Globaler Wandel

Umwelt

Globaler Wandel

Die Erde wandelt sich ständig – ein natürlicher Prozess, langsam, für uns Menschen kaum merklich. Doch seit Beginn der Industrialisierung vor rund 150 Jahren hat sich der Wandel beschleunigt – ein Wandel, den der Mensch verursacht und den die Natur nicht verkraftet.

Wer die Erde von oben betrachtet, kann den globalen Wandel sehen: Seen trocknen aus, Gletscher schmelzen ab, riesige Waldflächen sind gerodet, Wüsten greifen um sich und Städte ufern aus. Der globale, also weltweite Wandel wird oft nur unter dem Umweltgesichtspunkt betrachtet, doch er bedeutet wesentlich mehr.

Mit dem Begriff, der seit den 1980er Jahren für die tiefgreifenden Veränderungen auf unserem Planeten verwendet wird, werden Klimaänderungen, geänderte Landnutzung, globale Umweltschäden, die Bevölkerungsentwicklung der Erde und der Verlust von Artenvielfalt bezeichnet. Kurzum alles, was zum System Erde gehört, sich gegenseitig beeinflusst und voneinander abhängig ist.

Das Schwinden der Wälder

Bevor der Mensch eingriff, waren rund 60 Prozent der Landoberfläche der Erde mit Wald bedeckt, schätzen Wissenschaftler. Heute ist es gerade noch die Hälfte – Tendenz fallend.

Zwar hat die Menschheit mit der Sesshaftwerdung auch begonnen, Wälder abzuholzen, doch erst mit dem Zeitalter der Industrialisierung wurden Wälder systematisch genutzt oder beseitigt. Es dauerte also nur rund 150 Jahre, um zu vernichten, was in Jahrtausenden entstanden war.

Hauptursachen für die Abholzung von Wäldern waren früher die Gewinnung von Ackerland und die Nutzung des Holzes. Heute kommt eine ganz erhebliche Reihe von Ursachen hinzu, die vor allem einen Grund haben: Profit.

Waldflächen werden in Asien, Südamerika und Teilen Afrikas in großem Stil gerodet, um Anbauflächen für Soja, Palmöl, Weizen oder Zuckerrohr zu gewinnen. Ursprüngliche Wälder müssen schnell nachwachsenden Bäumen wie Kiefern oder Eukalyptus weichen, deren Holz für die Papierindustrie gebraucht wird. Auch die Weidewirtschaft, die den weltweit steigenden Fleischkonsum bedient, benötigt riesige Flächen.

Jeden Tag gehen nach Angaben der Welthungerhilfe 28 Hektar Wald verloren, allein für Toilettenpapier und Wegwerftücher werden täglich etwa 270.000 Bäume gefällt.

Hinzu kommen Waldschäden durch Rohstoffabbau, durch Schadstoffe oder falsche Bewirtschaftung. Die Schäden entstehen größtenteils in Ländern der sogenannten Dritten Welt. Die Produkte, denen der Wald zum Opfer fällt, sind jedoch für andere bestimmt: für die reichen Industrieländer.

Der Kahlschlag hat verheerende Folgen: Als CO2-Speicher und Sauerstoffproduzenten sind die Wälder lebensnotwendig. Werden sie abgeholzt, entsteht beispielsweise bei der Brandrodung eine erhebliche Menge Kohlendioxid, das die Atmosphäre zusätzlich belastet.

Gerodete Flächen erwärmen sich wesentlich schneller als Waldflächen, was sich wiederum negativ auf das Klima auswirkt. Und nicht zuletzt verschwindet mit den Wäldern unwiederbringlich auch die Artenvielfalt.

Ansätze zum Erhalt der Wälder bringen bisher nur Einzelerfolge. Auf der Nordhalbkugel ist in einigen Ländern der Schwund der Wälder zum Stillstand gekommen, manche verzeichnen sogar einen moderaten Zuwachs. Dies kann jedoch nicht den Raubbau in anderen Gebieten ausgleichen, beispielsweise den Verlust der Tropenwälder, die die größte Artenvielfalt der Erde aufweisen.

