Tinte

Hand schreibt mit Füller auf Papier

Farbe

Tinte

Was wäre die Menschheit ohne die Möglichkeit, Gedanken, Ereignisse und Bräuche auf Papier zu bannen? Rund um den Globus unterhielt man sich einst in 3000 Sprachen. Etwa 100 davon sind schriftlich überliefert. Die Entwicklung von geschriebener Sprache veränderte nicht nur die Weitergabe von Informationen, sondern zog zahlreiche Erfindungen nach sich: Schreibgeräte, Tinten und Tinkturen helfen den Menschen dabei, das Flüchtige festzuhalten.

Tinte aus Ruß und Sepia

Vor 5000 Jahren schrieben Ägypter mit Binsen auf Papyrus. Damals schon existierten schwarze und rote Tinten - sie wurden aus Ruß oder eisenoxydhaltigen Erden, Wasser und einem gummiähnlichen Bindemittel hergestellt.

Auch die Chinesen haben schon früh geschrieben: um 2600 vor Christus trugen sie dazu eine Art Lack mit einem Bambusstab auf. Erst viel später wurde auch dort die Tinte aus Ruß, der beim Verbrennen aus Lack und Nadelholzkohle entstand, gebräuchlich. In Stangen gepresst rieb man diese Trockenfarbe so lange in Wasser, bis man damit schreiben konnte.

Großaufnahme eines Sepia-Tintenfisches unter Wasser

Sepia-Tintenfisch

Unter den zahlreichen überlieferten Tintenrezepten finden sich einige, die aus dem Tintenfisch gewonnen wurden. Sepia heißt der dunkelbraune Farbstoff, der heute noch aus der Tintenblase des gleichnamigen Meeresbewohners stammt.

Nach dem Trocknen wird der Farbstoff im Mörser pulverisiert, zum Schreiben rührt man das Pulver mit Regenwasser und dem Bindemittel Gummi Arabicum an. Sepia-Tinte war jedoch in Europa nicht überall bekannt, erst der römische Autor Cicero (106 bis 43 vor Christus) berichtet davon.

Ruß- und Sepia-Tinten eigneten sich zum Schreiben auf Papyrus. Sie waren leicht abwaschbar, so dass der Schreibgrund wieder verwendet werden konnte. Federn aus zurechtgeschnittenem Schilfrohr waren damals das Schreibwerkzeug.

Die ersten Bücher

Bis 400 nach Christus wurde hauptsächlich auf Papyrus geschrieben. Dann entdeckte man die Vorzüge des Pergaments: Leder, bevorzugt feines Kalbsleder, wurde so penibel gegerbt und abgeschabt, bis es dünn und durchscheinend war. Es ließ sich beidseitig beschreiben und schluckte weder Farbe noch Tinte, sodass die ursprüngliche Färbung nicht verblich. Darüber hinaus war es haltbar, wetterfest und die einzelnen, beliebig großen Blätter konnten miteinander verschnürt werden - so entstand das Buch.

Mittelalterliche Buchmalerei

Buchmalerei auf Pergament (12. Jahrhundert)

Bis zur Einführung von Papier im 13. Jahrhundert - die Chinesen hatten es bereits 100 vor Christus erfunden - blieb das Pergament der wichtigste Beschreibstoff. Mit ihm kam der praktischere Gänsekiel zum Einsatz. Er stammt in der Regel aus den ersten fünf Schwingfedern der Gans. Wegen ihres Schwungs liegen die Federn des linken Flügels Rechtshändern besonders gut in der Hand.

Neue, auch farbige Tinten entstanden auf mineralischer, pflanzlicher und tierischer Basis. Die Alchimisten des Mittelalters experimentierten mit Ruß und pulverisierten Mineralien, Eiweiß und Wein. Doch die schwarze und wasserfeste, so genannte Eisengallustinte war bereits den Römern bekannt: Sie galt als Schreibmittel für die Ewigkeit.

Die Eisengallustinte besteht aus pulverisierten Galläpfeln, Eisen- oder Kupfervitriol, Gummi Arabicum und Lösungsmitteln wie Wasser, Bier, Wein oder Essig. Einziger Nachteil dieser Tinte war, dass sie beim Altern Schwefelsäure freisetzte, die das Papier zersetzte - der so genannte Tintenfraß entstand.

Tinten und Stahlfedern

Absatzbild

Gänsekiele neigen zum Klecksen

Eisengallustinten waren lange in Gebrauch. Als jedoch ab 1750 die ersten Schreibfedern aus Metall Mode wurden, musste die Tintenrezeptur verändert werden: Die Salze der Tinte setzten den Stahlfedern so zu, dass sie schon nach kurzem Gebrauch rosteten. Mit dem 19. Jahrhundert begann die Zeit der Normen: Das deutsche Reichskanzleramt gab 1888 "Die Grundsätze für amtliche Tintenprüfung" heraus, die 1912 noch weiter ergänzt wurden.

Füllfederhalter sind praktischer und zuverlässiger als klecksende Federn. Die ersten Modelle kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf den Markt. Füller waren zunächst noch recht umständlich und undicht, sie wurden mit einer Pipette betankt. Doch 1883 erfand Lewis E. Waterman ein neues Tintenleitsystem und setzte mit seinem Füllfederhalter "Waterman Regular" noch heute gültige Standards.

Waterman fertigte 1927 die ersten Tintenpatronen, ihr System wurde jedoch erst ab 1960 weltweit gebräuchlich. Zuvor wurde bereits der Kugelschreiber erfunden, der nach dem Zweiten Weltkrieg zum stärksten Konkurrenten des Füllers wurde.

High-Tech-Tinte

Tintenfass mit Federhalter und Papier

Haben ausgedient: Tintenfass und Stahlfeder

Im Zeitalter von Computern und Druckern hat sich die Tinte sehr stark weiterentwickelt. Ihre Substanzen sind wissenschaftlich perfektioniert und genau auf die Funktionsweise des Tintenstrahldruckers abgestimmt. Als Basis dienen in der Regel synthetische lichtbeständige Pigmente. Bei Farb-Tintenstrahldruckern entstehen Kombinationen aus Cyan, Gelb, Magenta und Schwarz.

Beim Tintenstrahl-Druckverfahren wird die Tinte auf 150 Grad Celsius erhitzt. Diese Temperatur muss sie aushalten, ohne sich zu zersetzen. Wichtig ist dabei, dass sich nach dem Druckvorgang keine festen Tintenbestandteile absetzen, die den Druckkopf zerstören könnten. Beim Druck ist die Menge und Flugrichtung der abgegebenen Tinte wichtig, sie richtet sich nach Zusammensetzung und Fließverhalten.

Weiterführende Infos

Autor/in: Cristina Moles Kaupp

Stand: 13.03.2015, 12:00

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