Tierschutz in Zoo und Zirkus

Kontroverse – Raubkatzen in Gefangenschaft 05:07 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Tierschutz

Tierschutz in Zoo und Zirkus

Von Andrea Böhnke

Elefanten, die Männchen machen, Löwen, die in einem Glaskasten sitzen, oder Pferde, die einen Knicks machen – ist das unterhaltsames Tiertraining oder Tierquälerei? Tierschützer fordern Gesetze, die das Halten von Wildtieren in Zoo und Zirkus strenger regeln oder sogar ganz verbieten. Die Betreiber dagegen fühlen sich von den Tierschützern zu Unrecht beschuldigt und regelrecht verfolgt.

Tierschützer kritisieren Zoos

Für viele ist es das Highlight am Wochenende oder in den Ferien: ein Besuch im Zoo und im Zirkus. Vor allem Familien mit Kindern zieht es jedes Jahr millionenfach dorthin.

Wenn es nach Tierschützern ginge, wäre diese Art der Freizeitbeschäftigung allerdings bald Geschichte. Sie halten es für falsch, Wildtiere wie Elefanten, Tiger oder Eisbären zur Schau zu stellen.

"Kein Zoo kann einem Elefanten, einem Tiger oder einem Eisbären artgerechte Lebensbedingungen bieten", sagt etwa Peter Höffken. Er ist Mitglied der Organisation People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) und dort Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche.

Die Gehege seien oft zu klein und würden den Tieren kaum Abwechslung bieten, so Höffken. Das bliebe nicht ohne Folgen: "Es macht die Tiere krank, in einem engen Gehege zu leben, in dem sie keine Beschäftigungsmöglichkeiten haben", sagt der Tierschützer.

Viele Zootiere zeigten Verhaltensstörungen. Am häufigsten seien Stereotypien, bei denen die Tiere grundlos immer wieder die gleichen Bewegungsmuster ausführten. "Klassisches Beispiel dafür ist der Bär, der stundenlang im Kreis läuft, oder der Tiger, der ständig am Gehegerand auf- und abschreitet", sagt Höffken. Verhaltensstörungen äußerten sich unter anderem auch darin, dass sich die Tiere selbst verstümmelten oder ein gestörtes Verhalten gegenüber Artgenossen aufwiesen.

Zoobetreiber: "Natürliche Lebensräume für die Tiere"

"Die Gehege sind nahezu natürliche Lebensräume für die Tiere", sagt dagegen Sabine Haas, Sprecherin der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen. Je nach den natürlichen Bedürfnissen der Tiere seien sie unter anderem mit Land- und Wasserflächen, Kratzbäumen oder Schlammsuhlen ausgestattet. "Zusätzlich wird bei jeder Tierart auf ein natürliches soziales Umfeld geachtet", sagt Haas. Herdentiere etwa würden in Herden, andere Tiere zum Beispiel paarweise gehalten werden.

Auch das Futter richte sich nach dem Angebot in der Natur. "Das Futter wird sehr häufig als Beschäftigungsfutter angeboten, sodass die Tiere sich – wie in der Natur – das Futter erarbeiten müssen", sagt die Zoosprecherin. Um zu vermeiden, dass sich die Tiere an die Fütterung gewöhnten, variierten die Fütterungszeiten und es würden auch mal Fastentage eingelegt.

Unterwasseraufnahme von einem Eisbären, der auf ein Stück Eis zuschwimmt, das sein Futter enthält.

Die Eisbären im Zoo Hannover kriegen Eistorte

Schützt der Zoo bedrohte Tierarten?

Auf Plakaten oder im Internet machen Zoobetreiber heute oft auf ihr Engagement für den Tier- und Artenschutz aufmerksam. Der Zoo Hannover bezeichnet sich selbst auf seiner Webseite zum Beispiel als "Arche Noah für bedrohte Tierarten".

Tatsächlich unterstützen heute nahezu alle Zoos Projekte, durch die bedrohte Tierarten wie etwa Menschenaffen geschützt werden sollen. Viele beteiligen sich auch am sogenannten Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Ziel des EEPs ist es, den Bestand bedrohter Tierarten durch gezielte Züchtung zu erhalten und keine wilden Tiere für den Zoo neu zu fangen. Damit es nicht zur Inzucht kommt, tauschen die beteiligten Zoos auch Tiere untereinander aus.

Tierschützer kritisieren Programme wie das EEP jedoch, weil sie meinen, dass für diese weiterhin Wildtiere gefangen würden. Sensible Tierarten wie zum Beispiel Elefanten produzierten in Gefangenschaft nicht genügend Nachwuchs, um eine Nachzucht zu ermöglichen. Wenn die Zoobetreiber deswegen Elefanten aus der Natur fangen und in Zoos bringen würden, widerspreche das dem Ziel der Programme.

Ein Gorilla-Weibchen sitzt mit seinem Jungen auf dem Boden.

Im Zoo Leipzig werden Gorillas gezüchtet

Größere Gehege – ein Schritt in die richtige Richtung?

Bei aller Kritik erkennen auch Tierschützer an, dass sich in den vergangenen Jahren in einigen deutschen Zoos etwas getan hat. Viele haben ihre kleinen Außenanlagen zu Erlebnis- oder Themenwelten ausgebaut, die dem Besucher das Gefühl vermitteln sollen, er erlebe die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung.

Auch Marius Tünte, ehemaliger Pressesprecher vom Deutschen Tierschutzbund, erkennt an, dass einige Zoobetreiber in den vergangenen Jahren ihre Gehege vergrößert haben. "Dennoch finden sich nahezu in jedem Zoo oder Tierpark nach wie vor Gehege und Tierhaltungen, die aus Tierschutzsicht ungenügend sind", sagt Tünte.

