Juan Domingo Perón

Juan Peron.

Argentinien

Juan Domingo Perón

Von Tobias Aufmkolk

Niemand prägte die argentinische Politik im 20. Jahrhundert so sehr wie Juan Domingo Perón (1895-1974). 1946 ließ sich der charismatische und widersprüchliche General erstmals zum demokratischen Präsidenten des Landes wählen. Durch geschickte taktische und strategische Manöver bestimmte er in den folgenden Jahrzehnten mal als Präsident, mal aus dem Exil die politischen Geschicke des Staates. Bis heute werden er und vor allem seine zweite Ehefrau Evita in Argentinien verehrt.

Karriere in der Armee

Perón verdankt seine Karriere der Armee. Bereits mit 15 Jahren tritt der junge Juan Domingo in die Militärschule ein. In den folgenden Jahrzehnten macht er eine steile Karriere als Offizier. Nach einem Putsch gegen die demokratische Regierung im Jahre 1930 bekommt er einen Posten im Verteidigungsministerium.

Von 1939 bis 1941 ist Perón als Militärattaché in Italien abgestellt. Hier kristalliert sich erstmals seine Bewunderung für die europäischen Diktatoren heraus. Besonders General Franco in Spanien und Benito Mussolini in Italien haben es ihm angetan.

Nach seiner Rückkehr nach Argentinien beteiligt sich Perón 1943 erneut an einem Militärputsch. Noch im selben Jahr übernimmt er die Posten des Arbeitsministers, Kriegsministers und Vizepräsidenten in der neuen Regierung. In dieser Zeit beweist er ein hervorragendes Gespür für heikle Situationen und ein außerordentliches taktisches Geschick.

Held der Arbeiter

In den 1940er Jahren ist die Arbeiterbewegung in Argentinien enorm erstarkt. Viele der Arbeiter sind kommunistisch organisiert.

Perón ist jedoch ein ausgesprochener Gegner des Kommunismus und versucht daher, die Arbeiter auf seine Seite zu bringen. Er überzeugt sowohl seine Militärgefährten als auch konservative Gutsbesitzer und Unternehmer davon, die Arbeiter staatlich zu organisieren.

Er stärkt die Gewerkschaften, führt geregelte Arbeitszeiten, Ferien, die Rente und Weihnachtsgeld ein. Für die bis dato unterprivilegierte Arbeiterschicht ist Perón fortan ein Held.

Auf die Unterstützung der Arbeiter kann Perón auch bauen, als seine Offizierskameraden den mächtigen Minister loswerden wollen. 1945 zwingen sie ihn zum Rücktritt und verbannen ihn. Doch die Militärs haben die Rechnung ohne die selbstbewusst gewordenen Arbeiter gemacht. Hunderttausende von ihnen marschieren am 17. Oktober 1945 zum Präsidentenpalast und fordern die Rückkehr von Perón.

Um einen Aufstand abzuwenden, lenken die Militärmachthaber ein. Noch am selben Abend hält Perón vor der Menschenmasse eine begeisternde Rede und kündigt freie Wahlen an. Im Februar 1946 gewinnt er dank der Unterstützung der Arbeiter, der katholischen Kirche und des Heeres mit überwältigender Mehrheit die Wahl zum Präsidenten. Die politische Bewegung des Peronismus, die bis heute Argentinien mitbestimmt, ist geboren.

Perón und Evita in einem offenen Wagen bei einer Fahrt durch die Straßen. Er hat eine Uniform an und salutiert, sie trägt ein schickes Kostüm und winkt.

Das Volk liegt ihnen zu Füßen

Peróns wichtigste Unterstützung: Evita

Perón ist zweifellos ein charismatischer Führer und ein großer Redner, der die Massen mobilisieren kann. Doch eine Person hat maßgeblichen Anteil an seinem Erfolg: Eva Duarte Perón, genannt Evita. Sie ist der Star an seiner Seite, der uneingeschränkte Liebling der Armen und Geknechteten.

Eva Duarte wird 1919 als uneheliches Kind in der argentinischen Provinz geboren. Mit 15 Jahren brennt sie von zu Hause nach Buenos Aires durch. Sie hat den unbändigen Willen, nach oben zu kommen. Eva Duarte fängt beim Radio als Moderatorin an und wird binnen kurzer Zeit ein gefragter und beliebter Star. Ihre Männer sucht sie sich stets nach Macht und Status aus.

1943 trifft sie bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf den mächtigen Perón. Dieser ist dem Charme der jungen Dame schnell erlegen und beginnt eine Liaison mit ihr. Beide haben großen Nutzen von dieser Verbindung. Evita macht den ersten Schritt zur First Lady des Landes und Perón nutzt die Beliebtheit des Radiostars für Propagandasendungen zu seinen Gunsten.

Auch als seine Offizierskameraden den immer mächtiger werdenden Perón loswerden wollen, springt ihm Evita zur Seite. Sie ist eine der Organisatorinnen der Arbeiterproteste, die Perón wieder ins Amt verhelfen. 1946 macht der Witwer Perón Evita zu seiner zweiten Frau.

Fortan stilisiert sich Evita selbst zum "Engel der Armen". Unmengen an Geld fließen in ihre Wohltätigkeitsorganisationen, sie kämpft für bessere Arbeits- und Wohnbedingungen und die Rechte der Frauen. Das Volk liegt ihr deshalb zu Füßen, sie elektrisiert die Massen und ihre Popularität kennt keine Grenzen.

