Alte Rezeptur für die Eisengallustinte

 Zeichnung zeigt Galläpfel am Ast und die Herstellung von Gallustinte

Tinte

Alte Rezeptur für die Eisengallustinte

Die am häufigsten verwendete Tinte im Mittelalter war die Eisengallustinte. Vermutlich kam das aus dem arabischen Raum stammende Urrezept in der Mitte des ersten Jahrhunderts nach Mitteleuropa. Ihre Herstellung wurde erstmals im dritten Jahrhundert beschrieben.

Tinte aus Galläpfeln

Galläpfel liefern den Grundstoff der Tinte. Sie entstehen durch das Gelege der Gallwespe in dünnen Ästen und Blättern junger Eichen. Die Pflanze reagiert auf die dadurch hervorgerufene Verletzung mit einer abnormen Geschwulst. In drei bis sechs Monaten entwickeln sich daraus hellbraune bis grünschwarze Gallen. Sie können kirschgroß werden und bestehen bis zu 60 Prozent aus Gerbsäure.

Zur Herstellung der Tinte sind eine Vielzahl mittelalterlicher Rezepte überliefert. Das folgende stammt aus dem "Heidelberger Codex Pal. Germ. 489", "Von den Farben":

"Schwartze dinten
Nimm den vierten tail aines mass wasser,
oder wein, und 1 lot galla romana, wol
gestossen, und legs in das wasser, und setz
es zum fewr das es siede, ain halb stundt,
darnach thue ain lot gummi arabicum wol
gestossen darein, und ruers undereinander.
Lass ain claine weil sieden, darnach leg 1 lot
vitriol wol gestossen darein, und ruer es wol
undereinander, und nims war das es nit
uberlauff."

Die zweitwichtigste Tintensubstanz ist das Vitriol von Kupfer oder Eisen, genauer: die in Wasser löslichen, schwefelsauren Salze dieser Schwermetalle. In Verbindung mit Gerbsäure und Luftsauerstoff oxidiert das Eisenion im Vitriol und fällt als schwarzer Eisengallatkomplex aus - die Eisengallustinte. Als Lösungs- und Bindemittel dienen Wasser, Gummi Arabicum, Alaun, Zucker und Wein.

Weiterführende Infos

Autor/in: Cristina Moles Kaupp

Stand: 13.03.2015, 12:00

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