Es gebe verschiedene Tierarten, deren Bewegungsbedürfnis oder Jagd- und Sozialverhalten in Gefangenschaft so eingeschränkt sei, dass eine verhaltensgerechte Unterbringung gemäß dem Tierschutzgesetz nicht möglich sei. "Bei Eisbären beispielsweise scheint eine artgerechte Haltung kaum realisierbar", sagt Tünte.

Eisbären seien von Natur aus Einzelgänger, die jedes Jahr ein Gebiet durchstreiften, das bis zu 600.000 Quadratkilometer groß sei, so der Tierschützer. Das entspricht ungefähr einer Fläche, die doppelt so groß ist wie Deutschland. Selbst große Außenanlagen könnten dem natürlichen Bewegungsdrang der Bären nicht gerecht werden.

Ein Eisbär geht auf einem Podest aus Beton auf und ab.

Ein Eisbär im Wuppertaler Zoo

Tierschützer sind gegen Wildtiere im Zirkus

Auch Zirkusse bieten nach Ansicht von Tierschützern Anlass für Kritik. Die Tiere würden hier nicht nur gefangen gehalten, sondern auch darauf dressiert, typische Zirkustricks, wie zum Beispiel das Männchen machen, aufzuführen. "Die Dressur von Wildtieren basiert grundsätzlich auf der Ausübung von Gewalt und Zwang", sagt Peter Höffken von PETA. "Das belegen unzählige Recherchevideos mit versteckten Kameras."

Einige dieser Videos sind auf der PETA-Webseite zu finden. Sie zeigen unter anderem, wie Zirkusmitarbeiter Elefanten mit sogenannten Elefantenhaken schlagen. Das sind lange Holzstöcke, an deren einen Ende sich ein Metallhaken befindet, mit dem die Dompteure unter anderem an den empfindlichen Ohren der Elefanten ziehen.

PETA ruft daher regelmäßig zu Protestaktionen vor Zirkussen auf und zieht zum Teil auch gegen die Betreiber vor Gericht. Vor allem Circus Krone ist in den vergangenen Jahren zur Zielscheibe der Tierschützer geworden. Schon mehrfach musste die ehemalige Direktorin Christel Sembach-Krone Bußgelder zahlen, nachdem Mitglieder von PETA sie wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz angezeigt hatten.

Drei PETA-Mitglieder stehen auf einem Platz und halten Schilder mit der Aufschrift "Wildtiere raus aus dem Zirkus" in die Kamera. Sie sind am ganzen Köper geschminkt, als Löwe, Zebra und Tiger.

PETA fordert: Keine Wildtiere im Zirkus

Zirkusbetreiber wehren sich gegen Anschuldigungen

Die Betreiber von Circus Krone fühlen sich von Tierschutzorganisationen wie PETA zu Unrecht beschuldigt. 2010 sagte der Sprecher von Circus Krone, Frank Keller, in einem Interview mit merkur-online, die Betreiber würden von den Tierrechtlern regelrecht verfolgt. "In vielen Städten, in die wir auf Tournee kommen, sind sie schon da. Manchmal werden unsere Plakate überklebt mit Schriftzügen wie 'Abgesagt wegen Tierquälerei'. Manchmal gibt es Demonstrationen vor dem Zirkuszelt mit Transparenten oder Megafonen."

Warum gerade Circus Krone im Visier der Tierschützer ist, erklärte der Krone-Sprecher im Interview damit, dass der Zirkus Marktführer sei und somit eine geeignete Plattform für die Tierrechtler biete. Keller weist darauf hin, dass der Zirkus nach den verschiedenen Beanstandungen durch das Veterinäramt seine Tierhaltung optimiert habe. "Wir haben zum Beispiel die Fixierzeiten der Elefanten deutlich reduziert", sagt Keller. "Und wir verwenden Gurte, keine Ketten mehr."

Der Haupteingang des Circus Krone in München.

Tierschützer haben vor allem Circus Krone im Visier

Wildtiere in Zoo und Zirkus verbieten?

Doch PETA und dem Deutschen Tierschutzbund reichen die Verbesserungsbestrebungen der Zoo- und Zirkusbetreiber nicht. Sie kämpfen seit Jahren für ein generelles Verbot bestimmter Wildtierarten im Zoo und im Zirkus.

Auch die Bundestierärztekammer ist der Meinung, dass es "im reisenden Zirkus systemimmanente Probleme mit der Haltung bestimmter Tierarten" gebe. Eine Tierhaltung, bei der die notwendigen Haltungsanforderungen nicht gewährleistet werden könnten, sei allerdings ohnehin verboten, unabhängig davon, ob es sich um domestizierte oder Wildtiere handele.

Der Bundesrat versucht bereits seit Jahren ein Verbot von bestimmten Wildtierarten im Zirkus durchzusetzen. 2003, 2011 und 2016 verfassten seine Mitglieder Entschließungen dazu. In diesen baten sie die Bundesregierung, Gesetze zu erlassen, die das Halten von Wildtieren in Zirkussen verbieten. Geändert hat sich allerdings nichts.
Im Juni 2017 lehnte der Umweltausschuss des Bundestags den Antrag der Linken ab, Wildtiere im Zirkus zu verbieten.

Nach wie vor regeln nur das Tierschutzgesetz und unverbindliche Leitlinien das Halten von Wildtieren in Zoo und Zirkus. In anderen europäischen Ländern, unter anderem in Österreich, England und Griechenland, dürfen dagegen generell keine Wildtiere im Zirkus auftreten.

Wildtiere in der Manege – Pro und Contra Planet Wissen 10.04.2019 01:34 Min. Verfügbar bis 10.04.2024 ARD-alpha

Stand: 30.07.2019, 11:59

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