Evita Perón bei einer Wahlkampfveranstaltung. Sie ruft in ein Mikrofon.

Unbändiger Wille, nach oben zu kommen

Wirtschaftliche Erfolge und Zuflucht für Kriegsverbrecher

Peróns erste Amtszeit (1946-1951) sind goldene Zeiten für Argentinien. Der Präsident hebt die Löhne der Arbeiter an und verstaatlicht die Eisenbahn- und Telefongesellschaft. Nahrungsmittelexporte in das wirtschaftlich ausgeblutete Europa bringen hohe Gewinne.

Doch Perón hat noch ehrgeizigere Pläne: Er will Argentinien zu einem führenden Industriestaat machen. Dabei bedient er sich jedoch unsauberer Mittel.

Argentinien fehlt das technische Knowhow, um eine eigene Industrie aufzubauen. Dieses Knowhow ist wiederum in Deutschland zu finden. Viele deutsche Kriegsverbrecher fliehen nach dem Zweiten Weltkrieg vor den alliierten Siegermächten.

Perón, der ein Bewunderer preußischer Tugenden ist, nutzt die Gunst der Stunde und schleust auf der sogenannten Rattenroute mehrere tausend NS-Kriegsverbrecher nach Argentinien, darunter auch Nazi-Größen wie KZ-Arzt Josef Mengele oder den Leiter der Juden-Deportationen, Adolf Eichmann.

Viele von ihnen können fortan unbehelligt in Südamerika leben. Für den erhofften Aufbau der Industrie sorgen sie aber nicht.

Josef Mengele, Lagerarzt im KZ Auschwitz (Die Aufnahmen links und in der Mitte sind von 1938, die Aufnahme rechts von 1956)

Josef Mengele taucht lange in Argentinien unter

Exil in Europa

Nach Peróns Wiederwahl 1951 scheint ihn sein Glück zu verlassen. Am 26. Juli 1952 stirbt Evita mit gerade mal 33 Jahren an Krebs. Der argentinische Schriftsteller Eduardo Galeano bemerkt dazu: "Wenn Evita tot ist, ist der Präsident Perón ein Messer ohne Klinge."

Fortan unterlaufen ihm taktische Fehler, er verprellt wichtige Verbündete. Dazu haben die Sozialprogramme und Industrialisierungsversuche den Staat fast in den Ruin getrieben. Als er sich auch noch durch mehrere liberale Gesetze mit der Kirche anlegt, hat Perón seinen Kredit verspielt. 1955 putscht ihn das Militär aus dem Amt. Perón flieht über Paraguay, Venezuela und Panama ins Exil nach Madrid.

Während seines Exils in Europa zerfällt seine mittlerweile verbotene Partei in mehr oder weniger radikale Gruppierungen. Perón verliert jedoch nie den Kontakt in sein Heimatland. Im Hintergrund zieht er immer die Fäden, paktiert mal mit dieser, mal mit jener Gruppierung. Ziel ist stets die Rückkehr nach Argentinien.

1973 ist die Militärdiktatur durch anhaltende Krisen so geschwächt, dass sie wieder freie Wahlen ausruft. Der Peronist Héctor Cámpora gewinnt die Wahl und nur wenige Wochen später bereiten eine Million Menschen Juan Perón einen überwältigenden Empfang auf dem Flughafen von Buenos Aires.

Juan Perón winkt lachend in die Kamera.

Auch im Exil behält er die Fäden in der Hand

Der Weg in den Untergang

Der Heimkehrer setzt Cámpora von Beginn an so sehr unter Druck, dass dieser bald seinen Posten räumt. Noch im selben Jahr lässt sich Perón zum dritten Mal zum Präsidenten wählen. Doch seine letzte Amtszeit steht unter einem ungünstigen Stern.

Der gesundheitlich angeschlagene Präsident setzt seine dritte Ehefrau María Estela Martínez de Perón, genannt Isabel, als Vizepräsidentin ein. Mittlerweile ist seine Abneigung gegen linke Strömungen im Land so groß geworden, dass er einen harten Kurs gegen sie fährt.

Am 1. Juli 1974 stirbt der ehemalige Held der Arbeiter. Die Amtsgeschäfte übernimmt fortan seine Frau. Innerhalb kurzer Zeit führt sie das Land in das totale Chaos. Mit ihr setzt der argentinische Staatsterror ein, der das Land für viele Jahre beherrschen soll.

Die neue Präsidentin baut die noch unter Perón eingerichtete paramilitärische Einheit "Alianza Anticomunista Argentina (AAA)" systematisch auf. Die als Todesschwadron berüchtigte AAA verfolgt und ermordet viele Linke und Andersdenkende. Dazu kommt die äußerst instabile Wirtschaftslage: Die Inflation steigt ins Unermessliche, die Löhne und Ersparnisse der Arbeiter schmelzen dahin.

Im März 1976 bringt das Militär das Land erneut unter seine Kontrolle. Vom Volk wird dieser Putsch zunächst noch als große Erleichterung empfunden, bis die Diktatur wenig später ihr wahres Gesicht zeigt.

Schwarzweiß-Foto: Isabel Perón ist bei einer Rede von Offizieren umringt und winkt mit beiden Armen der Menge zu.

Isabel Perón führt Argentinien ins Chaos

Stand: 26.07.2019, 16:05

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