Luftaufnahme eines Waldes

Jeden Tag gehen 28 Hektar Wald verloren

Die Wüste rückt vor

Der Mensch verwüstet die Erde im wahrsten Sinne des Wortes. Die Abholzung von Wäldern, Überdüngung, zu starke Beweidung, Übernutzung durch die Landwirtschaft, falsche Bewässerungsmethoden gehören zu den wichtigsten Ursachen, für die der Mensch verantwortlich ist.

Kann sich die Natur nicht mehr selbst regenerieren, werden aus Trocken- und Halbtrockenräumen schnell Wüstengebiete, Gewässer trocknen aus. Kommt zur Übernutzung durch den Menschen noch eine Dürre oder eine längere klimatische Änderung hinzu, kommt es schnell zur Katastrophe – für die Bewohner des Gebiets, aber auch für die Natur.

Das bekannteste Beispiel hierfür ist sicher die Ausbreitung der Wüste im Sahel Anfang der 1970er Jahre. Überweidung ist in Afrika die Hauptursache für die Entstehung von Wüsten (Desertifikation); in Asien ist es vor allem die massive Abholzung.

Ein Drittel der weltweiten Landoberfläche ist durch Desertifikation gefährdet – und damit auch ein wesentlicher Teil der landwirtschaftlichen Anbauflächen. Bereits heute werden nach Angaben der Vereinten Nationen jährlich rund zwölf Millionen Hektar Land zerstört, eine Fläche, die so groß ist wie Österreich und die Schweiz zusammen.

Thailändische Frau hockt mit zwei Kindern auf ausgedörrter Erde.

Die Natur kann sich nicht mehr selbst regenerieren

Auch hier rächt sich die Natur: Die Artenvielfalt nimmt weiter ab, nutzbare Flächen gehen verloren und letztlich leiden die Menschen in den betroffenen Regionen. Es trifft vor allem ärmere Länder, deren Bevölkerung besonders auf die Nutzung der natürlichen Ressourcen angewiesen ist. Nahrungsmittelknappheit und Trinkwassermangel verschärfen sich, in manchen Gegenden sind die Böden zusätzlich durch Schadstoffe verseucht, was wiederum zu Krankheiten führt.

Funktionierende Gegenmaßnahmen gibt es bereits, doch zur Umsetzung fehlen oft die Mittel oder bei der Bevölkerung die Kenntnisse. Nachhaltiges Wirtschaften, die Wiederherstellung der ländlichen Sozialsysteme, Verzicht auf bewässerungsintensive Pflanzen und Monokulturen sind einige Ansätze.

Gegen die weitere Desertifikation werden mancherorts niedrige Wälle gebaut, die die wenigen Niederschläge aufstauen, oder Ackerflächen mit Bäumen bepflanzt, um sie vor Erosion zu schützen und die Verdunstung zu mindern.

Die Meere – Lebensquell und Müllkippe

Sie sind der Ursprung allen Lebens auf der Erde, Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und für den Menschen eine wichtige Nahrungsquelle. Noch vor nicht allzu langer Zeit galten sie als unerschöpflich – heute sieht das anders aus.

Manche Meere wie beispielsweise das Mittelmeer sind völlig überfischt, viele Arten durch intensive Fischerei vom Aussterben bedroht. Durch Fangmethoden wie die Grundschleppnetzfischerei werden außerdem der Meeresboden und wertvolle Korallenriffe zerstört.

Es ist nicht nur die Nahrung, die den Menschen lockt: Die Meere bieten eine bisher unbekannte Menge an Rohstoffen – Edelmetalle, Diamanten, Erze, Blei, Quecksilber und mehr. Für den Rohstoff-Abbau besonders interessant sind Mangan-Knollen, kartoffelgroße Knollen in über 4000 Meter Tiefe, die verschiedene Metalle enthalten.

Zu den bekanntesten Rohstoffen, die bisher abgebaut werden, gelten Erdgas und Erdöl. Auch dies hinterlässt gewaltige Spuren im Ökosystem Meer: Beim der Förderung gelangen beispielsweise große Mengen nicht abbaubarer Schadstoffe ins Wasser.

Und noch etwas befindet sich in den Meeren, was dort nicht hingehört: Müll. Mitte der 1990er Jahre entdeckte der amerikanische Kapitän Charles Moore einen riesigen Teppich aus Plastikmüll mitten im Pazifik.

Im Jahr 2010 hatte der Müllteppich bereits die Ausmaße Europas erreicht. Das Plastik wird zerrieben, irgendwann an Land gespült oder von Vögeln und Fischen verschluckt – und gelangt so in die Nahrungskette. Die Gefahren, die von diesem neuen Müll-"Kontinent" ausgehen, sind bisher noch nicht abschätzbar. Ähnliche Müllteppiche wurden inzwischen im Atlantik und der Nordsee entdeckt.

Eine Flussmündung im Senegal am Atlantik mit Unmengen Plastikmüll.

Die Verschmutzung der Meere nimmt zu

Doch Müll ist längst nicht das einzige Problem: Vor allem das Kohlendioxid, das in den Meeren gespeichert wird, sorgt dafür, dass die Meere immer saurer werden – was für Tier- und Pflanzenwelt verheerende Folgen hat. Gleichzeitig erwärmen sich durch den Klimawandel die Meere, der Meeresspiegel steigt.

Heute wird vermutet, dass die Erwärmung der Meere dazu beiträgt, dass Stürme und Hochwasser häufiger werden. Eines ist jedoch sicher: Länder mit flachen Küstenregionen und Inseln, die sich nur wenige Meter über den Meeresspiegel erheben, drohen in den Fluten der Meere zu versinken.

Die Schätze der Erde

Die Erde bietet einen unermesslichen Reichtum an Rohstoffen, die der Menschheit das Überleben sichern und vielen das Leben angenehm machen. Doch unerschöpflich sind diese Rohstoffe nicht, denn sie werden wesentlich schneller verbraucht, als sie entstehen konnten.

Beispiel Öl, Erdgas, Kohle und Uran: Es dauerte Millionen von Jahren, bis diese Rohstoffe entstanden waren, die heute wichtige Energieträger sind. Doch bei allen zeichnet sich jetzt bereits ab, dass die Vorräte bald zur Neige gehen. Und dafür hat die Menschheit nur einige Generationen gebraucht.

Beim Erdöl wird vermutet, dass die höchstmögliche Fördermenge, der "Peak Oil", bereits erreicht ist. Nach diesem Zeitpunkt sinkt die weltweite Fördermenge, die Preise steigen. Bis die Vorkommen ganz erschöpft sind, wird es schätzungsweise noch 40 bis 50 Jahre dauern, doch dann fehlt das Erdöl nicht nur als Energieträger, sondern auch bei der Produktion von Kunststoff, Textilien, Dünger und vielem mehr.

Norwegische Bohrinsel in Meer.

Die Erdölvorräte neigen sich dem Ende zu

Mit dem Öl gehen auch die Erdgasvorkommen dem Ende entgegen: Sie sollen noch mindestens für 60 Jahre reichen; Kohle, bei deren Nutzung besonders viel Kohlendioxid freigesetzt wird, noch für mindestens 200 Jahre. Uran, das für Atomkraftwerke benötigt wird, ist nach Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und Berechnungen von Greenpeace noch für etwa 60 Jahre vorhanden.

Die Schätze der Erde, bei denen sich die Menschheit gerne bedient, reichen von üppigen Wäldern bis zu Edelmetallen, von Sand und Kies bis Blei. Um an die begehrten Stoffe heranzukommen, unternimmt die Menschheit große Anstrengungen und hinterlässt oft gigantische Verwüstungen.

Für den Braunkohletagebau müssen ganze Dörfer umgesiedelt werden, auch für den Kupfertagebau werden oberirdisch riesige Flächen umgegraben. Im Untertagebau wird auf der Suche nach Kohle oder Diamanten bis über 1000 Meter tief in die Erde gegraben. Oberirdisch entstehen Abraumhalden, in vielen Gegenden sinkt der Grundwasserspiegel.

Bei der Gewinnung von Gold und Silber werden Zyanid und Quecksilber eingesetzt – und die Böden auf Dauer verseucht. Auch Erdöl, das schwarze Gold, hinterlässt eine giftige Spur: Durch Lecks bei der Förderung werden Böden und Gewässer verseucht, Unfälle beim Transport auf Tankern sorgen immer wieder für Ölteppiche, die schließlich ganze Küstenstriche verwüsten.

Zu den Leidtragenden gehört nicht nur die Umwelt, die sich oft über einen langen Zeitraum nicht mehr erholt, sondern auch die Bevölkerung, deren Lebensraum auf Dauer zerstört wird.

Ungebremstes Wachstum der Städte

Die Menschheit ernährt sich von dem, was in ländlichen Regionen produziert wird. Doch zum Leben zieht es viele in die Städte. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung wohnt heute in Städten, in den USA sind es gar 79 Prozent der Bevölkerung.

Zur gleichen Zeit wächst die Weltbevölkerung rasant: 1950 gab es weltweit rund 2,5 Milliarden Menschen, im Jahr 2015 waren es 7,4 Milliarden. Mit der Weltbevölkerung wachsen auch die Städte, neue urbane Gebiete entstehen.

Die Städte sind sicher die radikalste Umgestaltung der Erde, ihr Flächenverbrauch ist aber nicht das eigentliche Problem. Wirklich problematisch ist, vor allem in Entwicklungsländern, die Versorgung der Bewohner. Lebensmittel und Wasser müssen aus dem Umland geholt werden.

Oft kann die Infrastruktur – beispielsweise Versorgung mit Wasser und Energie, Müll- und Abwasserentsorgung – mit der steigenden Bewohnerzahl nicht mithalten. Die Folge sind riesige Slums mit unzureichender Hygiene und Einwohnern, die oft unter dem Existenzminimum leben. Dennoch ist in vielen Ländern die Landflucht ungebrochen.

Das Wachsen der Städte beeinträchtigt auch die weitere Umgebung: Zu große Wasserentnahmen lassen ganze Städte wie Mexiko-Stadt meterweise absacken oder entziehen dem Umland dauerhaft das lebensnotwendige Nass.

Dazu kommt, dass riesige Abwassermengen das vorhandene Trinkwasser teilweise unbrauchbar machen. Sinkt in Küstenstädten durch Übernutzung der Grundwasserspiegel, droht das Trinkwasser durch eindringendes Meerwasser zu versalzen.

Neben den Problemen, die von Menschen verursacht sind, drohen großen Städten jedoch auch Gefahren aus der Natur: Dazu gehören Hitze- und Dürrewellen, Hurrikane, Überflutungen, Erdbeben. Solche Ereignisse richten auch in Industriestaaten verheerende Schäden an und wirken sich besonders dort stark aus, wo viele Menschen auf einem Raum leben.

Den Ballungsräumen droht eine weitere Gefahr, die durch die Globalisierung noch beschleunigt wird: Infektionskrankheiten. Sie können sich heute binnen wenige Wochen rund um den Erdball verbreiten und dort zuschlagen, wo sich besonders viele Menschen auf engem Raum befinden: in den Städten.

Blick auf die Hochhäuser von Chengdu

Die radikalste Umgestaltung der Erde: die Städte

Autorin: Martina Frietsch

Stand: 26.11.2018, 09:49

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