Corona - Kinder leiden

Stress

Corona und das seelische Leid der Kinder

Mediziner und Psychologen sind besorgt: Psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen haben während der Pandemie deutlich zugenommen. Die Bewältigung des seelischen Leids braucht Zeit – und eine mitfühlende Gesellschaft.

Unter Stress

Die Einschränkungen infolge der Corona-Maßnahmen führten zu seelischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen. Wissenschaftler beobachten eine Zunahme von Ängsten, depressiven Symptomen und psychosomatischen Beschwerden.

Politik und Gesellschaft sollten die Lebenslagen dieser jungen Generation ernst nehmen – und bei der Bewältigung der Pandemie-Folgen entsprechend Unterstützung zeigen.

Kinder in der Pandemie

Planet Wissen 30.08.2022 02:42 Min. Verfügbar bis 30.08.2027 ARD-alpha

Corona und Psyche: COPSY-Studie

Die so genannte COPSY-Längsschnittstudie untersucht die Auswirkungen und Folgen der COVID-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Studie wird von der Forschungsabteilung "Child Public Health" am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durchgeführt.

Ein Ziel der COPSY-Studie ist es, Einflussfaktoren zu identifizieren, welche die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in dieser Krisensituation fördern. Daraus sollen Empfehlungen und Strategien für Präventions- und Interventionsansätze abgeleitet werden.

Ergebnisse der COPSY-Studie

Auch eineinhalb Jahre nach Pandemiebeginn fühlten sich im Herbst 2021 noch 82 % der Kinder und Jugendlichen durch die Pandemie belastet. Das Belastungserleben hatte im Pandemieverlauf zunächst zugenommen und stabilisierte sich dann auf hohem Niveau.

Zum Zeitpunkt der dritten Befragungswelle fühlten sich etwa ein Drittel (35 %) der Kinder und Jugendlichen in ihrer Lebensqualität eingeschränkt; das sind noch doppelt so viele wie vor der Pandemie. Ein ähnlicher Trend fand sich bei Ängstlichkeits- und Depressivitätswerten.

Die Häufigkeit psychosomatischer Beschwerden lag ebenfalls deutlich über den Werten vor der Pandemie. Bauch- und Kopfschmerzen sowie Nervosität nahmen in der dritten Befragungswelle noch einmal leicht zu. Mädchen waren hinsichtlich ihrer Lebensqualität, Ängstlichkeit, Depressivität und psychosomatischen Beschwerden zu einem höheren Anteil beeinträchtigt.

Kinder und Jugendliche erlebten die Pandemie als besonders belastend, wenn sie auf beengtem Raum wohnten, einen Migrationshintergrund hatten, ihre Eltern eine niedrige Bildung aufwiesen oder unter einer psychischen Erkrankung litten.

Immer mehr Essstörungen

Das Thema Ernährung spielt eine wichtige Rolle mit Blick auf seelische Nöte in der Pandemie. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BKJV) sprach von einer ungewöhnlich starken Gewichtszunahme bei Kindern und Jugendlichen. 15 bis 20 Prozent der jungen Generation seien betroffen.

Die Ursachen dafür sind vielfältig: Einsamkeit, einseitige Ernährung, keine Möglichkeit zur Bewegung, etwa zum Auspowern im Sportverein. Institutionen wie die Stiftung Achtung!Kinderseele – initiiert von den Berufsverbänden der kinder- und jugendpsychiatrischen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland – haben schon im Jahr 2020 auf mögliche Folgen des Bewegungsmangels hingewiesen.

Corona - Kinder, Chips und Playstation

Corona-Pandemie - Kinder leiden unter Gewichtszunahme und exzessivem Medienkonsum

Zu wenig Sport, zu viel Medienkonsum

Auch ein deutlich gestiegener Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen führt aus Sicht von Medizinern und Psychologinnen zu einer Zunahme von psychologischen Auffälligkeiten. Schon vor dem ersten Lockdown war der Gebrauch elektronischer Medien nach Eindruck vieler Fachleute deutlich zu hoch.

Ein kleiner Lichtblick: Der zu Beginn der Pandemie deutlich erhöhte Medienkonsum nahm im Herbst 2021 etwas ab. Aber noch knapp die Hälfte der Kinder nutzte mehr Medien als vor der Pandemie (mehr als 3–4 Stunden/Tag), so das Ergebnis der COPSY-Studie in der dritten Befragungswelle.

Stressbewältigung in der Schule

Mit der Rückkehr in ein normales Leben und einen normalen Schulbetrieb erwarten Kinderpsychiater weitere Stressreaktionen wie zum Beispiel Schulphobien. Die Bewältigung seelischer Nöte bei Kindern und Jugendlichen infolge der Pandemie ist eine Aufgabe, die nicht allein an die psychiatrischen und psychologischen Kliniken und Praxen delegiert werden sollte.

Ihre Arbeit ist in dieser Zeit wichtiger denn je, aber nicht jedes dritte Kind kann in einer Klinik begleitet werden. Insofern ist die Aufgabe eine gesamtgesellschaftliche.

Schulalltag – was ist das?

Planet Wissen 30.08.2022 03:15 Min. Verfügbar bis 30.08.2027 ARD-alpha

Die Politik, die über die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie entscheidet, muss aus Sicht von Medizinerinnen und Medizinern die Perspektiven der jungen Generation viel stärker berücksichtigen.

Helfen können Programme zur Stressbewältigung bei denen Kinder erzählen, wie es ihnen gerade geht. Lehrer könnten dann die Kinder und Jugendlichen mit Anleitungen zur Resilienz unterstützen, statt sie mit Extra-Paketen an Unterrichtsstoff zu überfordern.

Quelle: BR | Stand: 02.08.2022, 17:00 Uhr

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