier, es ermöglichte auch das Brauen von untergärigem Bier im Sommer. Im Gegensatz zur obergärigen Hefe, die Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad bevorzugt, braucht die untergärige Hefe eine Brautemperatur von vier bis neun Grad Celsius.

Carl von Linde.

Carl von Linde, der Erfinder eines Kühlungsverfahrens

Stand: 21.09.2018, 14:00

Darstellung: