Spacelab

Die Erde vom Weltraum aus gesehen

Bemannte Raumfahrt

Spacelab

Nach der geglückten Mondlandung begann eine neue Ära in der bemannten Raumfahrt. Neues Ziel der NASA: leben und forschen im All. Dafür entwickelten die Amerikaner einen neuen, wiederverwendbaren Raumtransporter.


Forschung im All: das Spacelab

Nach langwierigen Verhandlungen zwischen der NASA und der ESRO (European Space Research Organisation) wird 1973 der Bau des Weltraumlabors Spacelab beschlossen. Am 28. November 1983 ist es dann so weit. Das Spacelab startet erstmals in der Ladebucht eines Space Shuttles ins All. Dabei ist auch der Deutsche Ulf Merbold und damit  erstmals ein ESA-Astronaut. Die Geschichte der bemannten europäischen Raumfahrt beginnt.

Das von den Europäern entwickelte Spacelab ist modular aufgebaut, kann je nach Forschungszielen mit verschiedenen Experimentschränken ausgerüstet werden. Das wichtigste Element ist das sogenannte "Modul", eine Art bewohnbare "Forschungstonne" von sieben Metern Länge und knapp vierMetern Durchmesser.

Außerdem kann ein Space Shuttle in seiner Ladebucht noch sogenannte "Paletten" mitnehmen, U-förmige Elemente von drei Metern Länge, in denen zusätzliche wissenschaftliche Instrumente für den Einsatz im freien Weltraum Platz haben. Teilchendetektoren, Teleskope, Röntgenspektrometer und vieles mehr.

Zwischen 1983 und 1998 fliegen Spacelab-Module insgesamt 22 Mal mit Space Shuttles ins All. Das heißt: 244 Tage Forschung in der Erdumlaufbahn. In der Schwerelosigkeit werden viele völlig neue Experimente durchgeführt. Es wird erstmals getestet, wie der menschliche Körper auf die Schwerelosigkeit reagiert.

Neben medizinischen und biologischen Experimenten steht auch die Materialforschung im Vordergrund. Alle Erfahrungen bei der Entwicklung und beim Bau des Spacelab werden auch zur Grundlage für den späteren Bau des europäischen Forschungsmoduls "Columbus"an der ISS.

Die ESA sammelt über Spacelab viel technisches  Knowhow und Erfahrungen im Management  von Raumfahrtprogrammen. Und nicht zuletzt demonstrieren die Europäer auch den festen Willen, sich an zukünftigen Weltraummissionen zu beteiligen.

Montage des Spacelab in die Space Shuttle-Ladebucht.

Montage des Spacelab in die Space Shuttle-Ladebucht

D1 – die erste deutsche Mission

1985 kommt es mit der D1-Mission zu einem ersten Meilenstein in der deutschen Raumfahrtgeschichte.  Bisher lag das Missionsmanagement immer in amerikanischer Hand, jetzt übernimmt erstmals das Kontrollzentrum der deutschen Luft- und Raumfahrtgesellschaft in Oberpfaffenhofen die Missionsverantwortung.

Mit an Bord sind auch die deutschen Astronauten Ernst Messerschmid und Reinhard Furrer. Die achtköpfige Besatzung führt bei der siebentägigen Mission insgesamt 75 Experimente durch. Der Zeitplan ist streng durchgetaktet.

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit vier Stunden Schlaf gut hinkommt", berichtet Ernst Messerschmid bei einem Live-Interview aus dem Spacelab.  Das Space Shuttle mit den beiden Deutschen an Bord landet am 6. November 1985 sicher wieder in Cape Canaveral.

Die Besatzung der D1-Mission –  links: Reinhard Furrer / in der Mitte, blond, Ernst Messerschmid.

Die Besatzung der D1-Mission

D2 – die zweite Mission unter deutscher Leitung

Ganze acht Jahre dauert es, bis unter deutscher Führung eine weitere Spacelab-Mission startet. 1993 fliegen Hans Schlegel und Ulrich Walter mit dem Spaceshuttle "Columbia" für neun Tage in die Erdumlaufbahn. Auch sie wird letztendlich ein voller Erfolg, nachdem zunächst  Probleme am Space Shuttle die Nerven aller Beteiligten belasten.

Im Februar 1993 gab es bereits eine erste Startverschiebung, im März wird dann der zweite Startversuch nur drei Sekunden vor Ende des Countdowns abgebrochen, weil eines der Triebwerke nicht korrekt arbeitet. Erst der dritte Startversuch im April verläuft dann erfolgreich. Besondere Highlights dieser Mission: Erstmals wird einem Astronauten (Hans Schlegel) bei einem medizinischen Experiment im All ein intravenöser Zugang gelegt.

Hans Schlegel und Ulrich Walter fliegen als letzte deutsche Astronauten im Spacelab. Bereits zwei Jahre nach der D2-Mission fliegt Thomas Reiter für ein halbes Jahr zur russischen Raumstation MIR. Das Spacelab fliegt aber nach der D2-Mission noch fünf weitere Jahre ins All.

Astronaut Ulrich Walter während der D2-Mission im Spacelab.

Astronaut Ulrich Walter während der D2-Mission im Spacelab

Autor: Robert Manz

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Stand: 27.08.2018, 09:52

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