Unsichtbare Schrift

Viele Zitronen

Tinte

Unsichtbare Schrift

Es gibt Botschaften, die sind nicht für jedermann bestimmt, andere sollen nicht für die Ewigkeit bestehen und wieder andere will man entfernen, bevor sie überhaupt irgendjemand zu Gesicht bekommt. Im Laufe der Zeit entwickelten die Menschen verschiedene Techniken, die all diesen Ansprüchen gerecht wurden.

Von Tintenkillern und unsichtbaren Schriften

Das gesprochene Wort lässt sich bekanntlich nicht ausradieren, mit Schriftstücken sieht das anders aus. Jeder Schüler kennt den Tintenkiller, den es früher als eklig schmeckenden Stift gab. Bevor er die Tinte wegfraß, musste man ihn anfeuchten. Längst kommt der Tintentod wie ein Filzstift daher: Das eine Ende löscht die Tinte, der blaue Korrekturstift am anderen Ende bessert die gebleichte Stelle aus. Eine schwefelige Verbindung und eine Lauge zaubern dabei den Tintenfarbstoff vom Blatt. Wohlgemerkt funktioniert dies nur bei den synthetisch hergestellten blauen Tinten.

Geheimtinten

So alt wie die Tinte ist ihr Gegenstück - die Geheimtinte. Sie wird auch "Zaubertinte" oder "Sympathetische Tinte" genannt und dient zur Übermittlung geheimer Botschaften. Dabei wird die Nachricht nicht verschlüsselt, sondern mit einer unsichtbaren Flüssigkeit geschrieben. Der Empfänger erhält ein weißes Blatt, das nach Erwärmung die Botschaft freigibt.

Die einfachsten und ungiftigsten Zutaten für Geheimtinten finden sich in jeder Küche: Apfelsaft, Essig, Milch (Buttermilch), Orangensaft, Zitronensaft, Zuckerwasser oder Zwiebelsaft. Zum Auftragen auf Papier eignen sich Federn, Holz- oder Wattestäbchen. Hält man später das Blatt vor eine Lampe oder erwärmt es mit dem Bügeleisen, färbt sich die Tinte bräunlich.

Der Grund dafür ist der hohe Säureanteil in den Flüssigkeiten. Säure greift das Papier an, je wärmer sie wird, desto schneller altert und vergilbt das Papier. Beigemengter Zucker unterstützt die Färbung zusätzlich, bei Hitze wird er bräunlich.

Damentinte

Gemälde: Mehrere adelige Hofdamen auf einer Kutsche

Hofdamen bedienten sich der "Damentinte"

Ein anderes Prinzip verfolgen so genannte Damentinten: Jeder kann sie lesen, aber nur für kurze Zeit. Plötzlich verblasst die Schrift bis zur Unkenntlichkeit. Solche Tinten waren einst bei Hofdamen für ihre Ränkespiele beliebt, daher der Name.

Heute fungiert die blaue oder grellrote Tinte als Scherzartikel: Wer jemandem diese Tinktur über das Hemd schüttet, kann sich an dessen Entsetzen weiden, wohlwissend, dass die Tinte nach 30 bis 70 Sekunden wieder verschwindet. Doch Vorsicht: Nicht jeder Stoff verträgt diese Tinte.

Um solch eine Tinte selbst herzustellen, füllt man fünf Milliliter (ungefähr fünf Zentimeter hoch) Wasser in ein Reagenzglas. Dazu gibt man, am besten mit einer Pipette, zwei Tropfen Ammoniakwasser. Hinzu kommen zehn Tropfen Phenolphthalein und eine Spatelspitze Phenolphthalein-Pulver zur Farbverstärkung. Nun noch einmal kräftig schütteln - und fertig ist die Tinte.

Autor/in: Cristina Moles Kaupp

Stand: 13.03.2015, 12:00

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