Die Biologie der Ziege

Eine kleine Burenziege läuft über die Wiese

Ziegen

Die Biologie der Ziege

Von Christiane Gorse

Ihre Welt sind die Berge – und sie lebt schon seit Jahrtausenden mit dem Menschen zusammen. Ein kurzer Steckbrief der Ziege, unserem zickigsten Haustier.

Ihre Art

Die Urziege ist die Bezoarziege, eine robuste Rasse, die noch heute in den Hochgebirgen zwischen Kleinasien und Pakistan verbreitet ist. In Europa findet man die Bezoarziege nur auf einigen Inseln des Ägäischen Meeres.

Ursprünglich ist die Ziege in den Bergen zu Hause – so erklären sich ihre verwegenen Kletterkünste und waghalsigen Sprünge. Ziegen lieben auch erhöhte Plätze, denn von dort lässt sich die Umgebung gut beobachten.

Ihr Lieblingsessen

Wie das Schaf ist auch die Ziege ein Wiederkäuer, lässt aber saftiges Gras links liegen. Denn Ziegen sind Busch- und Strauchfresser. Dornige Brombeersträucher sind für sie eine Delikatesse – dabei zupfen sie so geschickt die Blätter von den Zweigen, dass sie sich nicht weh tun. Damit die Massen an Grünzeug schneller das Maul passieren können, hat die Ziege oben nur eine Gaumenplatte.

Nicht alle Ziegen haben Hörner, dabei kommt es nicht auf die Rasse an. Oft gibt es innerhalb einer Rasse gehörnte und hornlose Ziegen. Der Bock besitzt dagegen immer ein beeindruckendes Gehörn.

Ziegen-Züchter Bernd Merscher füttert seine Ziegen und Schafe

Ziegen und Schafe werden oft zusammen gehalten

Ihre Psychologie

So kapriziös ziegenhaft die Ziege auch sein mag, sie ist doch ein Herdentier und somit gesellig. In einer Ziegenherde besteht eine strikte und von allen respektierte Rangordnung. Die Leitziege führt die Herde zum Fressen und zum Ruhen. Ist eine Ziege aufmüpfig, so reicht meist ein schräger Blick einer ranghöheren Ziege, und sie ist in ihre Schranken verwiesen.

Nur beim Fressen gibt es Probleme: Die Ranghöchste besteht darauf, als erste dranzukommen und das meiste und beste Fressen zu fressen. Damit rangniedrige Ziegen nicht zu kurz kommen, bauen Ziegenhalter die Ställe so, dass jede Ziege ihren Platz und ihr eigenes Futter hat.

Vor Überraschungen ist der Mensch bei Ziegen nie sicher, denn Ziegen sind nicht nur neugierig, sondern auch erfinderisch. Während Schafe bei Gefahren derart in Panik geraten, dass sie sich bei der Flucht das Genick brechen können, sind Ziegen mutiger. Nach drei Fluchtsprüngen überlegen sie es sich anders und schauen sich die Sache erst einmal an.

Auch melken darf sie nicht jeder. Und selbst wenn sie auf der schönsten Weide stehen, kann es sein, dass ihnen der Sinn nach einem Stück Papier auf der anderen Seite des Zauns steht.

Freundschaften mit anderen Tieren

Die Ziege kommt allerdings nicht nur mit Menschen gut klar, auch mit anderen Tieren kann sie eine tiefe Freundschaft verbinden. Besonders mit Pferden wird die Ziege oft in einen Stall gesteckt. So hat das Pferd einen treuen Begleiter und niemand fühlt sich einsam.

Mit einem Tier steht die Ziege allerdings auf Kriegsfuß, und das ist der Hund. Er ist für sie der Wolf, der natürliche Feind. Wenn Ziegen untereinander kämpfen, richten sie Hornansatz gegen Hornansatz. Wenn eine Ziege auf einen Hund losgeht, dann versucht sie mit den Hornspitzen in den weichen Bauch zu stoßen.

Hütehunde müssen daher speziell auf das Hüten von Ziegen vorbereitet werden, sonst würde sich ein einmal verletzter Hütehund vermutlich nie mehr an eine Ziege heranwagen.

Ziegenzucht und Ziegenrassen

Die dominante Rasse in Deutschland ist die Weiße Deutsche Edelziege. Diese Rasse ist eine internationale Rasse und wird auch als Saanenziege bezeichnet, weil sie aus dem Schweizer Saanenland stammt. Die Weißen Deutschen Edelziegen haben alle hiesigen hellen Rassen und Lokalschläge verdrängt.

Die zweite wichtige Rasse ist die Bunte Deutsche Edelrasse, zu der alle nicht-weißen Rassen zusammengefasst worden sind. Viele alte Rassen sind im Laufe der Zeit untergegangen und nur einige konnten sich als eigenständige Rasse halten.

Ein Beispiel ist die Schwarzwald-Ziege. Sie wurde in der Vergangenheit so wenig mit anderen Rassen gekreuzt, dass sie zwar als gefährdet gilt, aber als eigenständige Rasse immer noch existiert.

Auch die Thüringer Waldziege ist eine bedrohte, aber eigenständige Rasse. Typisch für sie ist das schöne Gesicht mit weißen Streifen. Diese Rasse ist heute wieder recht beliebt, allerdings nicht wegen ihrer Milchleistung, sondern weil sie so interessant aussieht.

Ein Ziegenbock der Rasse "Deutsche Edelziege"

Die Weiße Deutsche Edelziege ist die Nummer eins

Stand: 19.12.2019, 13:30

Darstellung: