Die Biologie der Ziege

Ziegen

Die Biologie der Ziege

Ziegen sind neugierig, unberechenbar, wählerisch und außerdem echte Kletterkünstler. Einfach zu halten sind sie daher nicht. Dennoch ist die Ziege mit das älteste Haustier des Menschen, Ziegenmilch die erste Tiermilch, die der Mensch zu sich genommen hat. Ziege und Mensch verbindet viel. Die Ziege gibt, gemessen an ihrem eigenen Körperumfang, enorm viel Milch, braucht dafür aber sehr wenig Platz und Futter. Diese Eigenschaft hat sie weltweit zur "Kuh des kleinen Mannes" gemacht.

Die Art (ursprüngliches Bergtier)

Die Urziege ist die Bezoarziege, eine robuste Rasse, die noch heute in den Hochgebirgen zwischen Kleinasien und Pakistan verbreitet ist. In Europa findet man die Bezoarziege nur auf einigen Inseln des Ägäischen Meeres. Ursprünglich ist die Ziege in den Bergen zu Hause - so erklären sich ihre verwegenen Kletterkünste und waghalsigen Sprünge. Ziegen lieben auch erhöhte Plätze, denn von dort lässt sich die Umgebung gut beobachten.

Delikatesse: Dornige Brombeersträucher

Eine Bezoarziege steht auf einem Felsen.

Die Urziege ist die Bezoarziege

Wie das Schaf ist auch die Ziege ein Wiederkäuer, lässt aber saftiges Gras links liegen. Denn Ziegen sind Busch- und Strauchfresser. Dornige Brombeersträucher sind für sie eine Delikatesse - dabei zupfen sie so geschickt die Blätter von den Zweigen, dass sie sich nicht weh tun. Damit die Massen an Grünzeug schneller das Maul passieren können, hat die Ziege oben nur eine Gaumenplatte. Nicht alle Ziegen haben Hörner, dabei kommt es nicht auf die Rasse an. Oft gibt es in einer Rasse gehörnte und hornlose Ziegen. Der Bock hat dagegen immer ein beeindruckendes Gehörn.

Die Psychologie der Ziege

So kapriziös (= ziegenhaft) die Ziege auch sein mag, sie ist doch ein Herdentier und somit gesellig. In einer Ziegenherde besteht eine strikte und von allen auch respektierte Rangordnung. Die Leitziege führt die Herde zum Fressen und zum Ruhen. Ist eine Ziege aufmüpfig, so reicht meist ein schräger Blick einer ranghöheren Ziege, und sie ist in ihre Schranken verwiesen. Nur beim Fressen gibt es Probleme: die Ranghöchste besteht darauf, als Erste das meiste und beste Fressen zu bekommen. Damit rangniedrige Ziegen nicht zu kurz kommen, bauen Ziegenhalter die Ställe so, dass jede Ziege zum Fressen ihren Platz und ihr Futter hat.

Ziegen und Schafe in einer Herde

Die Ziege ist ein geselliges Herdentier

Vor Überraschungen ist der Mensch bei Ziegen nie sicher, denn Ziegen sind nicht nur neugierig, sondern auch erfinderisch. Während Schafe bei Gefahren derart in Panik geraten, dass sie sich bei der Flucht das Genick brechen können, sind Ziegen zu neugierig und mutig. Nach drei Fluchtsätzen überlegen sie es sich anders und schauen sich die Sache erst einmal an. Auch melken darf sie nicht jeder, und wenn sie auf der schönsten Weide stehen, kann es sein, dass ihnen der Sinn nach einem Stück Papier auf der anderen Seite des Zauns steht.

Freundschaften mit anderen Tieren

Die Ziege kommt allerdings nicht nur mit Menschen gut klar, auch mit anderen Tieren kann sie eine tiefe Freundschaft verbinden. Besonders mit Pferden wird die Ziege in einen Stall gesteckt. So hat das Pferd einen treuen Begleiter und niemand fühlt sich einsam. Mit einem Tier steht die Ziege allerdings auf Kriegsfuß, und das ist der Hund. Er ist für sie der Wolf, der natürliche Feind. Wenn Ziegen untereinander kämpfen, richten sie Hornansatz gegen Hornansatz. Wenn eine Ziege auf einen Hund losgeht, dann versucht sie mit den Hornspitzen in den weichen Bauch zu stoßen. Hütehunde müssen daher speziell auf das Hüten von Ziegen vorbereitet werden, sonst würde sich ein einmal verletzter Hütehund vermutlich nie mehr an eine Ziege heranwagen.

Ziegenzucht und Ziegenrassen

Ein Ziegenbock der Rasse "Deutsche Edelziege"

Die Weiße Deutsche Edelziege

Die dominante Rasse in Deutschland ist die Weiße Deutsche Edelziege. Diese Rasse ist eine internationale Rasse und wird auch als Saanenziege bezeichnet, weil sie aus dem Schweizer Saanenland stammt. Die Weißen Deutschen Edelziegen haben alle hiesigen hellen Rassen und Lokalschläge verdrängt. Die zweite wichtige Rasse ist die Bunte Deutsche Edelrasse, zu der alle nicht-weißen Rassen zusammengefasst worden sind. Viele alte Rassen sind im Laufe der Zeit untergegangen und nur einige konnten sich als eigenständige Rasse halten.

Ein Beispiel ist die Schwarzwaldziege. Sie wurde in der Vergangenheit so wenig mit anderen Rassen gekreuzt, dass sie zwar als gefährdet gilt, aber als eigenständige Rasse immer noch existiert. Auch die Thüringer Wald Ziege ist eine bedrohte, aber eigenständige Rasse. Typisch für die Thüringer Wald Ziege ist das schöne Gesicht mit weißen Streifen. Diese Rasse ist heute wieder recht beliebt, allerdings nicht wegen ihrer Milchleistung, sondern weil sie so interessant aussieht.

Autor/in: Christiane Gorse

Stand: 14.08.2014, 13:00

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