Papst Johannes Paul II.

Päpste

Papst Johannes Paul II.

Mehr als 25 Jahre regierte der Charismatiker den Staat der Vatikan-Stadt, gebot über 900 Einwohner im Vatikan und eine Milliarde katholische Christen weltweit. Am 2. April 2005 verstarb Papst Johannes Paul II. nach langer Krankheit. Wer war dieser Mann, der vom päpstlichen Thron aus mithalf, die kommunistische Welt zum Einsturz zu bringen und sich beharrlich jeder inneren Modernisierung der Kirche verweigerte?

Von der Literatur zur Theologie

Papst Johannes Paul II. an seinem 80. Geburtstag.

Zu Lebzeiten bewundert und kritisiert

Johannes Paul II. hieß mit bürgerlichem Namen Karol Wojtyla. Geboren wurde er 1920 in Wadowice, Polen. Seine Mutter starb, als er neun Jahre alt war, für ihn ein furchtbarer Verlust. Seinen Bruder verlor er mit zwölf, seinen Vater mit 21 Jahren, was ihn für sein weiteres Leben tief zeichnen sollte. Ab 1938 studierte er Philosophie und Literatur in Krakau.

Karol war ein sehr musischer Mensch, verfasste eigene Lyrik und Theaterstücke, spielte leidenschaftlich gerne Theater. Er bekam das ganze Ausmaß des deutschen Vernichtungskrieges mit, wurde von den Nazis für Arbeit in einem Steinbruch und in einer Chemiefabrik zwangsverpflichtet.

Ein Junge blickt auf dem Schwarzweiß-Foto ernst in die Kamera.

Karol im Alter von zwölf Jahren

Im Jahr 1942 fühlte er sich zum Priestertum berufen und trat heimlich dem Priesterseminar der Erzdiözese Krakau bei, das - obwohl längst verboten - im Untergrund weiter existierte. Karol Wojtyla wurde 1946 zum Priester geweiht, promovierte und wurde 1954 Professor an der Universität von Lublin. Im Jahr 1958, im Alter von nur 38 Jahren wurde er Weihbischof von Krakau.

Ein Pole auf dem Papstthron

Wojtyla nahm aktiv am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) teil, wo er entscheidende Impulse einer progressiven Kirchenreform erhielt und zahlreiche Kontakte knüpfte. 1964 wurde er Erzbischof von Krakau. Er ging beharrlich, wenn auch nicht offensiv gegen das kommunistische Regime vor, indem er immer wieder die freie Religionsausübung für alle Polen einforderte. Im Jahr 1967 wurde er zum Kardinal berufen. Im Dreipäpstejahr 1978 wurde er mit nur 58 Jahren als Nachfolger des 30-Tage-Papstes Johannes Paul I. zum Papst gewählt.

Das Kardinalskollegium setzte große Hoffnungen in ihn und versprach sich durch ihn nach dem Zweifler Paul VI. und dem tragischen Tod Johannes Paul I. eine Wiedererstarkung des Pontifikats und der katholischen Kirche. Wojtyla nahm den Namen Johannes Paul II. an. Seit dem Niederländer Hadrian VI. (gestorben 1523) war erstmals wieder ein Nicht-Italiener auf dem Papsttrohn.

Das zähe Ringen gegen den Kommunismus

Papst Johannes Paul II. verhalf dem Papsttum zu einer großen Renaissance. Es gelang ihm dank seiner Sprachbegabung, seiner Unerschütterlichkeit im Glauben und seines charismatischen Auftretens die Menschen für sich zu begeistern. Von Beginn an nahm Johannes Paul II. den Kampf mit den kommunistischen Machthabern auf. Immer wieder mischte er sich lautstark in die Politik des Kalten Krieges ein.

Besonders seine Reisen nach Polen und die Unterstützung der Soildarnosc-Bewegung hatten Signalwirkung. Der Papst machte aus seinem Konfrontationskurs gegen die kommunistischen Machthaber keinen Hehl. Offen warb er für die Einheit der Christen von West und Ost und wurde zur Symbolfigur des kommunistischen Niedergangs.

