Anekdoten und Geschichten

Champagnerflaschen in einem Eiskübel

Champagner

Anekdoten und Geschichten

Von Tobias Aufmkolk und Bärbel Heidenreich

Sir Winston Churchill soll einmal über den Champagner gesagt haben: "Bei Siegen hat man ihn verdient, bei Niederlagen braucht man ihn." Champagner hat Tradition als das Besondere für besondere Menschen und besondere Anlässe.

Thema für die Kinoleinwand

Champagner ist bekanntermaßen nicht nur ein beliebter Stoff für den Gaumen, sondern auch für den Geist. Damit wurde das prickelnde Getränk auch zum Thema von Spielfilmen.

1928 drehte desr britische Meisterregisseur Alfred Hitchcock zum Beispiel seinen Film "Champagne". Es geht um die verbotene Liebe einer Champagnermillionärstochter zu einem unerwünschten jungen Mann. Hitchcock hielt dieses Frühwerk wegen seines banalen Inhalts für seinen schlechtesten Film. Dennoch ist die Komödie aus der Stummfilmzeit nur so gespickt mit komischen Details.

Der französische Regisseur Claude Chabrol hingegen inszenierte um das edle Getränk einen seiner kühlen und düsteren Thriller. Der 1966 erschienene Film "Champagner-Mörder" mit Anthony Perkins in der Hauptrolle spielt zu großen Teilen auf dem Weingut einer reichen Champagner-Dynastie. Dort passieren viele mysteriöse Dinge, darunter drei unaufgeklärte Frauenmorde. Das düstere Frühwerk von Claude Chabrol ist gespickt mit gesellschaftskritischen Seitenhieben auf die französische Upper Class.

Mit spitzer Feder

In Karikaturen witzelt man gerne über das Luxusgesöff und seine Anhänger. Unsanft ging man zum Beispiel mit König Edward VII. um, der von 1901 bis 1910 die britische Krone trug. Als Thronfolger von Königin Victoria, die 64 Jahre lang Großbritannien regierte, musste er bis zu seinem 59. Lebensjahr auf die begehrte Krone warten. Diese Zeit vertrieb er sich in Nachtclubs, auf ausschweifenden Partys und exklusiven Jagdgesellschaften.

Edward VII. liebte das süße Leben – und damit auch die französische Lebensart. Champagner durfte dabei natürlich nicht fehlen. Zeit seines Lebens war er wegen seinen Ausschweifungen ein beliebtes Objekt damaliger Karikaturisten.

Ein dicklicher Mann mit weißem Vollbart sitzt in Begleitung einer Bardame mit einem Glas Champagner und einer dicken Zigarre auf einem Sofa.

Edward VII. liebte das Nachtleben von Paris

Kaiser Wilhelm II. ließ Champagner hoch besteuern

In Deutschland gab es zu dieser Zeit eine andere "Schampus-Affäre" zu karikieren. Als 1902 die Besteuerung des Schaumweins eingeführt wurde, schoss man in der Presse mit "Schampus"-Kanonen und Korken.

Kaiser Wilhelm II. ließ sich jedoch von seinem Vorhaben nicht abbringen. Er benötigte dringend Geld, um den Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals und den Aufbau der kaiserlichen Kriegsflotte zu finanzieren. Da nützten auch alle Proteste der deutschen Sozialdemokraten nichts, die ihren geliebten Champagner weiter steuerfrei genießen wollten.

Die Steuer wurde übrigens 1933 von den Nationalsozialisten zur Überwindung der Wirtschaftskrise wieder abgeschafft, nur um sie sechs Jahre später zur Finanzierung der U-Boot-Flotte wieder einzuführen.

Verräterische Lieferungen

Im Zweiten Weltkrieg plünderten die Nazis nach der Besetzung Frankreichs die teuersten Champagner- und Rotweinvorräte – pro Jahr an die 320.000 Flaschen. Es ging vor allem um das Prestige: Die Nazis raubten den Franzosen ihr Nationalgetränk.

Hitler war zwar Abstinenzler, aber seine Gefolgsmänner hielten sich für wahre Gourmets, zum Beispiel Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop. Er war der Schwiegersohn des deutschen Sektkönigs Otto Henkel und belieferte in Friedenszeiten als Exporteur für Mumm und Pommery deutsche Händler.

Männer stehen an Kanonen, deren Läufe Champagnerflaschen sind. Ihre Geschosse sind die Korken. Sie zielen auf protestierende Bürger.

Karikatur zur Schaumweinsteuer im Deutschen Reich 1902

Nur Männer aus Weinhändlerfamilien sollten die Champagner- und Weinvorräte kontrollieren. Wenn diese allerdings mal nicht aufpassten, füllten die Franzosen ganz schnell minderwertigen Wein in die Flaschen um. In der Champagne versteckte man die besten Sorten in den kilometerlangen unterirdischen Gängen der Kreidefelsen.

Die meisten Soldaten, die für den Abtransport zuständig waren, konnten billige Qualität von teurer nicht unterscheiden. Daher wälzten die Franzosen die billigen Flaschen im Teppichstaub, bis sie alt aussahen und etikettierten sie mit dem Vermerk "Reserviert für die Wehrmacht". Aus der Champagne kam nicht selten sprudelndes Spülwasser statt Champagner. Aber auch Eisenbahner machten beim Tricksen mit und ließen ganze Waggons mit Bestellungen für Deutschland verschwinden.

Fast täglich bestellte die deutsche Luftwaffe neue Lieferungen. Das war allmählich verräterisch: So sollten zum Beispiel 1940 Zehntausende Flaschen nach Rumänien geschickt werden, vermutlich um einen bevorstehenden Sieg zu feiern. Einige Tage später war das Land besetzt.

Nachdem die französische Widerstandsbewegung Résistance diese Bestellungen durchschaute, wusste sie, wo der nächste Angriff stattfinden würde und informierte den britischen Geheimdienst. Als eine Bestellung mit einer speziellen Verkorkung für ein heißes Klima kam, war klar: Die Lieferung sollte zu General Rommel nach Nordafrika gehen.

Stand: 21.09.2018, 15:00

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