Die Industrialisierung der Schwäbischen Alb

Schwarz-weiß-Zeichnung der Rheinbrücke bei Waldshut

Schwäbische Alb

Die Industrialisierung der Schwäbischen Alb

Von Almut Röhrl

Die Schwäbische Alb ist bis heute in ihrer Gesamtheit ein eher ländlich geprägter Raum geblieben. Dennoch gab es Zentren der Industrieansiedlung, die während der vergangenen 200 Jahre als Innovationszentren galten und bis heute fortwirken.

Eisenbahn

Mit dem Bau der Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein wichtiger Grundstein für die Industrialisierung der Alb gelegt. Diese betraf jedoch nur Gegenden, bei denen ein Anschluss als lohnenswert erachtet wurde. Somit kam es zu einer ungleichen Industrialisierung und einer unterschiedlichen Verstädterung der Alb.

Das Volkslied "Uff der Schwäb’sche Eisabahna" drückt diese Diskrepanz zwischen Moderne und bäuerlicher Welt deutlich aus. Der Eisenbahnbau ermöglichte bei Bedarf eine Zuführung von Arbeitskräften aus den Städten und gleichzeitig eine Verbindung der entlegenen Produktionsstätten mit den Metropolen.

Textilindustrie

In ganz Laichingen ratterten und wackelten in den Häusern die Webstühle, und plötzlich kamen Industrielle wie die Weberei Pichler aus Stuttgart (1876) dazu. Sie produzierten Tischwäsche, sodass Arbeitsplätze entstanden und endlich auch die Armut weniger wurde.

Zeitgleich brachte auch der Baumwollboom mechanische Webstühle auf die Alb und führte zur Gründung größerer Baumwollmanufakturen, zum Beispiel in Heidenheim. In Albstadt entwickelte sich die Trikotindustrie, die schon bald bis ins Ausland lieferte. In Wechselwirkung entstand die Papierindustrie, die für die Textilindustrie produzierte. Bis heute wird auf der Alb bekannte Markenwäsche produziert.

Dazu kommen inzwischen technische Textilien – in der Region Neckar-Alb sind allein rund 60 Techtex-Unternehmen ansässig, die Spezialtextilien wie Schutzanzüge, Textilien für den Medizin- und Orthopädiebedarf sowie technische Textilien für die Automobilindustrie und den Flugzeugbau herstellen. Sie stehen für einen Wirtschaftszweig, der für den Standort Deutschland einzigartig und wichtig ist.

Ein Weberei-Saal um circa 1857

Ein Weberei-Saal um 1857

Eisenindustrie

Schon früh spielte Eisenverhüttung eine besondere Rolle auf der Schwäbischen Alb. Anfang des 19. Jahrhunderts war zum Beispiel das Hüttenwerk Königsbronn an der Brenz mit seinem Hochofen und der Gießerei ein Vorzeigeunternehmen in der Verarbeitung von Bohnerzen.

Aber auch metallverarbeitende Firmen wie WMF spielten eine wichtige Rolle. WMF war zunächst für den Bau der Geislinger Steige gegründet, bevor es nach dem Ersten Weltkrieg mit Besteckherstellung seine heutige Bekanntheit erlangte.

Vielerorts entwickelten sich Industrien wie Feinmechanik in Balingen (Waagen von Bizerba), und bis heute befinden sich in Tuttlingen die Industrie für chirurgische Instrumente und medizinische Geräte, in Heidenheim die Papierherstellerfirma "Voith", in Reutlingen die Metalltuchindustrie, in Herbrechtingen die Firma Osram, in Giengen/Brenz die Firma Bosch sowie die Zeiss-Werke in Oberkochen.

Armut und Tüftlergeist

Klima, Boden, Wasser und Wind hatten es den Menschen hier immer schon schwerer gemacht das Land zu bewirtschaften als beispielsweise den Menschen aus dem nahen Neckarraum. Die aufkommende Industrialisierung im 19. Jahrhundert bot willkommene Chancen und oft funktionierte auch das Motto "Not macht erfinderisch".

Viele Tüftler und Erfindungen stammen von der Schwäbischen Alb. Die Winter waren lang und so wundert es nicht, dass bei den Menschen die nötige Zeit da war, um etwas zu entwickeln.

Stand: 13.06.2019, 16:10

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