Der eilige Vater

Für Furore sorgten seine mehr als 130 Auslandsreisen und sein Einsatz für die christliche Jugend. Wie kein Papst vor ihm hat er, wohl auch aus polnisch-katholischer Prägung heraus, Christen heilig und selig sprechen lassen, sowie den Marienkult gefördert. Insbesondere hat Papst Johannes Paul II. sich immer wieder für die Ökumene eingesetzt, die Einheit der Christenheit, den Dialog mit den orthodoxen Kirchen, und den interreligiösen Dialog mit den anderen großen monotheistischen Religionen Judentum und Islam.

Der Papst in weißer Kluft kniet auf dem Boden, hat sich nach vorn gebeugt und küsst die Erde.

Berühmte Geste: Der Papst küsst die Erde

Der Papst warb immer wieder mit unermüdlichem Einsatz für die Aussöhnung und den Frieden in der Welt, und mischte sich bis zuletzt in politisch brisante Themen ein. Besonders hat Johannes Paul II. heftig den Irakkrieg und seine Konsequenzen angeprangert. Im von ihm ausgerufenen heiligen Jahr 2000 überraschte er die Welt mit einem "Mea Culpa", einem großen Schuldeingeständnis für die Verfehlungen der Kirche an der Menschheit, insbesondere die Judenverfolgungen, Inquisition und Glaubenskriege.

Konservative Erstarrung

Während seine außenpolitischen Initiativen prägend für den Niedergang des Kalten Krieges wurden, hat Johannes Paul II. in einer Zeit größter Umbrüche einen Konsolidierungskurs betrieben, der besonders unter den Gläubigen der westlichen Welt immer wieder auf fundamentale Kritik stieß. Sein Festhalten am Zölibat, dem Gebot der Ehelosigkeit für Priester, sein wertkonservatives Bild der traditionellen Familie, rigorose Ablehnung von Verhütung und Abtreibung hielten längst auch viele Anhänger der katholischen Kirche für überholt. Besonders die Betonung eines überkommenen Rollenverständnisses von Mann und Frau und die Aufrechterhaltung des patriarchalen Gefüges der Amtskirche, in der Frauen Priesterweihe und zentrale Ämter verwehrt blieben, stießen vielerorts auf Unverständnis.

Auch der Ausschluss kritischer Stimmen, wie etwa die Entziehung der Lehrbefugnis des Schweizer Theologen Hans Küng im Jahr 1979, weil Küng Zweifel am Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit geäußert hatte, führte zu Verwerfungen zwischen Rom und Christen in aller Welt.

Prekärer Gesundheitszustand

Am 13. Mai 1981 verübte der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Agca auf dem Petersplatz in Rom ein Attentat auf Johannes Paul II.. Der Papst wurde durch drei Kugeln in den Unterleib schwer verletzt. Bis heute wurden hinter dem Attentäter Hintermänner, etwa aus dem Inneren des ehemaligen sowjetischen Geheimdienst KGB vermutet. Der Papst vergab dem Attentäter noch auf dem Krankenbett, konnte sich körperlich aber nie mehr ganz von dem Attentat erholen.

Das Schwarzweiß-Foto zeigt Papst Johannes Paul II. in weißer Kleidung. Er sitzt in einer Gefängnisstelle auf einem Stuhl. Ihm gegenüber sitzt ein jüngerer Mann, der sich zum Papst nach vorn beugt.

1983: Der Papst besucht seinen Attentäter

Jahrelang litt Papst Johannes Paul II. unter der Parkinsonschen Krankheit, dankte aber nicht ab. Im Frühjahr 2005 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch - dokumentiert von Medien aus aller Welt. Am 2. April 2005 verstarb Papst Johannes Paul II.. Er war der am drittlängsten amtierende Papst in der Geschichte.

Autor/in: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 09.06.2015, 12:00

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