Allergierisiko Neophyten

Götterbaum in einem Park.

Allergien

Allergierisiko Neophyten

Von Barbara Garde

Zedern, Götterbäume, Olivensträucher: Sie tragen mediterrane oder asiatische Atmosphäre in unsere Parks und Gärten. Und sie tragen neue Pollen in unsere Luft; Pollen, die für Allergiker sehr belastend sein können.

Klimawandel und Globalisierung fördern die Einwanderung von Pflanzen aus anderen Ländern oder Erdteilen in Regionen, in denen sie bisher nicht heimisch waren. Die sogenannten Neophyten sind allerorts auf dem Vormarsch. Geht Gefahr von ihnen aus und müssen wir uns gegen sie schützen?

Die Wege der Neophyten nach Deutschland

Sie kommen als Urlaubsmitbringsel, als Ableger, damit die Reiseerinnerungen im heimischen Garten sprießen. Sie werden von Pflanzen- und Gartencentern importiert und angeboten, um die hiesigen Parks und Gärten exotisch zu bereichern. Oder sie werden als Nutz- oder Futterpflanzen eingeführt wie der Riesenbärenklau.

Aber sie werden auch unbewusst eingeschleppt: in Saatgut oder Vogelfutter. Oder sie kleben an Autoreifen, haften an Transportgut aus dem Flug-, Bahn- und Schiffsverkehr. Oder sie verbreiten ihre Samen über Landesgrenzen hinweg per "Ferntransport" durch den Wind über mehrere hundert Kilometer.

Rund 12.000 eingewanderte Arten gibt es laut WWF (World Wide Fund For Nature) in Deutschland. Manche bereichern die hiesige Flora, manche verdrängen heimische Pflanzen. Und einige enthalten allergene Stoffe, die es so bisher noch nicht in Deutschland gab.

So ist die japanische Zeder oder Sicheltanne in ihrem Heimatland Japan eine Hauptquelle für Allergien. Auch auf die Pollen des Olivenbaums reagieren manche Allergiker heftig. Der mittlerweile auch hier beliebte asiatische Götterbaum ist in Peking für jede zweite Allergie verantwortlich. Und die mediterrane Zypresse beschert als Winterblüher den Allergikern schon in sonst pollenfreien Monaten Dezember und Januar Heuschnupfenanfälle.

Gezogene Ambrosia mit Wurzel in einer Hand.

Das hochallergene Ambrosia wird vielerorts ausgerottet

Der Fall Ambrosia

Als hochallergene Pflanze gilt die Beifuß-Ambrosie, die Ambrosia artemisiifolia, die auch Ragweed genannt wird. Vor rund 150 Jahren kam sie in Vogelfutter und Saatgut gemischt aus Nordamerika nach Europa. Im Juni wächst diese dem Beifuß oder dem Möhrenkraut ähnliche Pflanze in die Höhe.

Da die Ambrosia ein Spätblüher ist, dauert der Pollenflug weit über die anderen Pollen hinaus bis in den Winter. Aber nicht nur die Pollen, sondern auch die Blätter der Pflanze lösen bei Hautkontakt allergische Reaktionen aus. Zwar sind andere Pollenallergien, etwa gegen Birkenpollen, sehr viel verbreiteter, aber es reicht bei Ambrosia eine sehr viel geringere Konzentration aus, um allergische Reaktionen hervorzurufen.

Und sie steht im Verdacht, auch bei bisher gesunden Erwachsenen sofort Allergien bis zum allergenen Asthma auszulösen. Rund ein Viertel aller saisonalen Asthma-Erkrankungen in den USA, dem Ursprungsland der Pflanze, werden auf Ambrosia zurückgeführt. In Deutschland ist die Anzahl der Ambrosia-Allergiker sehr gering.

Olivenbäumchen vor einer gelben Wand.

Olivenbäumchen auf deutschen Terrassen – für Allergiker oft ein Problem

Allergene Neophyten ausrotten?

Ein Schaden für das Ökosystem wäre durch eine Ausrottung von hochallergenen Neophyten nicht zu erwarten, da die Pflanzen ja nicht zum heimischen System gehören. Im Fall der Ambrosia werden darum zum Beispiel in Frankreich, der Schweiz, aber auch Bayern große Ambrosia-Ausmerzungsprogramme gestartet. Dabei werden die Pflanzen mit den Wurzeln vor der Blüte ausgerissen oder bei größeren Flächen abgemäht und verbrannt oder im Boden verbrüht. Da Ambrosia-Samen sehr langlebig sind, ist die Ausmerzung aber sehr schwierig.

Bei heimischen Pflanzen wäre eine solche Ausrottung ein bedenklicher Eingriff ins Ökosystem. Auch der Versuch, über Kreuzungen und Züchtungen die Allergene weitgehend wegzuzüchten, wie es im Fall der Primel vorgenommen worden ist, ist keine praktikable Lösung. Denn im Grunde sind die allergenen Neophyten ja absolut harmlos – nur leider nicht für Allergiker.

SWR | Stand: 25.04.2020, 12:00

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