Schweizergarde

Die Schweizergarde steht Spalier.

Schweiz

Schweizergarde

Eigentlich ist es doch merkwürdig: Ausgerechnet ein Land, das europaweit für seine Neutralität und Friedfertigkeit geschätzt wird, stellt bis heute dem Vatikan eine bewaffnete Truppe zur Verfügung. Doch als die Schweizergarde 1506 gegründet wurde, hätte niemand daran Anstoß genommen. Denn anders als heute war die Schweiz damals bitterarm. Viele Familien verdienten sich ein kleines Zubrot, indem sie einen ihrer Söhne als Söldner auf die Schlachtfelder des kriegerischen europäischen Kontinents schickten.


Die neue Leibwache des Papstes

Bei den Kriegsherren waren die Schweizer Söldner gleichermaßen beliebt und gefürchtet: Weil das Wirtschaftsleben der armen Kantone im Innern Schweiz fast gänzlich vom Geschäft mit den Leihsoldaten abhing, verrichteten die Schweizer Söldner ihren Dienst besonders gut und zuverlässig. Auf die eidgenössischen Soldaten soll selbst dann Verlass gewesen sein, wenn sie sich auf den gegnerischen Seiten ein und derselben Front wiederfanden.

Auch Papst Julius II. hatte vom guten Ruf der Schweizer Söldner gehört – und bestellte sich 1505 bei den Eidgenossen zunächst einmal 150 Mann als Leib- und Palastwache, die im darauf folgenden Jahr einsatzbereit war. Sein Hintergedanke: Dank der Schweizer Neutralität konnte man einigermaßen sicher sein, dass die eigene Leibgarde am Ende nicht doch aus heimlichen Feinden bestehen würde.

Die erste Bewährungsprobe ließ nicht lange auf sich warten. Am 6. Mai 1527, bei der Plünderung Roms durch deutsche Landsknechte und spanische Söldner, starben drei Viertel der Schweizergarde, als sie Papst Clemens VII. beim Rückzug in die Engelsburg deckten. Zur Erinnerung an diesen Einsatz werden die Rekruten der Schweizergarde bis heute am 6. Mai vereidigt.

Die Schweizergarde paradiert auf dem Petersplatz in Rom

Seit 1506 im Dienst des Papstes

Die Gardisten heute

Seit den Anfängen hat sich bei der ältesten noch existierenden Armee der Welt allerdings nicht mehr viel geändert. Nun ja, bis auf die Uniform: Die sieht in ihrer fast karnevalstauglichen Farbenpracht zwar verdächtig nach Renaissance aus, entworfen wurde sie allerdings erst Anfang des 20. Jahrhunderts, sozusagen als Erinnerung an die gute alte Zeit.

Davor sollen die Gardisten manchmal sogar Pickelhauben und Kaiser-Wilhelm-Bärte getragen haben – auch wenn die Schweizergarde bis zum heutigen Tag stets nur aus waschechten Schweizer Staatsbürgern besteht. Außerdem muss ein Gardist unter anderem katholisch, männlich, unter 30 Jahre alt, gesund und zumindest anfangs unverheiratet sein. Eine abgeschlossene Ausbildung zählt ebenfalls zu den Voraussetzungen.

Verrichteten die früheren Söldner einfach nur ihre Arbeit, wollen die heutigen Gardisten als Soldaten und als Gläubige ernst genommen werden. Allerdings: Echte Sorgen um die irdische berufliche Zukunft muss sich keiner von ihnen machen. Viele wechseln irgendwann einmal ins Sicherheitsgewerbe – schließlich arbeiten sie auf Reisen und im Vatikan auch als päpstliche Bodyguards.

Dass sie zumindest im Apostolischen Palast, den Wohn- und Schlafgemächern des Papsts, für diese Aufgabe nur Pfefferspray zur Verfügung haben, erzählt man besser gar nicht weiter. Wobei Papst Benedikt XVI. ja ohnehin noch auf eine ganz andere Macht vertraute: In seinen Ansprachen vor der Schweizergarde erbittete er immer auch den Schutz der Jungfrau Maria – sicher ist sicher.

Schweizergarde in blau-rot-gelben Uniformen steht stramm

Aufgenommen werden nur gläubige Katholiken

Autorin: Kerstin Hilt

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Stand: 10.07.2018, 09:21

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